Evelyn Weis übt ihr Amt „zu hundert Prozent“ mit Freude aus. Foto: Leonie Schüler

Im Interview blickt die Bezirksvorsteherin von Stuttgart-Möhringen, Evelyn Weis, auf das vergangene Jahr zurück und freut sich auf kommende Ereignisse.

Möhringen - Evelyn Weis wurde im Juli 2016 in ihr Amt als Bezirksvorsteherin von Möhringen eingeführt. Im Interview blickt sie auf die Geschehnisse seit dieser Zeit zurück und wagt einen Ausblick auf die Ereignisse, die im Jahr 2018 anstehen werden. Unter anderem setzt sie sich für ein Fortbestehen des Kinderfestes ein.

Frau Weis, Sie sind seit anderthalb Jahren Bezirksvorsteherin von Möhringen. Sind Sie im Amt angekommen?
Ja, auf jeden Fall. Ich war ja schon vorher hier im Bezirk Stellvertreterin und daher war mir schon einiges bekannt.
Sind Sie mit Freude dabei?
Auf jeden Fall. Das kann ich zu hundert Prozent bejahen.
Was verbuchen Sie als Ihren bisher größten Erfolg?
Es ist viel passiert in dem Jahr – Positives wie Negatives. Zum Beispiel wurde das Kinderfest des Liederkranzes abgesagt. Aber man erlebt auch immer wieder, dass neue Impulse kommen. Ein Highlight kann man aber noch nicht benennen. Das erste Projekt, das ich alleine stemme, ist der Geburtstag des Bürgerhauses Möhringen. Dieses ist am 2. März 2008 eingeweiht worden, und am Samstag, 3. März 2018, feiern wir das zehnjährige Bestehen. Da sind wir gerade am Vorbereiten und Einladen.
Hat sich das Bürgerhaus bewährt?
Es ist sehr gut ausgelastet. Die Intention meines Vorgängers Herrn Lohmann war es, das Haus den Vereinen und Institutionen vor Ort zur Verfügung zu stellen, damit sie einen Platz haben, wo sie ihre Sitzungen und Feiern abhalten und ihre Auftritte darbieten können. Einmal im Monat findet dort die Kulturreihe „Donnerstag im Bürgerhaus“ statt, welche vom Bürgerverein Möhringen zusammen mit dem Bezirksamt veranstaltet wird. Das kommt gut an.
Mit welchen Ernüchterungen hatten Sie bislang zu kämpfen?
Es gibt natürlich Themen wie den Bebauungsplan Südliche Laustraße, die Nachverdichtung im Fasanenhof oder auch den Kreisverkehr im Fasanenhof am Schelmenwasen, bei denen es in der Bevölkerung nicht immer Zustimmung gibt. Das sind Themen, die sind in der Entwicklung. Da muss man abwarten, was daraus wird. Und natürlich das Kinderfest, das abgesagt wurde, das tat mir persönlich sehr leid. Im November gab es ein Forum, ergebnisoffen. Wir haben diskutiert, ob man eventuell etwas fortsetzen kann, in welcher Form auch immer. Daraus hat sich eine Lenkungsgruppe gegründet, Anfang Dezember hatten wir die erste Sitzung. Da wird erörtert, wo und wie es weitergehen kann. Dass es weitergehen soll, ist der Zielpunkt.
Aber nicht 2018?
Nein, 2019. 2018 schaffen wir nicht. Wir müssen schauen, wie groß und wo das Kinderfest stattfinden könnte, wie es finanziert wird, wer es organisiert. Im Februar haben wir unsere nächste Sitzung.
