Die Suche nach der neuen SPD-Führung startet am Mittwoch in Saarbrücken. Foto: dpa

Die Bewerber für den Parteivorsitz stellen sich am Mittwoch erstmals der Basis. Gewählt wird die Führung dann bis Ende November von den Mitgliedern. Wer die SPD führen wolle, müsse das lange Verfahren durchhalten, sagt Übergangschefin Schwesig.

Berlin - Nach zweimonatiger Bewerbungsphase haben 17 Kandidaten für den SPD-Vorsitz alle Voraussetzungen erfüllt. Für acht Duos und einen Einzelbewerber beginnt an diesem Mittwoch in Saarbrücken mit der ersten von 23 Regionalkonferenzen die Vorstellungstour an der Basis. „Wer Vorsitzender dieser Partei werden will, muss das durchhalten“, sagte die Übergangschefin Manuela Schwesig am Montag. Die Liste der Bewerber reicht vom Vizekanzler bis zum Oberbürgermeister:

Die Frühentschlossenen Als erstes Duo meldeten der Europa-Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Michael Roth, und die frühere Familienministerin in Nordrhein-Westfalen, Christina Kampmann, ihr Interesse am SPD-Vorsitz an. Seitdem machten die beiden Vertreter eines pragmatischen Kurses eine Reihe von Vorschlägen etwa zum drastischen Umbau des Parteivorstands. Früh zeigte sich auch die Vorsitzende der SPD-Grundwertekommission, Gesine Schwan, zur Kandidatur bereit. Als Partner konnte sie sich Juso-Chef Kevin Kühnert vorstellen, der jedoch abwinkte. Schließlich tat sich Schwan mit SPD-Vize Ralf Stegner zusammen. Die beiden zählen zum linken Flügel der Partei.

Die Etablierten Nach anfänglicher Absage entschied sich Vizekanzler und Bundesfinanzminister Olaf Scholz zur Kandidatur. Er gilt als prominentester Befürworter der großen Koalition. Manche halten den seit Jahren zur Parteiführung zählenden früheren Hamburger Regierungschef daher für ungeeignet, einen Neuanfang der SPD einzuleiten. Scholz geht mit der Brandenburgerin Klara Geywitz ins Rennen, die in der SPD hoch geschätzt wird, bei der Wahl am Sonntag allerdings ihr Landtagsmandat verlor. Zu den etablierten SPD-Politikern im Bewerberfeld zählen auch Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius und Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping. Die beiden profilierten Landesminister wären die geeigneten Kandidaten für diejenigen in der SPD, die sich ein stärkeres Profil der Partei bei der inneren Sicherheit wünschen.

Die Groko-Gegner SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil äußerte am Montag ausdrücklich den Wunsch, dass es bei den Regionalkonferenzen um Zukunftsthemen gehen möge – und nicht allein um die Frage, ob die SPD in der großen Koalition bleibt. Doch mehrere Duos werden gezielt mit der Forderung nach einem Ende des Bündnisses für sich werben. Dazu gehört das Team aus Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange und dem Oberbürgermeister von Bautzen, Alexander Ahrens. Lange war bei der Wahl zum Parteivorsitz bereits 2018 auf einem Parteitag gegen Andrea Nahles angetreten und hatte mit knapp 28 Prozent einen Achtungserfolg erzielt. Zu den erklärten Groko-Gegnern zählen auch die Ulmer Bundestagsabgeordnete und Parteilinke Hilde Mattheis und der Verdi-Chefökonom Dierk Hirschel sowie das Duo aus den beiden Bundestagsabgeordneten Nina Scheer und Karl Lauterbach.

Der Geheimtipp Als letztes Duo meldete das Team aus dem früheren Finanzminister von Nordrhein-Westfalen, Norbert Walter-Borjans, und der baden-württembergischen Bundestagsabgeordneten Saskia Esken seine Kandidatur an. Walter-Borjans war von 2010 bis 2017 Finanzminister in Düsseldorf. In der Zeit machte sich der 66-Jährige bundesweit einen Namen durch seinen Kampf gegen Steuerflucht ins Ausland und den Ankauf von Steuer-CDs. Dadurch flossen mehrere Milliarden Euro in die Staatskasse. Esken sitzt seit 2013 als Abgeordnete des Wahlkreises Calw/Freudenstadt im Bundestag und beschäftigt sich dort unter andrem mit der Digitalisierung. Vor Beginn der Regionalkonferenzen haben Walter-Borjans und Esken den Status als Geheimtipp im Bewerberfeld. Juso-Chef Kühnert bekundete bereits seine Unterstützung für die beiden. Er habe „persönlich eine sehr große Sympathie“ für das Duo, sagte Kühnert am Montag.

Der Außenseiter Als Einzelbewerber tritt der Bundestagsabgeordnete Karl-​Heinz Brunner aus Bayern an. Es ist keine Pflicht, als Duo zu kandidieren. Brunner begründete seine Kandidatur damit, dass auch Befürworter der großen Koalition unter den Kandidaten vertreten sein müssten. Brunner sicherte sich zwar in der Partei die notwendige Unterstützung für eine Kandidatur, eine größere Rolle dürfte er im weiteren Prozess jedoch nicht spielen.

Der Störenfried Dann war da noch ein Störenfried, der die SPD in den vergangenen Tagen aufmischte: Der TV-Moderator und Satiriker Jan Böhmermann kündigte am vergangenen Donnerstag an, für den Parteivorsitz kandidieren zu wollen und startete eine Kampagne im Netz. Böhmermann bemühte sich sogar kurzfristig um ein SPD-Parteibuch und warb bei Unterbezirken um eine Nominierung. Am Ende habe es „ganz knapp doch nicht gereicht“, erklärte Böhmermann am Montag in einem Video. Doch SPD-Mitglied will der Satiriker weiter werden.

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