Viel schwarzes Leder und der für Chanel typische Bouclé-Stoff: So sehen Karl Lagerfelds Sneakers für Vans aus. Foto: Vans

Sie sind seit einigen Jahren die Trend-Sneaker schlechthin: Vans. Jetzt hat sich Karl Lagerfeld dem Kult-Label angenommen und bringt eine Schwarz-Weiß-Kollektion auf den Markt. Wie es dazu kam, erklärt der Sneaker-Szenekenner Daniel Becker im Interview.

Stuttgart - Nach Designern wie Marc Jacobs oder Kenzo verpasst jetzt auch Karl Lagerfeld den angesagten Vans-Tretern einen neuen Look. Was hinter dem Marketinggag steckt – den auch Marken wie Aldi oder Lidl in abgewandelter Form mit Star-Kooperationen für sich entdeckt haben –, wieso es nicht verwundert, dass Karl Lagerfeld so etwas macht, und warum kleinere, individuellere Labels und große namhafte Marken immer mehr miteinander verschmelzen, darüber spricht Daniel Becker (36) von der Internet-Community Urban Sneakers, einer Plattform für Sneaker-Fans.

Der Modedesigner Karl Lagerfeld entwirft eine Kollektion für Vans – ein Coup für das Kultlabel oder ein Bruch mit dessen Geschichte?
Karl Lagerfeld spielt gerne mit seinem Status als Designgott. Er macht, was er will. Unlängst gab es eine Stofftierkollektion seiner Katze für die Marke Steiff, und schon vor einigen Jahren hat er eine Modekollektion für H & M entworfen. Mit Letzterem hat er die Demokratisierung der Mode entscheidend beeinflusst. Karl Lagerfeld wendet sich gerne an die breite Masse, und die Streetwear wird generell ein bisschen edler – das trifft sich gut. Für Vans ist das ein aufsehenerregender Coup, aber natürlich auch ein Experiment. Einige Traditionalisten unter den Skatern werden bestimmt die Nase rümpfen.
Gibt es vergleichbare Kooperationen?
Die Verschmelzung der scheinbaren Gegensätze von Streetwear und exklusiver Mode ist eigentlich gar nicht so neu. So richtig populär wurde das, als der Rapper Kanye West sich in den neunziger Jahren vom Ghetto-Jogginghosen-Look verabschiedete und anfing, sich in Edelmarken wie Gucci oder Dior zu kleiden. Irgendwann hat er dann auch selbst Kollektionen entworfen. Unlängst hat die Popsängerin Rihanna dann einen Schuh für Puma he rausgebracht, einen Plateau-Sneaker. Die Marke ist zwar nicht so klein wie Vans, aber auch nicht so ein Riese wie Nike oder Adidas.
b>„Nike designt auch Skaterschuhe und hat Vans mittlerweile ein wenig den Rang abgelaufen.“
Dass bei Adidas, Nike und Co. Kooperationen mit Prominenten an der Tagesordnung sind, ist nicht neu. Aber Vans ist ein kleines, eher alternatives Label, zumindest war es das einmal. Ist das also insofern einmalig?
Es gibt beispielsweise das Label Supreme, dort arbeitet man inzwischen mit Louis Vuitton zusammen. Die Marke ist das Skaterlabel schlechthin. In den Läden hingen früher nur Skateboard fahrende, kiffende Leute herum. Da hat sich niemand Mühe gegeben, irgendeine Marketingstrategie zu verfolgen. Umso erstaunlicher war die Kooperation mit dieser prominenten Designermarke. Auch Converse hatte eine Kooperation mit dem japanischen Modellabel Comme des Garçons, das eine eigene Chucks-Kollektion entworfen hat.
Hat die Verschmelzung von Streetwear und exklusiver Mode in den letzten Jahren eine neue Dimension angenommen?
Dass die alternativen Marken darauf anspringen, ist relativ neu. Sie wollen ein zahlungskräftiges Klientel ansprechen. Skater kaufen inzwischen zu 80 Prozent Nike-Schuhe. Und dass Vans seine Kollektion bei der Modemesse Bread & Butter vorstellt, das sagt eigentlich schon alles.
Was kommt nach dem Mainstream?
Ich denke, das wird eine ganze Weile so weitergehen, dass die Pole verschmelzen und Vans da gut mitmischen kann. Als Joschka Fischer damals Sneakers zum Anzug trug, war das ein skandalöser Stilbruch, daraus wurde dann der gewollte Stilbruch. Die Marken machen sich solche Entwicklungen zunutze.
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