Karl Lagerfeld im Jahr 2015 mit seiner ehemaligen Muse, dem französischen Model Baptiste Giabiconi (Mitte), sowie seinem Patensohn Hudson Kroenig bei einer Chanel-Schau in Rom. Foto: AFP/GABRIEL BOUYS

Vor einem Jahr, am 19. Februar 2019, starb der berühmte Modedesigner Karl Lagerfeld. Zu seinem Lebensstil gehörten diverse Musen, unter anderem das französische Model Baptiste Giabiconi. Der 30-Jährige vermisst den Modezar noch immer und hat nun in bewegenden Worten an ihn erinnert.

Paris - Als der aus Südfrankreich stammende Baptiste Giabiconi 18 Jahre alt war, hat er angefangen für den Modedesigner Karl Lagerfeld als Model zu arbeiten. In einem exklusiven RTL-Interview erinnerte sich der inzwischen 30-Jährige aus Anlass des ersten Todestags von Lagerfeld am 19. Februar nun an die gemeinsame Zeit mit ihm. Die Erinnerung an seinen Freund und Mentor seien für das Model, der die einzig männliche Muse von Lagerfeld war, noch immer schmerzvoll. All die Orte, die ihn mit dem verstorbenen Modezaren verbinden würden, ihre Gespräche und Projekte hielten „Karl den Großen“ in seiner Erinnerung am Leben.

Karl Lagerfeld wollte sich eine Art Familie schaffen

Karl Lagerfeld sei in Giabiconis Erinnerung jemand gewesen, der Exklusivität liebte, er habe gewollt, dass man nur ihm gehörte. „Er wusste, was er tun musste, um uns das zurückzuzahlen, denn wir haben viel Zeit damit verbracht, immer für ihn da zu sein. Ich hatte das Gefühl, dass er manchmal wie ein Vampir war, der immer auf der Suche nach frischem Blut war“, zitiert RTL Baptiste Giabiconi im Zusammenhang mit seinem Dasein als Muse. Er glaube auch, dass sich Lagerfeld mit seinen Musen eine Art Familie schaffen wollte. „Eine Familie sucht man sich normalerweise nicht aus. Aber er hatte dieses Talent und dieses Glück, sich die Personen auszusuchen, mit denen er sich umgeben wollte.“ Er habe Lagerfeld einmal gesagt, dass man auch mal Zeit brauche, um zu genießen, dass es gut sei, zwischen der Arbeit ein bisschen Luft zu lassen. „Ich habe gemerkt, dass das für ihn inakzeptabel und undenkbar war“, äußerte sich Giabiconi RTL zufolge über den Arbeitseifer des Modezars.

Jacques de Bascher war Lagerfelds große Liebe

Des weiteren wird Giabiconi mit einem Satz von Lagerfeld zitiert, der ihm in Erinnerung geblieben ist: „Er hat immer gesagt: ‚Wenn ich eines Tages den Löffel abgebe, so spät wie möglich, will ich nicht, dass ihr danach für irgendjemanden arbeitet.’ Das war sein Wille. Wir hatten das Glück, in Karls Leben zu treten und danach sollten wir keine Sorgen mehr haben. Das wollte er tief im Inneren.“

Vielleicht hat er damit auf eine Art den Tod seines langjährigen Lebenspartners Jacques de Bascher kompensiert. Baptiste Giabiconi zufolge war der Franzose, der 1989 an Aids starb, die einzige große Liebe in Lagerfelds Leben. „Das hat er mir anvertraut, wir haben darüber gesprochen. Es war furchtbar für ihn, Jacques de Bascher zu verlieren. Und die Jahre nach seinem Tod, das heißt ab September 1989, waren für Karl kompliziert und schwierig. Er wollte damals viel allein sein bei sich zu Hause, sich nicht unbedingt in den Medien zeigen.“ Weiter sagte Giabiconi RTL zufolge: „Karl war letztlich ein Gefangener seiner eigenen Person. Dank mir kam eine gewisse Frische in sein Leben, eine gewisse Freiheit. Er sagte sich: ‚Ich kann auch wie alle anderen sein. Ich bin zwar nicht wie alle anderen, aber mit Baptiste, kann ich es ein bisschen sein’.

Er wollte nicht bemitleidet werden

Das letzte Mal, als er mit Karl Lagerfeld sprach, hatte der Designer laut Giabiconi eine angeschlagene Stimme und er habe ihm am Telefon erklärt, dass man ihm Wasser aus der Lunge gepumpt habe. „Ich sagte ihm, dass es nächste Woche bestimmt besser gehe. Ich wollte keine Trauer zeigen, denn er mochte nicht, wenn man ihn für sein Schicksal bemitleidete.“ Lagerfeld habe ihm laut des RTL-Interviews, das am Sonntag, 23. Februar, in der Sendung „Exklusiv Weekend“ ausgestrahlt werden soll, entgegnet: „Baptiste, nächste Woche wird es nur noch schlimmer sein.“ Als er ihm das mit dieser Stimme gesagt habe, sei ihm klar geworden, dass Lagerfeld ihn auf etwas vorbereiten wollte. „Es war, als ob er sagen wollte, dass er genug von all dem hatte.“

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