Renate Klein hat ihre Handtasche wieder. Foto: Leif Piechowski

Wenn man im Bus etwas vergisst, bricht schnell Panik aus: Wie bekomme ich das jetzt wieder? Und was, wenn etwas fehlt? Renate Klein hat ihre Handtasche verloren – und hatte sie nach kurzer Zeit wieder. Eine Geschichte, in der alles wie am Schnürchen lief.

Stuttgart - Wer kennt das nicht: Man steigt nach Feierabend aus dem Bus, schleppt sich nach Hause – und plötzlich fällt einem auf, dass die Handtasche fehlt. Mit rasendem Puls rennt man zurück zur Haltestelle, aber der Bus ist schon lange weg. Wie kommt man jetzt nur wieder an seine Wertsachen? Im Kopf bricht dann oft das Chaos aus: Man steckt in Warteschleifen fest, die Nerven liegen blank, und erst nach zwei Tagen kommt die Tasche im Fundbüro an. Wenn man Pech hat, wurde dann auch noch das Geld aus dem Portemonnaie geklaut.

Ein Albtraum, der leider oft zur Realität wird. Aber es kann auch anders laufen – wie zum Beispiel bei Renate Klein. Die Stuttgarterin fuhr am Freitagabend gegen 19 Uhr von ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit beim Oxfam-Second-hand-Laden am Österreichischen Platz nach Hause, voll bepackt mit Handtasche und einem Stoffbeutel voller frisch erstandener Bücher. „Kurz vor meiner Haltestelle habe ich meinen Haustürschlüssel aus der Handtasche geholt, dabei muss mir der Trageriemen von der Schulter gerutscht sein“, sagt sie. Wegen des schweren Beutels habe sie das nicht bemerkt und sei ohne Handtasche ausgestiegen. Zu Hause angekommen – den Schlüssel hatte sie zum Glück dabei – war der Schreck dann groß. Vom Personalausweis über sämtliche Mitgliedskarten bis hin zu Handy und Kalender, alles lag noch im Bus.

Drei Stunden später war alles wieder da

Zuallererst ließ die 75-Jährige ihre Bankkarte sperren. Von einem Bekannten bekam sie den Rat, zur Endhaltestelle der Buslinie zu gehen und dort Bescheid zu geben. Sie bekam eine Servicenummer, die sie sofort anrief. „Zuerst hat der Mann am Telefon gesagt, ich kann die Tasche am Dienstag im Fundbüro abholen“, sagt Renate Klein. Nicht das Ergebnis, das sie sich gewünscht hatte – immerhin brauchte sie ihre Wertsachen am Wochenende. Doch nach einiger Recherche und Fragen zum Aussehen der Tasche kam die Rettung: Der Mann am Telefon wusste, wo sie war. In wenigen Minuten würde ein Bus an ihrer Haltestelle ankommen, in dem sich ihre Handtasche befinde.

Etwa drei Stunden, nachdem sie ihre Handtasche verloren hatte, hatte Renate Klein also alles wieder. Sie freute sich besonders darüber, dass ihr kein Geld gestohlen wurde – und über ihren Kalender, denn: „Man hat ja nicht alles im Kopf.“ Nach dem erlebnisreichen Freitagabend war die Rentnerin jedenfalls durch und durch im Glück. So sehr, dass sie die positive Geschichte nicht für sich behalten wollte. „Es steht so viel Negatives in der Zeitung, deshalb ist es doch schön, dass ich mal etwas Positives zu berichten habe“, sagt sie. Vom Finder über die Bankangestellte, die ihre Karte sperrte, und ihren Gesprächspartner an der Servicenummer bis hin zu dem Busfahrer, der ihr die Tasche im Endeffekt wiedergab, alle seien überaus freundlich und hilfsbereit gewesen – und schnell.

„Das war schon ein superglücklicher Fall“, sagt der Sprecher der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), Hans-Joachim Knupfer. Normalerweise dauere es etwa 24 Stunden, bis Fundsachen im Fundbüro ankommen. Wer am Wochenende etwas verliert, muss für gewöhnlich sogar bis Dienstagmorgen warten. Renate Kleins Handtasche muss jemand im Bus schnell bemerkt haben. „Man kann schon sagen, dass das eher selten vorkommt“, meint Knupfer.

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