Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) steht in der Kritik. Foto: dpa

Wegen eines gemeinsamen Videos mit einem führenden Nestlé-Manager erntet Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) harsche Kritik.

Berlin - Okay, so richtig sachlich ist der Instagram-Nutzer mit dem Namen „benen 83“ nicht. „Du machst einen scheiss Job Julia Klöckner“, schreibt er der CDU-Politikerin. Und an gleicher Stelle meint „constantinpengel“, dass der Agrarministerin nach der Politik vermutlich schon ein Job bei Nestlé winke.

Mit dem Nestlé-Manager Marc Aurel Boersch versteht sich Klöckner tatsächlich gut. Entspannt treten beide in einem Video auf und erklären, dass sie sich über gesunde Ernährung „ausgetauscht“ hätten – also darüber, dass der Konzern weniger Salz, Zucker und Fett in seine Lebensmittel packt. Seither erlebt Klöckner einen Proteststurm wie nie zuvor. So meint der SPD-Abgeordnete Rainer Spiering, dass jegliche Nähe zu Konzernen mit „solchen Praktiken“ immer schwierig sei.

Die Ministerin setzt sich zur Wehr

Die Nestlé-Praktiken sehen laut Spiering so aus: „Der Raubbau an der Natur durch den Palmölanbau, der Profit mit Trinkwasser in den ärmsten Regionen der Welt, die Umweltverschmutzung vor allem durch Plastikprodukte, die Arbeitsbedingungen bei vielen Zulieferern und, und, und.“ Und die FDP-Politikern Karina Conrad fügt an, Klöckner sorge dafür, „dass das Vertrauen des Verbrauchers in die Branche und die Politik nachhaltig gestört“ sei. Die Ministerin setzt sich gegen die „Hatespeaker“ zur Wehr, wie sie ihre Kritiker nennt. Erst habe man ihr unterstellt, dass sie nichts für gesündere Lebensmittel tue: „Dann durchdrehen, wenn man was erreicht.“

Peinlich berührtes Schweigen

Blöd nur, dass sie tatsächlich gar nichts erreicht hat. Nestlé senkt ganz von sich aus die Fett-, Salz- und Zuckermenge in den Waren. Klöckner hat die Branche zu nichts gezwungen. Die Lebensmittelbranche hat sich per „Selbstverpflichtung“ bereit erklärt, bis 2025 die Rezepte zu ändern und den Zucker zu reduzieren. In der Unionsfraktion herrscht peinlich berührtes Schweigen über das Video. Nur hinter vorgehaltener Hand amüsiert man sich über den Tweet eines Fabian Köster: „Ich fand Julia Klöckner sympathischer, als sie einfach nur Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz verloren hat.“ Und „Abdelkarim“ spottet über Klöckners nächste Termine: „Treffen mit FIFA-Präsident Gianni Infantino. Schwerpunktthemen: Korruptionsbekämpfung und wahlfreie Wahlen.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: