Intensive Überwachung: die neue Notaufnahme in Ludwigsburg Foto: factum/Granville

In der kommenden Woche beginnt die Arbeit in der neuen, größeren Notaufnahme des Klinikums Ludwigsburg. Der Platz wird dringend gebraucht: Die Patientenzahlen steigen stark an.

Ludwigsburg - Als die ersten Ideen für eine neue Notaufnahme am Ludwigsburger Klinikum entstanden, ging es dort vergleichsweise gemütlich zu. Rund 40 000 Fälle mussten die Schwestern, Pfleger und Ärzte im Jahr 2007 versorgen – was sie damals sicher nicht als gemütlich empfanden. Doch im Vergleich zu heute war es das. Inzwischen kommen rund 55 000 Menschen pro Jahr in der Erlachhofstraße an, eine Steigerung um fast ein Drittel in nicht einmal zehn Jahren. In absehbarer Zeit rechnen die Notfall-Mediziner sogar mit 60 000 Patienten pro Jahr.

Sie alle werden von der kommenden Woche an in neuen Räumen empfangen. Drei Jahre lang wurde der Gebäudeteil umgebaut, rund 20 Millionen Euro seien investiert worden, sagte der Regionaldirektor der Klinikenholding, Matthias Ziegler, bei der Eröffnung am Dienstag. Investiert wurde vor allem in mehr Raum, bemängelten Personal wie Patienten in der Vergangenheit doch die enorme Enge in dem Gebäudetrakt. Statt wie bislang 16 Behandlungsplätze gibt es nun bis zu 43, mehr als 1000 Quadratmeter an Fläche stehen künftig zur Verfügung. Wer in der Lage ist, selbst zum Krankenhaus zu kommen, betritt die Notaufnahme über einen Eingang in der Erlachhofstraße, auch die Krankenwagen fahren dort mit den liegenden Patienten vor. Mittels Aufzug geht es für die Notfälle nach unten, die der Rettungshubschrauber nach Ludwigsburg bringt: Er landet direkt über der neuen Notfallstation.

Rund 20 Millionen Euro investiert die Kliniken-Holding

Neu ist nicht nur der Rahmen, auch die Abläufe in der Notaufnahme wurden kräftig verändert. Künftig werden alle Patienten nach einem sogenannten Triagesystem bewertet. Konkret bedeutet das: Mediziner und Pfleger weisen je nach erster Diagnose eine Farbe zu. Rot steht für die höchste Dringlichkeit, hier sollte der Patient unmittelbar behandelt werden, erklärt Oliver Hautmann, der zuständige ärztliche Direktor für Notfallmedizin. Gelb heißt, dass die Leute spätestens nach 15 Minuten ärztlich versorgt werden, während Grün vor allem für Patienten verwendet wird, die nicht unmittelbare Notfälle sind. Eine Trennung, etwa zwischen Chirurgie und Innerer Medizin, gibt es in der Notstation nicht mehr. „Wir wollen eine zentrale Lösung“, sagt Oliver Hautmann. Chirurgen, Neurologen und Experten für innere Medizin begutachten die Patienten, die ankommen, gemeinsam und teilen dann in die Kategorien ein.

Vor allem die letzte Kategorie, der „grüne“ Patient, macht den Notfallmedizinern immer mehr zu schaffen. „Das ist zu einem Problem geworden“, sagt Hautmann, „der Ansturm war zeitweise kaum zu bewältigen“ meint Markus Arand, der Chef der Klinik für Unfallchirurgie. Das Phänomen hat viele Gründe: Mittlerweile würden auch Patienten mit einem Schnupfen oder einer Grippe ins Krankenhaus gehen, erklärt Hautmann, andere würden nicht mehr warten wollen, bis sie einen Termin bei einem Spezialisten bekämen, sondern lieber gleich ins Krankenhaus fahren. Dort müssen sie behandelt werden.

Hinzu kommt: es gibt immer weniger niedergelassene Mediziner. Auch das generelle Bevölkerungswachstum in der Region treibt die Fallzahlen in den Notaufnahmen nach oben, nicht nur in Ludwigsburg.

Viele Notfälle sind gar keine

Die Kliniken bringt das nicht nur an den Rand ihrer Kapazitäten, es wird auch zur finanziellen Belastung. Sie warten auch für Patienten, die nur geringfügig erkrankt sind, mit großem medizinischem Equipment auf, bekommen aber wenig Geld. Die Kosten pro Patient lägen im Schnitt bei etwa 130 Euro, die Einnahmen nur bei 30 bis 35 Euro, sagt Annette Baumer von der Krankenhausgesellschaft im Land.

In der neuen Ludwigsburger Notaufnahme werden die minder schweren Fälle daher seit April separiert und in eigenen Räumen behandelt, dem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ). Dort versehen niedergelassene Ärzte aus dem Landkreis Dienst – genau wie in der hausärztlichen Notfallpraxis. Die liegt genau gegenüber der neuen Notaufnahme.


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