In Stuttgart fehlt Wohnraum, vor allem preisgünstiger. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft SWSG soll sich daher stärker engagieren. Foto: dpa

Der städtische Wohnungsbauer SWSG will nach den bisherigen Plänen bis Ende 2024 rund 20 250 Wohnungen sein Eigen nennen. Die Wohnungsbaugesellschaft setzt dabei auf zwei Strategien.

Stuttgart - Der Gemeinderat hat mit einem Grundsatzbeschluss die Rolle des stadteigenen Wohnungsbauunternehmens SWSG ­gestärkt. Grüne, SPD, SÖS/Linke-plus und Stadtisten wollen, dass die SWSG auf die Zielmarke von 30 000 Wohnungen zuarbeitet. Davon ist das Unternehmen noch weit entfernt. Ende 2016 lag der Bestand bei 18 138 Mietwohnungen, davon waren 7357 preisgebunden. Ende dieses Jahres soll der Bestand bei 18 314 Wohnungen liegen.

Die Talsohle hatte die SWSG 2010 erreicht, als ihr in Stuttgart nur noch 17 902 Wohnungen gehörten. Innerhalb von zehn Jahren waren rund 1700 Wohnungen verkauft worden, auch um die Sanierung des teils sehr alten Bestandes voranbringen zu können. Den nun von der Politik verordneten Turbo für den Wachstumskurs bewertet das Unternehmen positiv. Finanziert werden soll er mit Umschichtungen von Geldanlagen. Nicht nur die öko-linke Mehrheit, auch die CDU habe mit ihrem Antrag zum Ausdruck gebracht, dass „mehr SWSG gut für die Stadt ist“. Die Christdemokraten legten Wert darauf, die Gesellschaft „nicht einseitig gegenüber den Partnern im Bündnis für Wohnen zu bevorzugen“. Dem Bündnis gehören auch private Wohnungsbauer und Genossenschaften an. Man wolle die eigene Wachstumsstrategie nicht zulasten der Ziele des Wohnungsbündnisses erreichen, so die stadteigene Gesellschaft.

Freude über Wachstum

Die Bemühungen des Unternehmens zur sozialen Quartierentwicklung erhielten Anerkennung, so die SWSG. „Die Stadträte befürworten grundsätzlich eine konsequente Wachstumsstrategie, auch wenn die Antragsteller unterschiedliche Schwerpunkte setzen“, so die SWSG-Pressestelle auf Anfrage. Anders als die Stadt selbst könne die SWSG frei von Kaufpreisbegrenzungen agieren, ­allerdings könne sie „bei Kaufpreisspitzen, die sich aus Wertsteigerungsspekulationen ergeben, nicht mithalten“. Ein Beispiel für solche Spekulationen, die sich aus der Niedrigzinsphase und steigenden Mieten speisen, ist der Kauf von Wohnungen der Landesbank (LBBW) durch die Patrizia AG im Jahr 2012. Auch die Stadt hatte Interesse an einem Teil des Bestandes von 21 500 Wohnungen, davon 3800 in Stuttgart, und hatte in einem Konsortium mitgeboten. Patrizia verkaufte dann das für 1,4 Milliarden Euro erworbene Paket im Juni 2015 für 1,9 Milliarden weiter – und erzielte einen enormen Spekulationsgewinn.

Um Sozialwohnungen zu bauen, setzt die SWSG auf zinsverbilligte Darlehen, die das Land gewährt. Der Sollzins liegt bei null Prozent, die Laufzeit, gleichzusetzen mit der Bindungsfrist für die Sozialwohnung, aktuell bei 30 Jahren. Im Programm sind auch Zuschüsse möglich.

Übernahme von Wohnungen des Klinikums

Um zu wachsen, verfolge die SWSG zwei Strategien: Es würden Grundstücke und Wohnungspakete gekauft, auch im geförderten Segment, und es werde gebaut. In den nächsten fünf Jahren sollen rund 2000 neue Wohnungen entstehen, einschließlich der 220 für Beschäftigte des Klinikums. Im Saldo übernimmt die SWSG rund 800 Wohnungen vom Klinikum, setzt dafür 98 Millionen Euro ein. Die Stadt subventioniert mit etwa 30 Millionen Euro die Mieten. Die Marke von 20 250 Wohnungen wolle man nach bisherigen Plänen Ende 2024 erreichen, sagt das Unternehmen. Bis zu den geforderten 30 000 könnte es also noch ein längerer Weg sein.

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