Kann er Trump-Wähler zu den Demokraten zurückholen? Obamas Vizepräsident Joe Biden. Foto: AP

Bei den US-Demokraten gibt es viele Bewerber, die den Präsidenten 2020 herausfordern wollen. Der vorläufig letzte ist Joe Biden, Obamas früherer Vizepräsident.

Stuttgart/Washington - Mehr als ein Dutzend potenzielle demokratische US-Präsidentschaftskandidaten haben ihren Hut in den Ring geworfen. Eigentlich müsste es ein Leichtes sein, gegen US-PräsidentDonald Trump 2020 zu gewinnen: Eine Mehrheit der US-Bürger lehnt ihn ab, er wird von Affären belastet und hat Frauen und Minderheiten vor den Kopf gestoßen.

Trotzdem fällt die Kandidatenkür und die Entscheidung über den Kurs der Partei nicht leicht. Einen klaren Favoriten gibt es nicht. Nur Umfragen, die fast zehn Monate vor den ersten Vorwahlen am 3. Februar in Iowa noch kaum aussagekräftig sind. Ein Überblick über einige wichtige Frauen und Männer, die Trump aus dem Amt jagen wollen:

Joseph Biden Der Vize von Ex-Präsident Barack Obama und langjährige Senator aus Delaware, der Insidern zufolge an diesem Donnerstag seine Kandidatur bekannt gibt, ist laut Umfragen auch in den Bundesstaaten Spitzenreiter, in denen die ersten Vorwahlen stattfinden. Er zählt zum Gewerkschafts- und Arbeitnehmerflügel der Partei, wäre also mutmaßlich in der Lage, Wähler aus der weißen Unter- und Mittelschicht zurückholen, die in Pennsylvania, Michigan, Ohio und Wisconsin 2016 Trump zum Sieg verhalfen. Zudem ist Biden auch ein Typ, der die Trump-Wähler am wenigsten gegen sich mobilisiert. Zuletzt geriet er in die Schlagzeilen, weil er mehrfach Frauen unangemessen berührt hatte. Andere Handicaps: Als Kandidat der Mitte steht er rechts von der Partei, die zuletzt deutlich nach links gerutscht ist und vor allem Linke, junge Leute, Frauen und Minderheiten ansprach. Ist es also wirklich eine Gewinnerstrategie, gegen den am Wahltag 74 Jahre alten Donald Trump einen 78 Jahre „alten weißen Mann“ antreten zu lassen?

Bernie Sanders Der Senator aus Vermont, der am Wahltag 79 Jahre ist, bewies bei den Vorwahlen 2016 jedoch, dass er trotz seines fortgeschrittenen Alters junge Leute zuhauf begeistern kann. Als Hoffnungsträger des linken Parteiflügels trat er damals als krasser Außenseiter gegen Hillary Clinton als der Vertreterin des Partei-Establishments an. Diesmal allerdings erhält er mit seinen Positionen zum Kampf gegen die wirtschaftliche Ungleichheit, zu hohe Krankenkassenprämien oder gegen den Klimawandel jede Menge Konkurrenz von ähnlich orientierten Politikern.

Kamala Harris Sollte die Partei entscheiden, gegen Trump einen Kandidaten aufzustellen, der möglichst anders ist als er, also jung, weiblich, farbig und links? Dann könnte die 1964 als Tochter einer Tamilin und eines Jamaikaners in Kalifornien geborene Ex-Staatsanwältin die Richtige sein. Harris errang 2016 einen Sitz im Senat. Dort vertrat sie eine liberale Einwanderungspolitik. Außerdem fordert sie eine Ausweitung der unter Obama eingeführten Krankenversicherungspflicht und kostenfreies Studieren an staatlichen Hochschulen.

Beto O’Rourke Der Ex-Abgeordnete und Ex-Stadtrat aus El Paso unterlag bei den Senatswahlen 2018 im konservativen Texas nur knapp gegen den Amtsinhaber Ted Cruz. Der 1972 geborene Politiker wirbt um die Aussöhnung der verfeindeten Lager, hat Charisma und versucht an Vorbilder wie die Kennedys oder Obama anzuknüpfen. Ideologisch ist er schwer einzuordnen. Manche zählen ihn zum gemäßigten Parteiflügel.

Pete Buttigieg Der Bürgermeister der Stadt South Bend in Indiana gilt als politisches Naturtalent. Er besitzt Abschlüsse aus Harvard und Oxford und Militärerfahrung aus Afghanistan. Er führt vor, wie man als Demokrat auch im konservativen Mittleren Westen erfolgreich Politik macht – unideologisch und lösungsorientiert. Der erst 37-Jährige wäre der jüngste Präsident der US-Geschichte und auch der erste Homosexuelle in diesem Amt.

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