Die Wahlschlachten im Kreis Ludwigsburg sind geschlagen, die Parteien machen sich nun daran, die Plakate wieder abzuhängen – und ihre Machtoptionen zu prüfen. Foto: factum/

41 Prozent für die Grünen? Auch das gab es im Kreis Ludwigsburg bei den Kommunalwahlen am Sonntag. Die FDP feiert ebenfalls ihre guten Ergebnisse, vor allem in Remseck – würde aber gerne noch größer feiern. Doch das Wahlsystem verhindert das.

Kreis Ludwigsburg - Die Wahlschlachten sind geschlagen, die Sieger feiern, die Verlierer lecken ihre Wunden – und die politischen Beobachter blicken immer noch ungläubig auf die dramatischen Wählerwanderungen. An dieser Stelle bündeln wir Ergebnisse, die bei der Europa-, Regional- und Gemeinderatswahl im Kreis Ludwigsburg hervorstechen.

Die Hochburgen

Für die CDU gab es wenig Grund zur Freude, aber in einigen Kommunen holte sie immerhin akzeptable Ergebnisse: So etwa in Hessigheim, wo die Christdemokraten bei der Europawahl wie bei der Regionalwahl auf 32,7 Prozent der Stimmen kommen. Auch im traditionell tiefschwarzen Mundelsheim reicht es für 31,3 Prozent. Zu Hochburgen der Grünen wurden bei der Europawahl Ludwigsburg (29,4) und Asperg (27,3). Bei der Gemeinderatswahl sticht ein Ergebnis aus Ludwigsburg ins Auge: Im Wahllokal Osterholzschule holte die Ökopartei unglaubliche 41,4 Prozent.

Auffallend ist auch das gute Abschneiden der FDP bei der Europawahl in Remseck mit 13,7 Prozent. Die SPD hingegen blieb in mehreren Kommunen sogar einstellig, in Hessigheim holte die einst stolze Partei nur 8,2 Prozent.

Die Frauen

Das Gute vorweg: In allen 39 Gemeinderäten im Kreis sind Frauen vertreten, und im 18-köpfigen Gemeinderat von Ingersheim stellen die elf gewählten Stadträtinnen sogar eine Mehrheit. Insgesamt ist der Kreis Ludwigsburg indes noch weit von einer paritätischen Besetzung der Gremien entfernt. Von den insgesamt 739 Stadträten sind 226 weiblich, was einem Anteil von rund 30 Prozent entspricht.

Die Jungen

13 Jahre lang saß Angelika Feurer für die SPD im Remsecker Gemeinderat, nun ist sie, trotz Listenplatz 2, raus. Überflügelt hat sie Colin Sauerzapf, Jahrgang 1997, Physikstudent an der Uni Stuttgart. Mit seinen Themen für junge Leute – zum Beispiel fordert er bessere Busverbindungen zwischen den Stadtteilen in der Nacht – hat er die zweitmeisten Stimmen aller SPD-Kandidaten gesammelt.

Im neuen Ludwigsburger Gemeinderat wird es vier Stadträte geben, die jünger als 30 Jahre sind: Bei den Grünen Laura Wiedmann (29) und Max Girrbach (22), sowie Alexandra Metzger (30) und Nathanael Maier (28) bei der SPD. Die Sozialdemokraten haben ihre jungen Kandidaten bewusst nach vorne auf die Liste gesetzt – so sind zwei amtierende Stadträtinnen nicht wieder gewählt worden: Regina Orzechowski und Annegret Deetz. Bei den Freien Wählern in Ludwigsburg herrscht hingegen Kontinuität. Alle ihre Stadträte wurden bestätigt, nur für den ausscheidenden Andreas Seybold kommt Jochen Zeltwanger neu in die Fraktion.

Rechenspiele

Es sind nur rund 1000 Stimmen Unterschied – doch die haben dafür gesorgt, dass die FDP in Remseck am Montag „nicht noch größer gefeiert hat“, wie der bisherige Fraktionschef Gustav Bohnert sagt. Denn obwohl die Liberalen bei der Gemeinderatswahl um knapp fünf Punkte zugelegt haben und künftig mit vier statt drei Räten vertreten sind, fehlen ihnen genau diese 1000 Stimmen für ein fünftes Mandat. Die CDU hingegen hat fünf Mandate errungen: Mit dem Vorsprung von exakt 0,38 Punkten vor der FDP. Besonders kurios: Die SPD sitzt im künftigen Gemeinderat ebenfalls mit vier Vertretern, obwohl sie rund 11 000 Stimmen weniger hat als die FDP. „So ist das Wahlsystem, das müssen wir akzeptieren“, sagt Bohnert. Ähnliche Gelassenheit brauchen die Liberalen in Freiberg: Dort konnte die FDP um mehr als 3,5 Punkte zulegen – und hat trotzdem keinen Sitz im Gemeinderat hinzugewonnen.

Spannend wird es in Zukunft wieder im Ludwigsburger Gemeinderat. Dort haben Grüne, SPD, Linke und die Liste Lubu im Stadtrat 50,2 Prozent der Stimmen erreicht und 20 von 40 Sitzen erobert. Lange Zeit sah es bei der Auszählung am Montag nach einer klaren ökosozialen Mehrheit aus. Da CDU, Freie Wähler und FDP zusammen nur 19 Sitze haben, kommt es entscheidend auf die Stimme von Hayrettin Dogan an, dem Stadtrat der neuen Liste „Bündnis der Vielfalt“. Stimmt er mit den Bürgerlichen, herrscht wieder eine Pattsituation.

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