Sieht es so aus, dass sich jemand findet?
Der Wille ist da. Wir schauen gerade, wie man das stemmen kann. Das alte Kinderfest wird es so nicht mehr geben, aber es kann etwas Neues entstehen. Ob es ein reines Kinderfest wird, ist offen, aber der Fokus soll sich natürlich auf die Kinder richten, damit sie einen besonderen Tag haben.
b>Der Verkehr ist ein großes Problem
Ein Dauerthema im Bezirk ist der Verkehr. Der Zuzug der Firmen Allianz und Daimler nach Vaihingen wird in Zukunft noch mehr Autofahrer auch nach Möhringen bringen.
Das ist im Bezirksbeirat und in der Bürgerschaft ein Thema. Den Verkehrsstrukturplan Möhringen gibt es schon seit 2012. Bereits hier war schon präsent, dass Abhilfe kommen muss, obwohl man von der Aufsiedelung noch nichts wusste. Aber da ist man jetzt seitens der Stadt dran. Seit Kurzem gibt es den Verkehrsstrukturplan von Vaihingen. Der Bezirksbeirat Möhringen und auch der von Vaihingen haben sich dafür ausgesprochen, dass man eine gemeinsame Sitzung durchführt. Diese wird im Januar stattfinden. Ziel ist es, dass beide Gremien zu diesem schwierigen Thema über einen einheitlichen Wissenstand verfügen. Was will die Stadt Stuttgart? Was hat sie in Planung, um dem Verkehr Herr zu werden? Dass es keinen Stau mehr geben wird, ist unrealistisch. Aber es soll durch die zusätzliche Belastung nicht noch katastrophaler werden.
Es gibt die Idee, eine Seilbahn zu bauen.
Das gehört zu den Möglichkeiten, die die Stadt Stuttgart angedacht hat. Es ist jedoch erst eine Idee, sie steht noch nicht fest. Der Bezirksbeirat hat ein Parkhaus neben dem Freibad aber abgelehnt. Ein Parkhaus ist nicht generell abgelehnt worden, nur der Standort muss besser gewählt werden.
Auf den Umbau der Filderbahnstraße wird lange gewartet. Wird sich 2018 was tun?
2018 soll’s beginnen, und zwar der obere Teil.
Was wird sich dadurch ändern?
Die Aufenthaltsqualität wird besser. Wenn Sie vom Bahnhof kommen und herunterlaufen, dann ist es wie ein Eingangstor zum Stadtbezirk. Klar, der Bus muss queren, aber es soll so sein, dass man sich gerne da aufhält und flanieren, Eis essen, sich hinsetzen kann. Fußgänger, Radfahrer und die Autos sollen vernünftig koexistieren.
Wenn werden die Bauarbeiten beginnen?
Das kann ich nicht genau sagen.
Schauen wir auf die neue Feuerwache 5, die nach Möhringen kommt. Der Bau wird teurer und später fertig.
Ja, aber solche Verzögerungen können nun mal auftreten, weil Umstände eintreten, die man so gar nicht planen kann. Wichtig ist, dass sie kommt, da es meines Erachtens eine Aufwertung für Möhringen ist. Natürlich bringt eine Feuerwache auch Lärm mit sich, aber auf den Schallschutz muss bei der Planung geachtet werden.

