Ein Jahr keine S-Bahn nach Filderstadt? Das wollen und können sich viele nicht vorstellen. Foto: Archiv Thomas Krämer

Seit die Streckenführung der Gäubahn auf den Fildern wieder neu diskutiert wird, fragt man sich in Filderstadt: Kommt man vielleicht doch noch um die einjährige Sperrung nach Bernhausen herum?

Filderstadt - Die Schocknachricht für Filderstädter S-Bahn-Passagiere wurde im Dezember 2018 bekannt. Wegen der Bauarbeiten für ein drittes Gleis am Flughafen im Zuge des Großprojekts Stuttgart 21 und der Gäubahnanbindung sei eine etwa einjährige Sperrung der Trasse zwischen Flughafen und Filderstadt-Bernhausen nötig. Eine Maßnahme, die für im Mittel rund 4500 Fahrgäste je Richtung an normalen Werktagen nach einer Riesenherausforderung klingt. Zumal die Fantasie fehlt, wie der angekündigte Ersatzverkehr mit Bussen zu bewerkstelligen sein soll.

Die Verwaltungsspitze und der Gemeinderat von Filderstadt wurden von der Nachricht Mitte Dezember 2018 überrascht, sie haben mehr oder weniger aus der Presse von den Sperrungsplänen erfahren. Die Proteste, die darauf folgten, waren entsprechend. Als „alternativlos“ bezeichnete der damalige Projektleiter bei der Bahn, Matthias Breidenstein, die Sperrung im Anfang 2019 gegenüber unserer Zeitung.

Nun, anderthalb Jahre später, sieht es plötzlich danach aus, als ob es möglicherweise doch eine Alternative gibt und damit ein Szenario, bei dem Filderstadt um die S-Bahn-Sperrung, die sich nach wie vor keiner vorstellen kann und will, herumkommen könnte. So jedenfalls hat der Oberbürgermeister Christoph Traub die jüngsten Entwicklungen in Sachen Gäubahn-Führung interpretiert.

Der Tunnel würde gleich mehrere Probleme auf einmal lösen

Im Zuge des geplanten Deutschland-Takts ist im Gespräch, dass die Gäubahnzüge künftig in einem Tunnel von der Rohrer Kurve an den Airport fahren könnten. Abgesehen davon, dass ein solcher Tunnel mit geschätzten Baukosten in der Größenordnung von 700 bis 800 Millionen Euro extrem teuer wäre, würde er doch einige Probleme auf den Fildern gleichzeitig lösen: S-Bahnen und Gäubahnen würden sich die Gleise nicht teilen und wären deshalb pünktlicher, die Anwohner der Bahntrasse in Leinfelden-Echterdingen müssten keinen zusätzlichen Lärm befürchten – und ein drittes Gleis am Flughafen wäre mutmaßlich nicht mehr nötig.

Christoph Traub sagt, er habe bisher nur in der Zeitung von den Überlegungen gelesen. Dass die Sperrung der S-Bahn-Trasse nach Bernhausen damit hinfällig werden könnte, habe er sich sofort zusammengereimt. „Ich bin froh, dass jetzt wieder Schwung in die Debatte kommt“, sagt er. „Und wie sagt man landläufig? Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Nun will man Antworten finden

Bisher sind es aber eben nicht mehr als Hoffnungen. Und um an „fundiertere Konkretisierungen“ zu kommen, wie Traub dazu sagt, habe er nun ans Bundesverkehrsministerium geschrieben. Um Recherche sei er auch von verschiedenen Stadträten gebeten worden. Die Grundfrage: Gibt es doch noch einen Weg, um die Sperrung herumzukommen? Darauf will Traub nun Antworten finden.

Die Antwort, die die Bahn unserer Zeitung gibt: Bevor nichts Neues entschieden ist, müsse die Bahn den vertraglich vereinbarten Weg weitergehen, so ein Sprecher. Und das heißt: Umbauten am Flughafen und die dafür notwendige S-Bahn-Sperrung. Aber: „Sollte der Bund entscheiden, dass der Vorschlag der Gutachter zum Deutschland-Takt für die Gäubahn realisiert wird und der Vertrag der Stuttgart 21-Projektpartner entsprechend geändert werde, wäre der Bauablauf am Flughafen völlig anders, als bisher geplant“, sagt der Bahn-Sprecher. „Die einjährige Sperrung der S-Bahn wäre dann nicht mehr notwendig.“ Doch solange es sich nur um Ideen handele, solange sei die Bahn an das vertraglich Vereinbarte gebunden.

Alles ist weiterhin möglich

Bis die Bahn am Flughafen mit den Umbauten beginnt, wird es mutmaßlich noch dauern. Der Beschluss für den Gäubahntunnel könnte fallen, lange bevor am Airport die Arbeiter anrücken. Heißt: Alles ist weiterhin möglich.

Die Reaktionen auf den Fildern auf die mögliche Veränderung bei der Gäubahn-Führung sind positiv. Die Stadt Leinfelden-Echterdingen hatte sich per schriftlicher Mitteilung zu Wort gemeldet. Der Tenor: wohlwollend. Denn in L.-E. braut sich bereits seit längerer Zeit Kritik zusammen. Ein Verkehrsgutachten hatte ergeben, dass der Mischverkehr auf den Gleisen nicht zukunftsfähig sei. Dem trage die neue Debatte nun Rechnung, hieß es seitens der Stadt. Bundestagsabgeordnete sowie Kreis- und Stadträte äußerten sich ebenfalls angetan.

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