Die rote Nase hat sich Georg Spinner nur kurz zum Spaß aufgesetzt. Der Abschied war mit einigem Wehmut verbunden. Sein Nachfolger Markus Kramer (rechts) muss große Fußstapfen ausfüllen. Foto: Gottfried Stoppel

Nach vielen Jahren an der Spitze der Feuerwehr tritt Georg Spinner ins Glied zurück. Sein Nachfolger als Präsident des Verbandes wird der Schorndorfer Markus Kramer.

Urbach - Seinen Ehrenamtsjob als Kommandant in Leutenbach hat er 2011 zur Verfügung gestellt, jetzt hat sich Georg Spinner auch als Vorsitzender des Feuerwehrverbands Rems-Murr verabschiedet. „Zehn Jahre sind genug“, sagt Spinner und wiederholt damit sein knappes Fazit von vor acht Jahren – damals waren es allerdings 20 Jahre in einer ehrenamtlichen Spitzenposition gewesen.

Wie damals scheidet der 52-Jährige auch keineswegs im Gram, aber er sagt, dass irgendwann auch mal die Zeit für Veränderungen reif sei, für andere Persönlichkeiten, andere Ideen. Das heißt nicht, dass die aktuelle Führungsriege der „Gewerkschaft der Feuerwehr“, wie Spinner den Verband nennt, im übertragenen Sinn ausgebrannt sei. Gerade in jüngerer Zeit habe man tolle Projekte realisiert. Besonders stolz ist Spinner etwa auf die Aktion „Jugendfeuerwehr trifft Industrie“ – diese habe der Feuerwehr „viel Reputation und Verständnis bei den Betrieben“ eingebracht. Natürlich sei in den zehn Jahren Verbandstätigkeit „nicht alles rosarot“ gewesen. Aber Spinner kann sich an keine wirklichen Tiefs erinnern und sieht rückblickend „viel mehr hell als dunkel“.

Die Feuerwehr bleibt immer im Herzen

Allerdings habe die ehrenamtliche Verbandstätigkeit auch einiges an Zeit gekostet: im Schnitt mindestens eine Stunde pro Tag. Diese gewonnene Zeit will Spinner, wie er verspricht, nutzen, um seine Frau zu unterstützen. Eventuell auch bei deren ehrenamtlicher Tätigkeit im örtlichen Obst- und Gartenbauverein. Den Fachwart für Obst und Gehölze hat Spinner sich vorgenommen. Also wieder ein führendes Ehrenamt? „Vorerst nicht“, sagt der Mann, der es vermutlich doch nicht lassen kann, vorsichtig. Und da ist ja auch noch der „normale“ Feuerwehrdienst, den Spinner selbstverständlich weiter betreiben will. Ganz loslassen kann er nicht. „Die Feuerwehr“, sagt Spinner, „wird immer in meinem Herzen sein“.

Zu seinem Nachfolger ist am Samstag im Beisein zahlreicher Politiker und Bürgermeister in der Urbacher Auerbachhalle Markus Kramer aus Schorndorf gewählt worden. Der 40-Jährige hat, wie er selbst sagt, sein Hobby bereits zu seinem Beruf gemacht. Kramer ist der stellvertretende Geschäftsführer beim Landesfeuerwehrverband und war zuvor mehrere Jahre in der Stabsstelle Brand- und Katastrophenschutz des Landratsamts tätig. Der Schorndorfer setzte sich in geheimer Wahl letztlich mit 56 zu 41 Stimmen gegen Markus Kaumeyer aus Aspach durch.

Gut bestelltes Haus hinterlassen

Georg Spinner hat ihm – zumindest öffentlich – keine guten Ratschläge mit auf den Weg gegeben. Schließlich will er mit seinem Rückzug ja auch neue Ideen fördern. Er glaubt aber, seinem Nachfolger ein durchaus gut bestelltes Haus hinterlassen zu haben. Natürlich gebe es Rahmenbedingungen, die bei der Freiwilligen Feuerwehr verbessert werden könnten, sagt der Mann, der im Rems-Murr-Kreis für die Floriansjünger fleißig Lobbyarbeit gemacht hat. Manches sei allerdings, wie er einräumt, auch ein wenig Jammern auf hohem Niveau.

„Die vergangenen zehn Jahre waren die besten und effektivsten für die Feuerwehren im Land – und damit auch für den Rems-Murr-Kreis.“ Schön indes fände er, wenn den Kameraden, die ihre zum Teil gefährliche Arbeit überwiegend ehrenamtlich erledigten, die Anerkennung zuteil werde, die sie verdienten. „Ich kenne keinen Fußballverein, deren Spieler mitten in der Nacht geweckt werden, um ihr Spiel zu spielen und dann am nächsten Tag klaglos wieder ins Geschäft gehen. Bei uns ist das dauerhaft der Fall.“

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