Borgward setzt nach dem Neustart auf Geländewagen Foto: dpa

Borgward will mit der Fertigung in Bremen nach eigenen Angaben eine Brücke von der Vergangenheit in die Zukunft schlagen. Doch bei genauer Betrachtung hat der junge Autobauer kaum Gemeinsamkeiten mit der legendären Kultmarke, meint Harry Pretzlaff.

Stuttgart - Bremen hat im Wettbewerb um den Standort für die deutsche Fabrik der wiederbelebten Marke Borgward das Rennen gemacht. Den Ausschlag für das norddeutsche Bundesland dürften indes nicht die Kosten, die gute Anbindung an den Überseehafen oder gut ausgebildete Fachkräfte gegeben haben. Vielmehr dürfte diese Entscheidung vor allem darauf zurückzuführen sein, dass dieser Standort eine herrliche Marketingstory ermöglicht: Borgward kehrt nach Bremen zurück, dem Ort, an dem die Automarke in den Wirtschaftswunderjahren einen legendären Aufstieg schaffte. „Wir schreiben die Geschichte von Borgward weiter, schlagen eine Brücke von der Vergangenheit in die Zukunft“, schwärmt Unternehmenschef Ulrich Walker.

Bei genauer Betrachtung ist diese Brücke aus der Vergangenheit in die Zukunft jedoch recht wacklig. Denn der junge Autohersteller hat fast keine Gemeinsamkeiten mit der früheren Bremer Kultmarke. Hinter Borgward steht als Investor der chinesische Lastwagenbauer Foton, produziert werden die Autos bisher nur in einer Fabrik bei Peking. Und auch die Geländewagen, die Borgward auf den Markt bringt, haben keine Ähnlichkeit mit den Modellen, mit denen die Marke einst berühmt wurde. Gemeinsam ist lediglich die Raute als Markenzeichen.

Man könnte somit den Eindruck gewinnen, dass die Fabrik in Bremen in erster Linie den chinesischen Ursprung der Wagen kaschieren soll. Autos aus dem roten Riesenreich haben hierzulande keinen guten Ruf. Bisher sind Versuche von Marken wie Landwind oder Brilliance gescheitert, deutschen Konsumenten Wagen aus China schmackhaft zu machen, auch weil sie den hohen Qualitätsansprüchen hierzulande nicht genügten. Mit der Fertigung in Bremen kann Borgward das Gütesiegel „Made in Germany“ beanspruchen, obwohl der geplante Montagestandort, der mit sehr überschaubaren Investitionen geschaffen wird, alles andere als eine vollwertige Fabrik mit hoher Wertschöpfung ist.

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