Sogenanntes „stummes Betteln“ ist grundsätzlich erlaubt – aggressives Betteln jedoch nicht. Foto: dpa

Das Vorgehen von Bettlern wird immer aggressiver. Deshalb gehen viele Städte im Südwesten jetzt verstärkt dagegen vor.

Stuttgart - In vielen Städten im Südwesten wächst die Zahl der Bettler auf den Straßen. Meist handelt es sich nicht um einzelne Menschen, sondern um gut organisierte Banden, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Deren Mitglieder kommen demnach oft aus osteuropäischen Ländern, und ihr Vorgehen wird aggressiver.

Das ist auch ein Grund dafür, dass Anwohner und Ladeninhaber sich häufiger beschweren. Die Polizei reagiert mit deutlich mehr Streifen und Kontrollen in den Innenstädten. Es ist verboten, Passanten direkt anzusprechen, sich ihnen in den Weg zu stellen oder Bilder von vermeintlich kranken Angehörigen zu zeigen. Auch Kinder oder Tiere dürfen nicht eingesetzt werden, um zusätzlich Mitleid zu erregen. Im Gegensatz dazu ist das „stumme Betteln“ grundsätzlich erlaubt.

Stuttgart:

Stuttgart geht seit Mai mit Sonderstreifen gegen aggressives Betteln vor. Vier zusätzliche Mitarbeiter des Städtischen Vollzugsdienstes sind im Einsatz. Vor allem der Schlossgarten neben dem Hauptbahnhof und die zentral gelegene Königstraße waren zuvor stark betroffen. Es gibt zwar keine offizielle Statistik, allerdings wurden nach Angaben der Stadt schon mehr als hundert Platzverweise für jeweils 24 Stunden erteilt. Bei Stadt und Polizei werde die Aktion als Erfolg gewertet, sagte ein Sprecher. Das Betteln in der Innenstadt ist seit Beginn der Aktion spürbar zurückgegangen.

Karlsruhe:

In Karlsruhe steigt die Zahl der Bettelnden nach Angaben des Ordnungs- und Bürgeramtes schon seit Jahren. Im Bereich der Innenstadt (Kaiserstraße) sitzen durchschnittlich sechs bis acht, an manchen Tagen auch 15 und mehr Personen. Der Kommunale Ordnungsdienst sei jeden Tag präsent und kontrolliere auch die Bettelnden. Durch die verstärkten Kontrollen würden allerdings auch die organisierten Bettelbanden sensibilisiert. Diese verhielten sich dann unauffällig oder warnten sich gegenseitig.

Freiburg:

In Freiburg gibt es zusätzliche Kontrollen, außerdem wird versucht, die Hintermänner zu ermitteln. Die Behörden reagieren damit nach eigener Aussage auf zahlreiche Beschwerden von Bürgern und Einzelhändlern: „Die Menschen fühlen sich belästigt und bedrängt.“ Vor allem in der Touristensaison und während des Weihnachtsmarktes komme es verstärkt zu illegalem Betteln. Die Stadt ruft dazu auf, den Bettlern kein Geld zu geben, da es meist in dunkle Kanäle und nicht, wie angegeben, in soziale Zwecke fließe.

Konstanz:

Konstanz geht davon aus, dass die Anzahl der auswärtigen Bettler zugenommen hat. Allein bis Juli 2016 seien 141 Ordnungswidrigkeiten verfolgt worden, wie eine Sprecherin der Stadt mitteilte. Im gesamten Vorjahr seien es 212 Fälle gewesen, 2014 waren es 117. Die Polizei in Konstanz stellt außerdem Strafanzeigen, wenn beim Betteln eine körperliche Behinderung vorgetäuscht wird.

Mannheim:

In Mannheim erklärte der Fachbereichsleiter für Sicherheit und Ordnung der Stadt, Klaus Eberle, dass viele Bettler nicht an festen Plätzen säßen. Stattdessen seien sie mit dem Strom der Passanten unterwegs. Organisiertes und aufdringliches Betteln sei vor allem in der Innenstadt und in nahegelegenen Stadtteilen ein Problem. „Einzelhändler und Gastronomen rund um den Hauptbahnhof beschwerten sich, ebenso Bürger und Gewerbetreibende, über Zustände in den Fußgängerzonen der Innenstadt“, sagte Eberle. Stadt und Polizei gehen mit gezielten Aktionen wie beispielsweise der Räumung von Bettenlagern gegen Bettler vor.

Heidelberg:

Auch Heidelberg und Ulm haben mit einem Anstieg zu kämpfen. Allein in Ulm hat es in den ersten sechs Monaten dieses Jahres bereits 150 Platzverweise gegen Bettler gegeben. „Der Bevölkerung kann man nur raten, bei einer offensiven Form des Bettelns nichts zu geben. Das kommt in der Regel nicht bei den Menschen an, die es wirklich bräuchten“, sagte ein Sprecher der Stadt Heidelberg.

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