Olga (Birgit Minichmayr) und Dengler (Ronald Zehrfeld) - Szene aus der „Brennenden Kälte“ Foto: ZDF /Stephan Rabold

Im fünften Dengler-Krimi mit Ronald Zehrfeld als Stuttgarter Privatdetektiv betreiben der BND und ein Rüstungskonzern ein widerliches Geschäft.

Stuttgart - In seinem Film „Meister des Todes“ (2015) hat der Autor und Regisseur Daniel Harrich vor einigen Jahren die unmoralischen Geschäfte der deutschen Rüstungsindustrieangeprangert. Es ging darin um eigentlich verbotene Waffenexporte in Krisengebiete. Die Hauptfiguren, hieß es damals im Vorspann, seien erfunden, die skandalösen Ereignisse jedoch authentisch.

Gleiches gilt für „Brennende Kälte“, den vierten Dengler-Roman von Wolfgang Schorlau, dessen Adaption das ZDF nun als fünften Teil seiner Dengler-Reihe zeigt. Buch und Film erzählen eine schockierende Geschichte: Ein deutscher Rüstungskonzern hat eine Waffentechnologie entwickelt, die der Traum aller Geheimdienste ist. Sie funktioniert ähnlich wie eine Mikrowelle und bringt das Blut zum Kochen; die Menschen haben das Gefühl, sie würden bei lebendigem Leib verbrennen, aber die Prozedur hinterlässt keine sichtbaren Schäden. Kaltblütig hat der Bundesnachrichtendienst diese Technik in Afghanistan testen lassen; sie funktioniert reibungslos. Der Privatdetektiv Dengler (Ronald Zehrfeld) kommt ins Spiel, als ein Bundeswehroffizier den Skandal publik machen will und einer Journalistin entsprechendes Text- und Bildmaterial überlässt. Die Frau wird gemeinsam mit anderen Besuchern eines Internetcafés von Killern des BND ermordet, als sie das Datenmaterial gerade an Denglers Freundin Olga (Birgit Minichmayr) schickt. Die Computerhackerin entkommt dem Todeskommando und bittet den ehemaligen BKA-Zielfahnder um Hilfe.

Der Regisseur konzentriert sich auf das dramatische Potenzial der Handlung

Die Handlung bringt alles mit, was ein großer Polit-Thriller braucht: unerschrockene Helden, die sich gegen Unrecht auflehnen, skrupellose Gegenspieler, deren Verbindungen in die höchsten Kreise reichen, Beamte, die sich lieber wegducken, und eine ordentliche Prise Action. Trotzdem ist „Brennende Kälte“ wie schon zuletzt die Dengler-Episode „Fremde Wasser“ (2018) nicht der ganz große Wurf geworden.

Natürlich ist es völlig legitim, wenn sich der Regisseur Rick Ostermann der diversen Verfolgungsjagden zum Trotz auf das dramatische Potenzial einer Handlung konzentriert; es wäre im Gegenteil höchst bedauerlich, wenn Schorlaus Geschichte zu einem Vorwand für einen Actionfilm verkommen würde. Allerdings ist es nicht verboten, die Ereignisse so packend wie möglich zu inszenieren und mit passender Musik zu unterlegen. Bei Ostermanns Umsetzung kommt es jedoch immer wieder zu Spannungsabfällen, die die Qualität des Films deutlich mindern. Das hat nicht nur, aber auch mit der Darstellerführung zu tun. So nutzt Olga beispielsweise einen unverhofften Moment der Ruhe, um betrunken über das Internet zu lamentieren, in das sie einst so große Hoffnungen gesetzt hat; die weinerliche Szene ist ein echter Rausschmeißer.

ZDF, Montag, 7. 10., 20.15 Uhr
  
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