Mario Gomez kann’s nicht fassen. Auch im Spiel des VfB Stuttgart bei Darmstadt 98 wurde ihm ein Treffer aberkannt. Foto: Baumann

Hinrunden-Vizemeister wollte der VfB Stuttgart werden – doch nach dem 1:1 beim SV Darmstadt 98 steht am Ende der ersten Saisonhälfte Rang drei. Und der VfB hat für die Rückrunde klare Ziele.

Darmstadt - Ein Abseitstreffer von Mario Gomez, ein Schuss an den Pfosten von Philipp Förster, ein entschlossenes Anrennen, am Ende der Partie noch ein abgefälschter Versuch – doch es half alles nichts. Als die Hinrunde des VfB Stuttgart mit dem Abpfiff des Spiels beim SV Darmstadt 98 am Montagabend beendet war, gab es wenige glückliche Gesichter bei den Männern in den roten Trikots.

Hinrunden-Vizemeister hätte der VfB mit einem Sieg am Böllenfalltor werden können, da bereits am Sonntag der Hamburger SV beim SV Sandhausen gepatzt hatte (1:1). Doch auch der VfB holte beim 1:1 trotz großer Überlegenheit nicht mehr als einen Punkt, weshalb nicht nur diese Partie, sondern auch diese gesamte erste Saisonhälfte unvollendet blieb. Die Stuttgarter stehen wenige Monate nach dem dritten Abstieg der Vereinsgeschichte zwar nicht schlecht da – es wäre aber noch viel mehr drin gewesen.

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Viel verändert hatte der Trainer Tim Walter nicht im Gegensatz zum 3:1 in der Woche zuvor gegen den 1. FC Nürnberg. Lediglich Daniel Didavi, der sich nach langer Verletzungspause noch nicht wieder in Bestform präsentiert hatte, musste auf die Bank. Für den Spielmacher rückte Silas Wamangituka in die erste Elf. Das Problem aus Sicht der Stuttgarter: Es gab weitere Parallelen zur Partie gegen den Club.

„Das braucht kein Mensch“

Der VfB nämlich kontrollierte zunächst Spiel und Gegner, kombinierte ganz gefällig und machte nicht den Eindruck, als könne ihn etwas aus der Bahn werfen. Doch genau ein solches Ereignis gab es dann doch zu bestaunen. Vergangene Woche in der Mercedes-Benz-Arena – als die Nürnberger früh in Führung gingen. Und auch nun im Stadion am Böllenfalltor.

Ein schlampiger Pass von Holger Badstuber ins Seitenaus, ein schneller Einwurf der Darmstädter, ein Steilpass, eine unaufmerksame VfB-Abwehr – und schon hatte Tobias Kempe freie Bahn. Nach 20 Minuten führten die Gastgeber. „Das braucht kein Mensch“, sagte Gonzalo Castro.

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Der VfB brauchte eine Weile, um sich vom erneuten Schock zu erholen, fabrizierte zahlreiche Ungenauigkeiten, kam nur selten in den Strafraum der Lilien – und schaffte es dennoch, zumindest mit einem Unentschieden in die Pause zu gehen. Silas Wamangituka erkannte, dass man einen Ball auch mal abspielen kann, und flankte. Castro, wieder als Linksverteidiger aufgeboten, köpfte, scheiterte zwar am Darmstädter Keeper Marcel Schuhen – doch Borna Sosa war zur Stelle und staubte ab. „Er war so kompromisslos, wie wir es sein wollten“, lobte Walter den jungen Kroaten.

Gomez fühlt sich erneut unfair behandelt

Der VfB war endgültig in der Spur, und nach der Pause wurde die Überlegenheit noch drückender, der Absteiger noch entschlossener. Allein: Es half alles nichts. Die Darmstädter boten eine wahre Abwehrschlacht, der VfB investierte viel, fand jedoch nur wenige Lücken und hatte dazu auch noch Pech. Mario Gomez stand in der 65. Minute mal wieder ein paar Zentimeter im Abseits, sein Treffer zählte nicht. „Für mich war es gleiche Höhe“, klagte der Angreifer und meinte: „So macht das keinen Spaß, es ist eine Katastrophe.“

In der 78. Minute traf Philipp Förster nur den Pfosten, sein abgefälschter Schuss kurz vor dem Abpfiff ging knapp vorbei. Und so lautet die Bilanz der Achterbahnfahrt durch die Zweitliga-Hinrunde: Platz drei, 30 Punkte, vier Zähler Rückstand auf Spitzenreiter Arminia Bielefeld.

Viele Hausaufgaben für die Rückrunde

Einiges mehr wäre drin gewesen nach einem starken Start in die Saison und vielen Auftritten mit viel Ballbesitz und Dominanz. Doch nach der ersten Niederlage am neunten Spieltag gegen den SV Wehen Wiesbaden war der VfB ordentlich aus dem Tritt geraten. Bereits fünf Saisonniederlagen nährten immer wieder die Zweifel an der Aufstiegsmission, an der es mit diesem Kader eigentlich keine Zweifel geben dürfte. „Die Effektivität fehlt uns“, klagte Castro mit Blick auf die vergangenen Monate – und forderte: „Die müssen wir in der Rückrunde irgendwo herkriegen.“ Trainer Walter ergänzte: „Wir müssen ergiebiger werden und noch konsequenter.“ und Sportdirektor Sven Mislintat erklärte: „Wir viele Hausaufgaben für die Rückrunde.“ Zum Vergleich: Bei der Bundesligarückkehr in der Saison 2016/2017 hatte der VfB nach 17 Spielen 32 Punkte auf dem Konto, am Saisonende waren es 69, die zu Platz eins reichten.

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Die Stuttgarter haben also noch was vor sich in der Rückrunde – und können bereits am kommenden Samstag (13 Uhr) damit beginnen. Zum Jahresabschluss muss der VfB im ersten Spiel der Rückrunde bei Hannover 96 ran.

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