Volker Schmid soll die Radkultur an der Uni Hohenheim voranbringen. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Mit dem Fahrrad zur Uni Hohenheim? Volker Schmid soll dazu beitragen, dass die Voraussetzungen dafür besser werden. Wie will der promovierte Biologe das erreichen?

Stuttgart - Mit dem Fahrrad zur Uni Hohenheim? Das ist bereits jetzt für viele Studierende und Mitarbeiter eine wichtige Option. Von kommenden Herbst an könnte diese Art der Fortbewegung noch mehr Freunde finden. Denn dann wird das Parken auf und rund um den Hohenheimer Campus für Autofahrer gebührenpflichtig. Bereits seit einigen Jahren setzt sich die Uni Hohenheim für einen radfreundlicheren Campus ein, das ist Teil eines umfangreichen Mobilitätskonzepts, zu dem auch eine bessere Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel und die Forderung nach einem Mobilitätszuschlag gehörten. Doch die Umsetzung gestalte sich leider zäh, wie Rektor Stephan Dabbert betonte.

Noch immer gebe es zu wenig Fahrradwege und -abstellplätze, sei die Verkehrssicherheit für Radfahrer nicht zufriedenstellend, es fehle an Duschen und Umkleidemöglichkeiten, stellte die Uni fest. So kam man auf die Idee, einen Fahrradbeauftragten zu benennen. Erstmals. Volker Schmid soll dem Thema Radeln ein Gesicht geben und die Bedürfnisse der Radler identifizieren. Ehrenamtlich. Der 39-jährige Biologe, der über Reproduktionskonflikte bei Ameisen promoviert hat, arbeitet hauptberuflich seit 2014 als Projektmitarbeiter an der Einführung eines neuen Campus-Managementsystems, das den studentischen Lebenszyklus abbilden soll. Und: Er ist Radfahrer.

„Eine Art Sprachrohr der Fahrradinteressierten“

„Ich bin nicht so der Fahrrad-Bastel-Enthusiast, sondern eher der Anwender“, sagt er. An der Wand seines karg eingerichteten Büros hängt eine Postkarte mit einem stilisierten Fahrrad und der Aufschrift: „Burn fat, not oil“ (Verbrennt Kalorien, kein Öl). „Die Themen Umwelt und Klima sind die wichtigsten Gründe, warum man Rad fahren sollte“, findet er. Seine erste Diensthandlung als Fahrradbeauftragter hat Schmid schon hinter sich: die Leitung des Arbeitskreises Fahrrad, an dem fahrradinteressierte Beschäftigte und Studierende sowie Experten von der Uniabteilung Fläche und Bau teilnehmen. „Das soll eine Art Sprachrohr der Fahrradinteressierten sein“, so Schmid.

Auch weitere Hürden für Radler hat der neue Beauftragte schon identifiziert. Etwa die Kirschenallee. Der Stich von der Mittleren Filderstraße hoch zum Schloss ist vielen zu steil. Mit (Leih-)Pedelecs wäre das kein Problem. Aber man brauche auch zusätzliche Stellplätze, an denen man das Rad tatsächlich anschließen kann – „keine Felgenklemmer“, betont Schmid. 400 listet das Mobilitätskonzept auf. Die ersten wurden bereits aufgestellt, etwa gegenüber der Mensa. Selber gebaut von der Uni. Die Genehmigung für die Bauherreneigenschaft erhielt sie im Oktober vom Finanzministerium – auf ausdrücklichen Wunsch Dabberts.

Lizenz zum Fahrradlobbyismus

Ein eigenes Budget hat der neue Fahrradbeauftragte nicht. Er betont aber: „Mittel für Mobilität gibt es.“ Die habe die Abteilung Fläche und Bau, mit der er in Kontakt sei. Und welche Befugnisse hat Schmid? „Ich hab die Befugnis, mich hervorzutun, aktiv zu werden: Ich soll Lobbyist sein fürs Fahrrad.“ Ideen dafür hat er schon: Infokampagnen, einen Stand beim Dies academicus, vielleicht lasse sich das Thema ja auch im Rahmen des studentischen Forschungsprojekts „Humboldt reloaded“ aufbereiten – oder von angehenden Marketingforschern. „Wir wollen die Uniangehörigen fürs Radeln begeistern“, sagt Schmid. Dafür müssten die Bedingungen aber noch besser werden. Eine eigene Plattform im Netz habe er zwar nicht. Aber eine E-Mail-Adresse.

Rektor Dabbert verfolgt mit der Aktivierung des Fahrradbeauftragten noch ein weiteres Ziel: Neben der bedarfsorientierten Umsetzung des Mobilitätsplans strebt die Uni auch an, vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) als „fahrradfreundlicher Arbeitgeber“ zertifiziert zu werden. Mit der Antragstellung werde man noch ein wenig warten, bis weitere Maßnahmen umgesetzt seien, meint Schmid. Eine Voraussetzung habe die Uni schon erfüllt: einen Fahrradbeauftragten – „ohne geht’s nicht“.

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