Eine Ära geht zu Ende: Der VfL Gummerbach (mit Ivan Martinovic) steigt erstmals ab. Foto: Baumann

Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte. Nach dem dramatischen 25:25 zwischen Bietigheim und Gummersbach steigen beide Clubs aus der Handball-Bundesliga ab – und die Eulen Ludwigshafen bleiben drin.

Bietigheim - Wie verrückt kann Handball sein? So verrückt wie am Sonntag in der ausverkauften Bietigheimer Egetrans-Arena. Dort wird normalerweise Eishockey gespielt, doch dieses Mal hätte man auf dem Untergrund Spiegeleier braten können angesichts der nicht zu überbietenden Dramatik, die sich zum Saisonfinale der Bundesliga zwischen dem Aufsteiger SG BBM Bietigheim und dem Altmeister VfL Gummersbach abspielte. Beide Teams trafen im direkten Duell um den Klassenverbleib aufeinander, 25:25 (14:13) stand es nach packenden 60 Minuten – doch keiner jubelte. Klar war, der SG reichte dieser eine Punkt nicht, es ging zurück in die zweite Liga. Aber was passierte mit dem VfL Gummerbach? Gute Frage, auch die 500 mitgereisten Fans waren im Ungewissen. Alles hing nun von der noch laufenden Partie der ebenfalls bedrohten Eulen Ludwigshafen ab, die gegen GWD Minden spielten. 30:30 stand es da kurz vor Schluss, das hätte Gummersbach gereicht. Doch dann kam die Nachricht des Hallensprechers vom Sieg der Eulen – und das große Entsetzen beim Traditionsverein, der erstmals in der Bundesliga-Geschichte absteigen muss. Der Gummersbacher werden zum HSV im Fußball, eine Ära geht zu Ende. Entsprechend war die Stimmung bei den Ostwestfalen. Unter Tränen sagte Drago Vukovic bei „Sky“: „Wir haben es leider nicht geschafft. Wir haben den Abstieg nicht in Bietigheim verspielt, das haben wir in den Spielen davor schon getan. Meine Karriere mit einem Abstieg zu beenden, fühlt sich einfach total schlecht an. Ich bedanke mich bei Deutschland, bei den Fans und allen Handballern, für positive und negative Kritik.“ Welch emotionalen Worte.

„Mimi“ Kraus vergibt den Sieg

Natürlich war auch bei den Bietigheimern die Stimmung am Boden. Sie hatten bei einer Vier-Tor-Führung Mitte der zweiten Hälfte das rettende Ufer schon ganz dicht vor Augen „Der Knackpunkt war, dass wir nicht auf fünf Tore vorbeiziehen konnte“, sagt der sportliche Leiter Jochen Zürn. Plötzlich schlichen sich unerklärliche Fehler ein, die Gäste lagen in der 55. Minute auf einmal sogar mit 23:22 vorne. Und bei eigenem Ballbesitz vergab ausgerechnet der Routinier Michael „Mimi“ Kraus sieben Sekunden vor Schluss mit dem letzten Wurf den möglichen Sieg – und damit den Klassenverbleib. Doch einen Vorwurf konnte man dem Weltmeister von 2007 nicht machen, der trotz eines noch nicht auskurierten Muskelfaserrisses sich zumindest für ein paar Minuten in den Dienst der Mannschaft gestellt und auch drei Tore geworfen hatte. „Der Plan ging eigentlich auf“, sagte Kraus. Nur am Ende nicht. Das ist bitter für die Bietigheimer, die unter dem in der Winterpause verpflichteten Trainer Hannes Jon Jonsson akribisch auf dieses Abstiegs-Endspiel hingearbeitet hatten. Es sollte nicht sein. Aber Zürn versprach vor der Rekordkulisse von 4517 Zuschauern: „Wir kommen wieder.“ Soll heißen, zurück in die Bundesliga. Schon nächstes Jahr?

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