Christian Riethmüller stellt sich am 15. Dezember zur Wahl und will Präsident des VfB Stuttgart werden. Foto: Baumann

Hat er im Frühjahr in einem unflätigen Online-Kommentar Santiago Ascacibar attackiert? Ja – das gibt Christian Riethmüller, der Präsidentschaftskandidat beim VfB Stuttgart, nun doch zu. Und sieht sich weiter in der Schusslinie.

Stuttgart - Nun herrscht also doch noch Klarheit. Nachdem Christian Riethmüller in den vergangenen beiden Tagen offen gelassen hatte, ob ein viel diskutierter Online-Kommentar aus dem Frühjahr dieses Jahres tatsächlich aus seiner Feder stammt, hat er dies nun eingeräumt – und einen Fehler zugegeben. „Ich muss ganz klar und unmissverständlich einräumen: Ja, ich habe diesen Kommentar damals in der emotional aufgeheizten Stimmung als Reaktion auf einen VfB-Post auf die Facebook-Seite des Vereins geschrieben“, schreibt der Kandidat für das Präsidentenamt beim VfB Stuttgart, nun auf Facebook – und betont seine damalige Rolle weit vor seiner Kandidatur: „Als enttäuschter, wütender Fan und in eine lange Aneinanderreihung anderer wütender Kommentare.“ Er habe sich „von der Welle mitreißen lassen“, was „emotional und inhaltlich daneben“ gewesen sei.

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Nachdem Santiago Ascacibar im Frühjahr im Spiel des VfB gegen Bayer Leverkusen den Nationalspieler Kai Havertz bespuckt und Rot gesehen hatte, hatte Riethmüller den Argentinier unter anderem als „fiesen, miesen, kleinen Stinker“ bezeichnet. Was den Geschäftsführer der Osianderschen Buchhandlungen nun, mitten im Wahlkampf, wundert: Dass der Screenshot des längst gelöschten Kommentars damals bereits kurz nach dessen Erscheinen gesichert und vor zwei Tagen verschiedenen Stuttgarter Medien zugespielt wurde. „Die ganze Art und Weise stimmt mich sehr sehr nachdenklich“, schreibt Riethmüller, der schon am Freitag vermutet hatte: „Offenbar will man verhindern, dass ich Präsident des VfB Stuttgart werde.“

Der Vereinsbeirat wusste Bescheid

Am 15. Dezember ist der 44-Jähriger einer von zwei Kandidaten, die sich um die Nachfolge des zurückgetretenen Wolfgang Dietrich bewerben. Kontrahent Riethmüllers ist der Böblinger Unternehmer Claus Vogt. Ausgewählt hatte die beiden Kandidaten der Vereinsbeirat des VfB – der laut Riethmüller früh von dem nun diskutierten Online-Kommentar wusste.

„Nach der Benennung zu einem der letzten beiden Kandidaten hat der VfB Stuttgart mich mit diesem Kommentar vor wenigen Wochen im Rahmen eines internen Termins konfrontiert“, erklärt der frühere Aldi-Manager, „er war dem Verein also schon bekannt als er sich dazu entschloss, mich als einen der letzten beiden Kandidaten aufzustellen.“ Erst vor zwei Tagen kam er an die Öffentlichkeit.

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Schon vor diesem aktuellen Fall war vor wenigen Tagen eine „wertfreie Aussage“ (Riethmüller) des Tübingers aus dem Mitgliederausschuss an Medien weitergegeben. Von einer rassistischen Interpretation distanzierte sich Riethmüller entschieden, wittert aber nicht erst seitdem eine Kampagne gegen ihn. Nun sagt er: „Das alles hat mit einem fairen Wahlkampf natürlich nur noch bedingt etwas zu tun.“

Am Sonntag treffen die beiden Kandidaten letztmals vor der Wahl bei einem gemeinsamen Termin eines Fanclubs direkt aufeinander. Eine Woche später werben Riethmüller und Vogt mit ihren Reden vor der Mitgliederversammlung um die Gunst der Wähler. Riethmüller beginnt, danach ist Vogt dran.

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