Im Foto: Achim Zweygarth

Am Marienhospital helfen die Mitarbeiter des Projekts Sonnenkinder frisch gebackenen Eltern bei den ersten Schritten ins Glück. Doch nun dreht die Veronika-Stiftung der Diözese Rottenburg-Stuttgart nach zwei Jahren den Geldhahn zu.

S-Süd - Eine junge Mutter erzählt in einem Film über das Projekt Sonnenkinder, dass sie gar nicht wusste, dass sie mit ihrem wenige Wochen alten Sohn sprechen kann. „Er kann ja nicht antworten“, dachte sich die junge Frau zunächst. Genau für solche Mütter sind die Mitarbeiter des Projekts Sonnenkinder am Marienhospital im Süden und an der St. Anna-Klinik in Bad Cannstatt da. Das Projekt war zunächst auf zwei Jahre angelegt. Jetzt hoffen die Projektträger, dass die Stadt sich stärker an der Finanzierung beteiligt, damit die Mitarbeiter von Sonnenkinder weitermachen können.

Nach einem guten Jahr ist die Bilanz der Verantwortlichen positiv. Die acht Mitarbeiter von Sonnenkinder leisten Präventionsarbeit, sie helfen, bevor das Kind sprichwörtlich in den Brunnen gefallen ist. Unmittelbar nach der Geburt der Kinder nehmen die Hebammen, Kinderkrankenschwestern und Pädagogen Kontakt mit den Eltern auf. Sie erreichen 90 Prozent der Mütter, die ihre Kinder in einer der beiden Kliniken zur Welt bringen. Jährlich werden in den beiden Kliniken 1800 Kinder geboren, das sind 38 Prozent der Familien mit einem Neugeborenen in Stuttgart.

Mehr als 160 Familien vornehmlich aus dem Süden betreut

Bisher hat sich das Kooperationsprojekt von Caritas und den beiden Kliniken zur Hälfte über die Veronika Stiftung der Diözese Rottenburg Stuttgart finanziert. Die Stadt Stuttgart steuert 60 000 Euro jährlich bei, der Rest stammt aus Eigenmitteln der Träger. Die Stiftung konzentriert sich nach zwei Jahren auf andere Projekte, deshalb hoffen die Projektträger auf die Stadt und verhandeln mit dem Jugendamt.

Seit dem Bestehen von Sonnenkinder bis zum April dieses Jahres hat das interdisziplinär besetzte Projektteam 163 Familien betreut. Bei den Familien im Marienhospital stammte der Großteil auch aus dem Süden. Für die Caritas ist das ein Vorteil, wie Armin Biermeier, der Bereichsleiter für die Jugend- und Familienhilfe der Caritas Stuttgart, dem Bezirksbeirat Süd bei der Vorstellung des Projekts erläuterte. Denn im Süden habe die Caritas viele Anlaufstellen, etwa das Elternseminar am Marienplatz, und könne so den Eltern direkt helfen. In anderen Stadtbezirken gelinge es den Mitarbeitern aber auch, die Familien mit den dortigen Hilfsangeboten zu vernetzten, betonte Biermann. „Wir verstehen uns in dieser Hinsicht als Schnittstelle“, sagte Inge Himmel, die das Projekt leitet.

Wenn die Finanzierung steht, hofft das Projektteam, ein Netzwerk aus Ehrenamtlichen aufbauen zu können, um noch mehr Eltern unterstützen zu können. „Mehr Familien als jetzt können wir eigentlich gar nicht betreuen“, sagte Biermann. Die Mitarbeiter des Projekts Sonnenkinder begleiten die Familien in der Regel im ersten Lebensjahr des Neugeborenen, doch oft ist der Unterstützungsbedarf auch darüber hinaus noch vorhanden. Die Bezirksbeiräte lobten das Projekt einstimmig als sinnvoll und zielführend, weil es eben ansetze, bevor etwas Schlimmes passiere.

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