Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen erlebt schon wieder einen Rückschlag. Foto: dpa

Rechtsextreme Umtriebe in der Calwer Eliteeinheit KSK wären ein Desaster für Verteidigungsministerin von der Leyen – wenn der Vorwurf zutrifft. Nach den bisherigen Erkenntnissen sei da allerdings noch Vorsicht geboten, meint Matthias Schiermeyer.

Stuttgart - Nein, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ist wirklich nicht vom Glück verfolgt. Kaum hat sich die Aufregung über eine Affäre nur ein wenig gelegt, rollt der nächste mögliche Skandal an. Die neuen Vorwürfe, mehrere Soldaten des Kommandos Spezialkräfte hätten zu rechtsextremer Musik mitgegrölt und noch den Hitlergruß gezeigt, treffen die CDU-Politikerin zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt – ausgerechnet an einem Tag, an dem sie beginnt, den Umgang der Bundeswehr mit ihrer Historie neu zu ordnen.

Neuer Traditionserlass ist kein Selbstgänger

Von der Leyen will wieder in die Offensive kommen, zumal auf einem schwierigen Terrain: Die geplante Modernisierung des Traditionserlasses ist für sie kein Selbstgänger. Nach wie vor gibt es in der Truppe und ihrem Umfeld eine Verbundenheit zum Vermächtnis der Wehrmacht – die Neubenennung von Kasernen mit unbelasteten Namen erweist sich als Minenfeld. Den erforderlichen Mut zu einem klarem Schnitt an der Stelle hat die Ministerin derzeit offenkundig nicht.

Teils überzogene Aufregung wegen Pfullendorf

Ausgerechnet jetzt also folgt der nächste schwere Rückschlag: Gäbe es tatsächlich rechtsradikale Umtriebe in der Eliteeinheit KSK, wäre dies für von der Leyen ein Desaster. Jedoch sei nach den Vorgängen von Pfullendorf, die eine teils überzogene Aufregung wegen vermeintlicher sexueller Misshandlungen, Aufnahmerituale und gespielten Geiselnahmen produziert haben, zur Vorsicht geraten: Solange derartige Vorwürfe nicht bewiesen sind, sollte man sich mit „Skandal“-Rufen zurückhalten. Die Ministerin selbst hat damit jüngst leidvolle Erfahrungen gemacht, als sie der Truppe vorschnell ein Haltungsproblem, Führungsschwäche und falsch verstandenen Korpsgeist vorwarf – womit sie in der Truppe so viel Vertrauen verspielt hat, dass eine weitere Amtszeit derzeit kaum möglich erscheint.

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