Die Freundeskreise sind nach wie vor aktiv

Um das Thema Flüchtlinge ist es in Möhringen ruhig geworden.
Toi toi toi, ja. Wir haben jetzt drei Standorte, die auch belegt sind. Der Freundeskreis Möhringen ist sehr aktiv, immer noch. Er ist natürlich kleiner geworden, wie überall. Im Fasanenhof sind die Heime erst seit Kurzem belegt, im Juni, Juli und August sind dort Flüchtlinge eingezogen. Da setzt sich jetzt ein Helferkreis zusammen; wobei der Unterschied zu Möhringen ist, dass die Institutionen vor Ort sich beteiligen sollen. Die Angebote, die es sowieso schon gibt, sollen eingebunden werden. Außerdem bringen sich Ehrenamtliche ein.
Und wie klappt es mit den Flüchtlingen in Möhringen, die schon länger da sind?
Probleme so wie andernorts kann ich hier verneinen, Gott sei Dank. Natürlich gibt es hin und wieder Probleme, aber im normalen Rahmen.
Sie haben die Werbetrommel für den Jugendrat gerührt. Mit Erfolg: Es haben sich genug Jugendliche beworben, sodass im Januar ein Gremium gewählt werden kann.
Die Werbetrommel wurde nicht von mir alleine gerührt; beteiligt ist auch meine Stellvertreterin Frau Heymann und Herr Wörner, unser FSJler. Mir ist der Jugendrat persönlich sehr wichtig. Ich bin bei den Sitzungen so weit wie möglich dabei, auch als Zeichen der Wertschätzung und um zu hören, wo sind die Anliegen. Ich finde es eine gute Sache, dass sich die Jugendlichen einbringen. Unser aktueller Jugendrat hat im Dezember seine letzte Sitzung gehabt, er hat sich wirklich eingebracht und Projekte gemacht, die ich toll fand.
Was zum Beispiel?
Was super ankam, war die Alkoholpräventionsveranstaltung. Dann haben sie sich toll beim Möhringer Herbst präsentiert, in Kooperation mit dem Jugendhaus. Sehr engagierte Leute hatten wir da, auch wenn es am Schluss eine ganz kleine Gruppe war.
Was hoffen Sie, wird sich nächstes Jahr in Bezug auf Barrierefreiheit im Bezirk tun?
Wir hatten hier im April einen Rundgang mit Herrn Tattermusch, dem Beauftragten für die Belange von Menschen mit Behinderung. Es gibt Sachen, da können wir leider nichts machen, aber dann gibt es auch Themen, die wurden gleich geändert. Zum Beispiel am Bahnhof wurde angemerkt, dass der Behindertenparkplatz ganz hinten lag. Dieser wurde ganz schnell nach vorne verlegt. Oder der Weg zwischen dem Bürgerhaus und der Bäckerei, da waren große Löcher vorhanden. Innerhalb kürzester Zeit wurden diese beseitigt. Was wir schwer ändern können sind alte Gebäude, die zum Teil unter Denkmalschutz stehen. Aber bei vielen Geschäften wird im Zweifel draußen bedient. Grundsätzlich ist es so, dass wir bei allem, was wir machen, immer darauf achten, ob die Belange von Menschen mit Handicap ausreichend berücksichtigt sind. Auch der Bezirksbeirat achtet sehr darauf.
Was gibt es Neues zum Hexenweg?
Es kam auf, dass dessen Zustand nachgebessert werden müsse. Das wurde widerlegt, er ist in einem guten Zustand. Wir sind jetzt gerade aber dran, eine bessere Kennzeichnung vorzunehmen. Der kleine Hexenweg ist rund fünf Kilometer, der große 18,5 Kilometer lang. Er ist sehr idyllisch und superschön zu laufen.

Viele gute Wünsche

Welche Wünsche haben Sie für Möhringen für 2018?
Ich würde mir wünschen, dass die Zusammenarbeit des Bezirksbeirats, der immer das Wohl des Bezirks im Auge hat, so bleibt. Das Gremium arbeitet sehr gut zusammen. Ich möchte mich bei den Mitgliedern des Bezirksbeirates für die gute, konstruktive Zusammenarbeit bedanken. Das gleiche gilt für meine Kollegen und Kolleginnen im Bezirksamt. Ohne diese würde vieles nicht so funktionieren, wie es funktioniert.
Was sagen Sie den Möhringer Bürgern?
Ich möchte mich bedanken für ihr Engagement. Wir haben mehr als 40 Vereine und drei Bürgervereine – Fasanenhof, Sonnenberg und Möhringen. Was die auf die Beine stellen, das ist wirklich Wahnsinn. Gleichzeitig appelliere ich an die Bürger, sich weiter einzubringen. Es ist auffällig, dass uns im Ehrenamt eine bestimmte Altersgruppe fehlt, nämlich die 60-, 70-Jährigen. Dagegen engagieren sich ganz viele Jüngere oder Ältere. Ich möchte wirklich dafür werben, dass man sich einbringt, denn vom Ehrenamt lebt eine Gesellschaft. Sonst wäre vieles überhaupt nicht möglich.
Worauf freuen Sie sich im nächsten Jahr?
Auf den Geburtstag des Bürgerhauses und die Jugendratswahl. Und wir kriegen wahrscheinlich das Projekt Nette Toilette. Das ist mir ein sehr persönliches Anliegen. Wir sind mit dem Stadtseniorenrat dabei, das vorzubereiten. Möhringen ist einer der Projektbezirke.
Was genau passiert da?
Wir haben in den Außenbezirken keine öffentlichen Toiletten mehr. Bei der Netten Toilette bieten Läden an, dass man ihre Toi­lette kostenlos nutzen kann. Man muss auch nichts einkaufen. Dafür bekommen die Geschäfte einen kleinen Obolus von der Stadt. Mitglieder des Stadtseniorenrats sind den Stadtbezirk abgelaufen und haben eine Karte von den möglichen beteiligten Geschäften erstellt.
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