Die Nagelprobe für den Fortbestand der Fahrradstraße, die vor allem morgens und nachmittags von Schülern stark genutzt, steht am Donnerstag bevor. Foto: factum/Weise

Die Stadt hat die Planung für die Alleenstraße vorgelegt, die auf ihrer gesamten Länge zur Fahrradstraße werden soll. Die Campus-Schulen bringen sich gegen den Vorschlag in Stellung, zwischen Solitude- und Seestraße zeitweise Autoverkehr zu erlauben. Am Donnerstag wird beraten.

Ludwigsburg - Die Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Campus lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. „Viele Mittelstufenschüler der Campus-Schulen haben jüngst auf Bitten der Stadtverwaltung vor dem Schloss mit Slogans wie,Nachhaltige Mobilität!’ für die Bewerbung der Stadt um die Landesgartenschau demonstriert“, schreiben die Vertreter der Innenstadt-Schulen. „Vor diesem Hintergrund können die Schulen den kritisch denkenden Schülern und Eltern nicht erklären, warum die Stadtverwaltung durch die Vorlage 213/18 einen Straßenabschnitt im Schulviertel wieder für den Durchgangsverkehr öffnen will.“

Das Schreiben der Arge Campus ist auf die Planung für die Alleenstraße gemünzt, die an diesem Donnerstag im Ausschuss für Bauen, Technik und Umwelt beraten wird. Auf der meistbefahrenen Radroute Ludwigsburgs – bis Mitte Juni waren es im laufenden Jahr fast 341 000 Radler – will die Stadt dieser Fortbewegungsart auf der Alleenstraße auch nach der Testphase weitgehend Vorrang einräumen. Rad- und Autofahrer sollen sich die Route aber teilen – auch auf dem Abschnitt zwischen Solitudestraße und Seestraße, wenngleich nur zu Zeiten, in denen nicht ganze Pulks zur Schule oder von dort aus heimwärts radeln. „Voraussichtlich kann der Abschnitt an Werktagen erst am frühen Abend für den Durchgangsverkehr freigegeben und muss morgens einige Zeit vor Schulbeginn wieder gesperrt werden“, steht in der Vorlage.

Die Stadt überlegt, die Ausfahrt aus dem Parkhaus Solitude in beide Richtungen zu erlauben

„Bei den Messungen zu Stoßzeiten sind wir auf einen Spitzenwert von 4600 Radfahrern gekommen. Da hat die Sicherheit der Schüler natürlich absoluten Vorrang“, sagt Baubürgermeister Michael Ilk. Aber ob es sinnvoll sei, die Autos auch an Wochenenden oder während der Ferien, wenn wochenlang keine Schüler unterwegs seien, kategorisch auszusperren, müsse zumindest diskutiert werden, „deshalb gehen wir jetzt mit diesem Vorschlag in die Debatte“, so Ilk. Die Innenstadt verfüge über vergleichsweise wenige Verkehrsflächen, also müsse man die vorhandenen möglichst intelligent bespielen und dabei die Belange aller Verkehrsteilnehmer berücksichtigen. „Deshalb überlegen wir zum Beispiel auch, den Verkehr aus dem Parkhaus Solitude künftig auch in Richtung Leonberger Straße freizugeben. Selbst wenn das einige Parkplätze am Straßenrand kosten würde.“

Auf dem Alleenstraßen-Abschnitt zwischen Solitude- und Seestraße sieht der Vorschlag der Stadt neben der zeitweisen Autofreigabe vor, die Fläche in das Schulcampus-Areal einzubetten. Für die Außengastronomie soll mehr Platz freigeschlagen und Fußgängern der Aufenthalt angenehmer gemacht werden. Wenn das ehemalige Stadtbad in eine Mensa umgewandelt sein wird, werden sich dort beträchtlich mehr Schüler tummeln. Wie das mit den Autos in Einklang gebracht werden kann, die dann zu gewissen Zeiten dort möglicherweise fahren, soll laut Vorlage in einer extra Entwurfsplanung ausgeknobelt und den Räten in einem nächsten Schritt präsentiert werden.

Die CDU, die zu den stärksten Befürwortern der Öffnung des Streckenabschnitts für Autos zählt, fühlt sich durch den Beschlussvorschlag der Stadt bestätigt. „Der Radverkehr ist nur zu bestimmten Zeiten sehr stark. Es ist nicht einzusehen, dass der Autoverkehr auch außerhalb dieser Zeiten verboten wird und stattdessen an anderer Stelle stark zunimmt“, sagt der Fraktionsvorsitzende Klaus Herrmann. „Die Planung kommt uns deshalb sehr entgegen.“

Die Campus-Schulen bitten darum, Durchgangsverkehr zu verhindern

Zu sehr, meint der Grünen-Fraktionschef Michael Vierling. „Es zeigt sich, dass die Stadt die Forderung der autonahen Kräfte aufgreift“, moniert er. Dabei sei der Autoverkehr zu den Zeiten, für die eine Öffnung zur Debatte stehe, so gering, dass man den Straßenabschnitt konsequenterweise gleich ganz dem Radverkehr überlassen könne. „Für uns ist klar“, sagt Vierling, „dass die Alleenstraße zu allen Zeiten den Radfahrern vorbehalten sein sollte.“

Auch die Vertreter der fünf Campus-Schulen bitten die Entscheidungsträger in ihrem Schreiben „einmütig, die Freigabe dieses Abschnitts für den Durchgangsverkehr zu verhindern“. Sie heißen jedoch auch vieles gut an den Alleenstraßen-Ideen. Etwa, dass sie durchgehend als Fahrradstraße geplant ist. Von der Myliusstraße kommend soll die Radroute über die Solitudestraße Vorrecht genießen. Für die Etappen zwischen Mylius- und Solitudestraße sowie zwischen Seestraße und B 27 schlägt die Stadt vor, auch künftig Autos zu erlauben, etwa für Sportler, die an der Doppelsporthalle parken wollen. Pflasterstreifen sollen dort die Fahrbahn trennen und das Tempo der Autos drosseln.

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