Wer an der Kirschenallee in Hohenheim parkt, riskiert einen Strafzettel. Foto: Lg/Rettig

Wer soll künftig eine Parkbewilligung erhalten und wer nicht? Darüber ist an der Uni Hohenheim ein heftiger Streit zwischen Unileitung und Personalrat entbrannt.

Stuttgart - Wir haben richtig Ärger auf dem Campus.“ Ganz offen berichtete der Hohenheimer Unirektor Stephan Dabbert bei der Vorstellung des Mobilitätskonzepts im Beisein von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) über die Probleme mit dem geplanten Parkraummanagement und der „zähen Umsetzung“ des beschlossenen Mobilitätskonzepts. Das Parkraummanagement war ursprünglich Bestandteil des Masterplans, wurde aber von der Personalversammlung der Uni abgelehnt – und daraufhin aus dem Plan entfernt.

Jetzt kommt es trotzdem. Vom Wintersemester 2019/20 an sollen gemäß Kabinettsbeschluss 1750 Stellplätze an der Uni Hohenheim und 2000 Stellplätze der Uni Stuttgart in Vaihingen gebührenpflichtig werden. Die Rede ist von 25 Euro im Monat. Jetzt ist an der Uni Hohenheim ein hitziger Verteilungskampf um die begehrten Plätze ausgebrochen.

Personalrat verlangt eine Schlichtung durchs Wissenschaftsministerium

Denn die Nachfrage übersteigt die Zahl der Plätze, wie man an der „chaotischen Parksituation“ auf dem Campus sehen könne – besonders im Wintersemester. Rund 2500 der mittlerweile insgesamt 12 000 Uniangehörigen kommen laut Dabbert mit dem Auto – auch weil der Campus schlecht erreichbar und die Mobilitätsinfrastruktur unzureichend sei. Der Hohenheimer Unipersonalrat habe gefordert, 80 Prozent der Plätze für die Unibeschäftigten zu reservieren und 20 Prozent für Studierende und Professoren. Das habe er abgelehnt, so Dabbert. Stattdessen habe er eine Kommission mit Studierenden, Beschäftigten und Professoren eingesetzt, die ein ausgewogenes und für die Uni ressourcenneutrales Verteilungskonzept erarbeiten sollen. Der Personalrat habe eine Beteiligung daran abgelehnt und verlangt nun eine Schlichtung durch das Wissenschaftsministerium. Er war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

In einem Punkt allerdings sind sich Personalrat und Unileitung einig: Für eine Parkraumbewirtschaftung seien die erforderlichen Rahmenbedingungen nicht erfüllt. Welche das sind, weist das Mobilitätskonzept im Rahmen des 2017 beschlossenen Masterplans 2030 genau aus: Tempo 30 auf dem gesamten Campus, 400 neue Fahrradabstellplätze, Mobilitätsstationen für Leihfahrräder samt Ladestationen, Ausbau der Fuß- und Radwegeverbindungen, E-Campus-Shuttle, Ladesäulen für E-Fahrzeuge sowie Direktverbindung des ÖPNV zu Innenstadt und Flughafen.

Rektor Dabbert versteht nicht, weshalb Mobilitätsmaßnahmen so lange dauern

Dabbert versteht nicht, weshalb bis jetzt fast nichts davon umgesetzt ist: „Warum wird die Möhringer Kurve, die die direkte Verbindung mit der Stadtbahn in die Stuttgarter Innenstadt ermöglicht, nicht gebaut?“, fragt er. Und weshalb Tempo 30 nicht umgesetzt sei. Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) erklärte auf Anfrage, bei der Umsetzung von Tempo 30 gebe es Bedenken der SSB wegen der daraus resultierenden längeren Busfahrzeiten, auch der Bezirksbeirat habe sich deshalb auf Antrag der CDU dagegen ausgesprochen. Die direkte Stadtbahn-Anbindung Hohenheim–Innenstadt und die Möhringer Kurve seien jedoch beschlossen und auch Bestandteil des Nahverkehrsentwicklungsplans, die SSB plane die Umsetzung.

Auch bei den 400 Radstellplätzen sieht Dabbert „ein Umsetzungsproblem“ und bedauert, dass die Uni das nicht selber in die Hand nehmen dürfe. Im letzten Punkt gab ihm die Ministerin recht, eine solche Maßnahme könne Vermögen und Bau doch der Uni überlassen. Allerdings ist für die Umsetzung derzeit das Unibauamt zuständig, eine Unterabteilung von Vermögen und Bau. Deren Leiterin Sybille Müller erklärt auf Anfrage unserer Zeitung, bei den mehr als 400 Radstellplätzen handle es sich um rund 1000 Quadratmeter befestigte Fläche, die dezentral an verschiedenen Standorten zu schaffen und mit Bügeln, Stromanschluss und gegebenenfalls auch Überdachung auszustatten sei.

Unibauamt verweist auf umfangreiche Planungen

Zudem, so Müller, seien bei der Planung etliche Rahmenbedingungen aus dem Bestand zu berücksichtigen: etwa Erschließungs- und Anlieferungsflächen, Flucht- und Rettungswege, Feuerwehraufstellflächen, Versorgungstrassen im Untergrund, die eine Überbauung nicht zuließen, sowie der Denkmalschutz. Außerdem solle sich alles „harmonisch in die Gesamtanlage einfügen“, so Müller. „Derzeit arbeiten wir an der weiteren Optimierung der Planung und sind hierüber in Abstimmung mit den Beteiligten. Wir hoffen, zeitnah ein gemeinsames, tragfähiges Konzept zu verabschieden und auszuführen.“

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