Dem einst gepriesenen Energiekompetenzzentrum wurde der Stecker gezogen. Foto: blende11.photo/AdobeStock

Die Erwartungen waren groß, eingelöst wurden sie nicht: Das Ludwigsburger Energiekompetenzzentrum sollte Rezepte für die Energiewende liefern, nun wird es liquidiert. Der Oberbürgermeister gibt sich trotzdem nicht unzufrieden.

Ludwigsburg - Wenn es gelaufen wäre wie ausgedacht, dann hätte das Ludwigsburger Energetikom weit über die Stadt hinaus gestrahlt. Stattdessen wurde dem vom Oberbürgermeister Werner Spec lange propagierten Leuchtturmprojekt nun der Strom abgestellt: Der Verein, der das Kompetenzzentrum getragen hat, hat seine Auflösung beschlossen. Auch wenn die Mitglieder nach wie vor überzeugt davon sind, dass das Thema Energie von vielen Fachdisziplinen gemeinsam bearbeitet werden muss – gesträubt hat sich gegen die Abwicklung niemand. Denn statt regelmäßig mit wegweisenden Projekten von sich Reden zu machen, fiel die Einrichtung vor allem wegen seiner nie zufriedenstellend gelösten Standortsuche auf.

Viele Mitglieder, große Ziele

Die Idee für das Energiekompetenzzentrum ging auf die zweite Ludwigsburger Zukunftswerkstatt im Jahr 2007 zurück. In einer Art Denkfabrik, so die Überlegung, sollten Vertreter aus der Wirtschaft, der Wissenschaft und der öffentlichen Verwaltung gemeinsam klimaschonende Konzepte entwickeln. Zu den Mitgliedern des Energetikom-Vereins, der sich schließlich im Jahr 2009 gegründet hat, zählten unter anderem die Akademie der Ingenieure, die Stuttgarter Hochschule für Technik, die Firmen Bosch, MHP sowie Drees und Sommer, lokale Handwerksbetriebe, dazu Ingenieurbüros und die Stadt Ludwigsburg natürlich. Entstanden ist in diversen Arbeitsgruppen zum Beispiel eine interaktive Geopotenzialkarte, die Auskunft darüber gibt, ob sich ein Grundstück für die Versorgung mit Geothermie eignet. Auch das Klimaschutzkonzept für den Kreis haben Mitglieder des Energetikom-Vereins erarbeitet.

Mit einem Großbrand beginnen die Probleme

Dennoch können diese Projekte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Einrichtung nie richtig in die Gänge gekommen ist. Rückblickend lässt sich feststellen, dass sie vom Start weg unter einem schlechten Stern stand. Kurz vor dem lange geplanten Einzug des Energetikoms in die aufwendig umgebaute Halle 2z in der Weststadt ist diese im März 2010 abgebrannt. Und trotz vieler Anläufe und großer Unterstützung durch die Stadtverwaltung, eine neue adäquate Heimat zu finden, ist dies nie richtig gelungen. Nach mehreren provisorischen Unterkünften zog die Geschäftsstelle des Vereins letztlich in die Hoferstraße. Die Mitgliedsfirmen verzichteten auf kundennahe Dependancen im Energetikom, und die publikumsorientierte Ausstellung „Wissenszentrum Energie“ wurde im Kulturzentrum untergebracht.

Auch die angestrebte interdisziplinäre Zusammenarbeit erwies sich als komplizierter als erwartet. Obwohl die Mitglieder viel Zeit investiert haben, um ihren Verein bekannter zu machen sowie seine Bedeutung und seinen Nutzen offenkundiger zu machen, blieb die Zahl der Aufträge, die das Energetikom akquirieren konnte, überschaubar. Auch eine Neuausrichtung der Organisation vor zwei Jahren vermochte dies nicht zu ändern. In der Konsequenz haben Firmen ihre Mitgliedschaft gekündigt oder ihr Engagement für die Vereinsarbeit reduziert. Dies umso mehr, seit die Unternehmen durch die konjunkturbedingt gute Auftragslage ohnehin stark ausgelastet seien, wie Angelika Krebs sagt, die die Geschäftsstelle leitet. Von einst 44 Mitgliedern hatte der Verein zuletzt noch 34. Zu wenige, um eine schlagkräftige Institution aufzubauen. „Wir hätten 100 Mitglieder haben müssen, um wirklich etwas bewegen zu können“, sagt Krebs, deren Geschäftsstelle Ende des Jahres schließt. Sie hat einen neuen Job bei einem Gründungsmitglied des Energetikoms gefunden.

Die Politiker sind ernüchtert

Die Stadträte, die die verheißungsvolle Einrichtung lange beschäftigt hat, tragen ihr Ende weitgehend mit Fassung. „Das war ein totgeborenes Kind“ , bilanziert Reinhardt Weiß (Freie Wähler). „Das war abzusehen“, sagt Johann Heer (FDP). Margit Liepins (SPD) hat schon seit geraumer Zeit bezweifelt, dass sich das Energetikom halten kann. Elfriede Steinwand (Grüne), ist ebenso wenig überrascht.

Der OB Werner Spec selbst bewertet die Auflösung des Vereins nun als „logischen Schritt“. Die Netzwerkarbeit auf Basis eines Vereins sei wirtschaftlich nicht mehr darstellbar gewesen. Logisch sei auch die „Weiterentwicklung“ im Netzwerk Living Lab, in dem teilweise deutlich größere Unternehmen und Forschungseinrichtungen engagiert seien. Den bisherigen Mitgliedern des Energetikoms hat die Stadt denn auch angeboten, sich dort einzubringen. Das Living Lab versteht sich als Innovationsnetzwerk, in dem Vertreter aus der Wirtschaft, der Wissenschaft und der öffentlichen Verwaltung Konzepte rund um das Thema Digitalisierung entwickeln.

Die CDU jedoch findet all dies nicht so logisch. „Wir waren alle überrascht“, sagt Klaus Herrmann, dessen Fraktion nun einen Bericht fordert, der unter anderem detailliert Auskunft gibt über die angestrebten Ziele und die erreichten sowie über die aufgelaufenen Kosten. Gefördert worden war das auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Zentrum außer von der Stadt auch vom Bund, vom Land und von der Region. Insgesamt flossen mehr als 500 000 Euro, die Hälfte davon gab die Stadt.

Ungewisse Zukunft für die Energieagentur

Mit dem Ende des Energetikoms wird es für Sebastian Staudenmayer einsam in der Hoferstraße. Die Ludwigsburger Energieagentur Lea, deren Geschäfte Staudenmayer führt, ist im selben Gebäude untergebracht wie noch das Energetikom. So sehr er dessen Ende bedauert – auch die Lea war Mitglied im Verein – so sehr hofft er auf eine Signalwirkung: Wenn man das Energetikom schon nicht retten konnte, vielleicht wenigstens die Energieagentur.

Staudenmayer hat mehrfach über mangelnde Unterstützung geklagt. Privatpersonen bei Gebäudesanierungen zu beraten, Handwerker in Energieeffizienz zu schulen, Energiekonzepte für Kommunen zu erstellen – mit nur einer Stelle sei das kaum möglich. Mehr sei mangels Mitgliedskommunen und finanzieller Beteiligung des Landkreises aber nicht drin. „Ich wünsche mir Auftrieb“, sagt Staudenmayer nun.

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