Hilfe, es schreit! Ein stadtweites Konzept hilft gestressten Müttern. Foto: dpa

Erstmals erhalten werdende Eltern in allen fünf Stuttgarter Geburtskliniken umfassende Beratung für den Umgang mit dem neuen, kleinen Erdenbürger. Das niederschwellige Angebot richtet sich an alle Familien und bietet auch dann Hilfe, wenn Mutter und Kind daheim sind.

Stuttgart - Was tun, wenn das Neugeborene dauernd schreit? Oder nicht trinken will? Und wie geht das überhaupt, Eltern zu sein? Wer hilft, wenn die Großeltern weit weg sind? Solche Fragen haben viele Eltern von Säuglingen. Seit November haben junge Mütter erstmals an allen fünf Geburtskliniken in Stuttgart die Möglichkeit, sich umfassend Rat zu holen – nicht nur für die Zeit im Wochenbett, sondern auch einen Beratungskontakt für die Zeit danach, wenn sie mit dem neuen Erdenbürger allein daheim sind – und oft genug ganz auf sich gestellt.

Am Mittwoch hat die Jugend- und Bildungsbürgermeisterin Isabel Fezer der Presse das erweiterte Präventionsangebot vorgestellt. Es gründet auf den guten Erfahrungen mit dem stadtweiten Konzept zu frühen Hilfen und dem ergänzenden Projekt „Sonnenkinder“, bei dem Caritas-Mitarbeiterinnen sich um Wöchnerinnen im Marienhospital und in der St. Anna-Klinik gekümmert und manche von ihnen auch später daheim noch unterstützt haben.

Erstmals können alle Stuttgarter Gebärenden von dem Angebot profitieren

Dieses Angebot, das es seit 2010 gibt, wurd stark nachgefragt. 17,3 Prozent der Mütter in den beiden Kliniken nutzten dort das Beratungsangebot einer Sozialpädagogin. 7,7 Prozent der Mamas nahmen auch die Familienunterstützung daheim in Anspruch. Allerdings war „Sonnenkinder“ nur projektfinanziert und stand auch schon auf der Kippe. Dank Gemeinderatsbeschluss gibt es nun nicht nur eine Regelfinanzierung, sondern jetzt können alle jungen Mütter von dem Angebot profitieren – sofern sie in Stuttgart wohnen. Denn jetzt sind neben dem Marienhospital und der St. Anna-Klinik auch die Frauenklinik, das Robert-Bosch-Krankenhaus und das Charlottenhaus beteiligt.

Inge Himmel vom Caritasverband berichtete, wie das Angebot im Marienhospital aussieht, wo eine Sozialpädagogin zu festen Zeiten da sei: „Wir gehen durch die Zimmer, stellen uns vor und bieten allen Frauen unsere Beratung an.“ Und die könne sehr vielfältig sein. So sei beispielsweise eine Frau aus Rumänien früher als erwartet niedergekommen. Der Vater meldete sich nicht, und nun sei sie dagestanden mit ihrem Neugeborenen, ohne Deutschkenntnisse, ohne Aufenthaltsstatus. Also habe man die Frau an eine Beratungsstelle weitergeleitet. 72 Prozent der Mütter hätten allerdings Fragen zur gesunden Entwicklung des Säuglings gehabt.

Auf 2,2 Stellen teilen sich nun Sozialpädagoginnen von Caritas und Jugendamt die Beratung an den fünf Geburtskliniken auf. Sechs Stellen hat der Gemeinderat für die aufsuchende Arbeit von Sozialpädagoginnen, Familienhebammen und Familienkinderkrankenschwestern bewilligt. Je drei Stellen besetzen die Evangelische Gesellschaft und die Caritas, die sich das Stadtgebiet mit regionalen Zuständigkeiten teilen.

Geburtskliniken und Beratungsträger sind froh über die Ausweitung der Hilfen

Alle Beteiligten sind froh über die Ausweitung des Angebots. „Wir sind gespannt, ob wir überrannt werden“, sagt Inge Himmel von der Caritas. Jürgen Gerstetter, Pflegedienstleiter im Marienhospital, ergänzt: „Wir haben sehr vom Austausch mit der Jugendhilfe profitiert – wir sind sensibler durch diese Erfahrungen“. Oliver Hommel, Pflegedienstleiter der Frauenklinik, sagt: „Das ist für uns eine sehr große Unterstützung. Wir sehen diesen Bedarf schon lange – endlich haben die Frauen eine Person als Ansprechpartnerin.“

Klaus Meier von der Evangelischen Gesellschaft betont: „Es ist ein freiwilliges Angebot. Die Mütter müssen das nicht annehmen.“ Er finde es „wichtig, dass die Familien auch im Stadtteil aufgehoben sind – wir kennen die Stadtteile“.

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