Condor soll einen Überbrückungskredit erhalten. Foto: AFP/INA FASSBENDER

Mit Steuerzahlergeld will der Staat dem Ferienflieger zur Seite springen. Auf die Finanzspritze für die Thomas-Cook-Tochter hofft nicht nur das Unternehmen, sondern die gesamte Branche. Auch der deutsche Reiseveranstalter Thomas Cook wendet sich an Berlin.

Berlin/Frankfurt - Der Staat will dem Ferienflieger Condor nach der Insolvenz der Muttergesellschaft Thomas Cook mit einem Überbrückungskredit helfen. Diese Grundsatzentscheidung haben die zuständigen Ministerien getroffen, wie die Deutsche Presse-Agentur am Dienstagabend aus Verhandlungskreisen erfuhr. Im Gespräch ist ein Kredit mit einem Volumen von 380 Millionen Euro. Neben der Bundesregierung soll auch das Land Hessen mit dabei sein.

Die hessische Landesregierung hatte Unterstützung für Condor in Aussicht gestellt. Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) hatte am Dienstag zur Höhe eines möglichen Überbrückungskredits dem Hessischen Rundfunk gesagt: „Wir haben ein bewährtes Verfahren in solchen Konstruktionen. Der Bund nimmt die Hälfte und die betroffenen Länder nehmen die andere Hälfte. Da Condor ja ein hessisches Unternehmen ist, wäre die andere Hälfte für das Land Hessen.“

Das sagt Altmaier

Wegen der Insolvenz des britischen Mutterkonzerns Thomas Cook hatte die bislang profitable Condor einen staatlich verbürgten Überbrückungskredit beantragt, um „Liquiditätsengpässe“ zu verhindern. Condor fliegt trotz der Insolvenz des Mutterkonzerns Thomas Cook weiter, hatte aber auf Unterstützung des Bundes gehofft.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte am Dienstag betont, die Schwierigkeiten bei Condor seien durch die Insolvenz der Muttergesellschaft Thomas Cook entstanden. „Es sind keine hausgemachten Probleme.“

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Der Ferienflieger, der etwa 4900 Mitarbeiter beschäftigt, hatte mit Blick auf die Aussagen Altmaiers erklärt: „Wir freuen uns über jedes positive Signal.“

Auch der deutsche Reiseveranstalter Thomas Cook beantragte einen Überbrückungskredit. Er ist ebenfalls durch die Pleite der britischen Muttergesellschaft in Bedrängnis geraten.

Blick auf die Herbstferien

Flughäfen und Gewerkschaften hatten die Bitte des Unternehmens um Staatshilfe unterstützt. Condor ist ein wichtiger Partner für deutsche Reiseveranstalter. Im Schnitt sind nach Angaben des Unternehmens weniger als ein Fünftel der Condor-Passagiere Gäste der Thomas Cook-Veranstaltermarken. Angesichts der bevorstehenden Herbstferien wäre ein Ausscheiden Condors aus dem Markt für die Tourismusbranche ein großes Problem.

Am Dienstag hielt Condor seinen Betrieb weiter aufrecht. Alle Flüge sollten wie geplant durchgeführt werden, hieß es. Spezielle Teams beantworteten an den Flughäfen die Fragen der Passagiere. Gleichzeitig rede das Management mit allen Lieferanten und Partnerunternehmen, um seine Maschinen weiter in der Luft zu halten.

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Die Pleite des Thomas-Cook-Konzerns beflügelte erneut die Spekulationen über einen Verkauf von Condor. Es gebe ein hohes Interesse auch bei Finanzinvestoren, sagte ein Condor-Sprecher. Bei einem möglichen Verkauf hätte der Insolvenzverwalter des britischen Reisekonzerns allerdings ein wichtiges Wort mitzureden.

Der deutsche Reiseveranstalter Thomas Cook beantragte ebenfalls einen staatlichen Überbrückungskredit beim Bund. Die Anfrage sei am Montag erfolgt, sagte eine Sprecherin der Thomas Cook GmbH in Oberursel bei Frankfurt. Zur Höhe wurden keine Angaben gemacht. Zuvor hatte der „Hessische Rundfunk“ darüber berichtet.

Verkauf von Reisen gestoppt

Die Tochter mit den Marken Thomas Cook, Neckermann, Öger Tours, Air Marin und Bucher Reisen ist nicht insolvent „Wir tun alles in unser Macht Stehende, um den Fortbestand unseres Unternehmens zu sichern“, sagte Stefanie Berk, Vorsitzende der Geschäftsführung. Der Verkauf von neuen Reisen bleibt gestoppt.

Kunden können auch am 25. und 26. September ihre Reisen nicht antreten. Die Durchführung der Reise könne nicht garantiert werden. Nach Hause fliegen können Pauschalreisegäste den Angaben zufolge aktuell in der Regel wie geplant. Man sei mit den Fluggesellschaften im engen Austausch, sagte eine Sprecherin. Bereits am Montag und Dienstag konnten Kunden nicht zu ihrem Urlaubsziel starten.

Grüne wollen bessere Absicherung

Solange die Geschäftsführung prüft, ob sie einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen muss oder es noch Lösungen für Thomas Cook Deutschland gibt, hat sie besondere Pflichten. Die Geschäftsführung müsse das Vermögen der Gesellschaft zugunsten ihrer Gläubiger sichern. „Beispielsweise dürfen neue Verträge nur im Ausnahmefall geschlossen werden. Zahlungen für bereits erhaltene Leistungen dürfen grundsätzlich nicht mehr geleistet werden“, erläuterte das Unternehmen.

Die Grünen pochen auf eine bessere Absicherung für Reisende. „Es hat sich gezeigt, dass die Absicherungssumme lange nicht ausreicht“, sagte Fraktionschef Anton Hofreiter in Berlin. Er verwies auf den Antrag seiner Fraktion, über den der Bundestag an diesem Donnerstag abstimmt. Die Grünen fordern darin die Bundesregierung auf, den jährlichen Höchstbetrag, mit dem Versicherer im Falle von Insolvenzen haften, auf mindestens 300 Millionen Euro zu erhöhen und gegebenenfalls andere Instrumente wie einen Absicherungsfonds zu prüfen.