Georg Belge hat vor kurzem die Leitung der Stuttgarter Feuerwehr übernommen – und in den nächsten Monaten und Jahren einiges zu tun. Foto: Leif Piechowski/Leif Piechowski

Die Stuttgarter Feuerwehr braucht in den nächsten zehn Jahren rund 300 Millionen Euro, um ihre Gebäude auf den neusten Stand zu bringen. Die Planungen laufen, die nächsten Schritte stehen bereits in wenigen Monaten an.

Stuttgart - Der Stuttgarter Feuerwehr steht der wohl größte Umbruch ihrer Geschichte bevor. Alle fünf Wachen der Berufsfeuerwehr, aber auch viele Standorte der freiwilligen Kollegen sind so marode, dass Neubauten oder umfassende Sanierungen notwendig sind. „All dies sollte in den nächsten zehn Jahren durch sein. Wir müssen mit fortlaufenden Modernisierungen jetzt die Grundlagen für die Zukunft schaffen“, sagt der neue Feuerwehrchef Georg Belge.

Nach Schätzungen könnte all dies rund 300 Millionen Euro kosten. Nicht enthalten sind darin die 50 Millionen, die der Neubau der Filderwache in Möhringen beansprucht. Immerhin: Dieses Projekt ist bei der Berufsfeuerwehr mit Abstand am weitesten. Die Arbeiten laufen, Belge rechnet mit einer Inbetriebnahme im Sommer 2021. Dann ist zumindest eine Baustelle vom Tisch.

Für alle anderen gilt das nicht. „Die Politik hat erkannt, dass etwas passieren muss. Die Verwaltung und der Gemeinderat haben beschlossen, unsere Liegenschaften unter die Lupe zu nehmen“, freut sich Belge. 550 000 Euro stehen dafür 2020 und 2021 zur Verfügung. Damit sollen diverse Planungen vertieft werden. Das gilt besonders für den geplanten Neubau der Wache im Süden. Hier soll es im ersten Halbjahr weitere Beschlüsse des Gemeinderats geben. Zudem geht es um die Generalsanierung der Wache im Westen und einen Ersatz für die denkmalgeschützte Wache in Feuerbach.

Stühlerücken in Bad Cannstatt

Der größte Umbruch steht aber wohl in Bad Cannstatt bevor. Und der beginnt bereits demnächst. Allerdings nicht so, wie man sich das bei der Feuerwehr ursprünglich vorgestellt hatte. Weil das benachbarte Gebäude der Integrierten Leitstelle eine Modernisierung braucht, wollte man für fünf bis acht Jahre Container im Hof aufstellen, in denen genug Platz für Ausweicharbeitsplätze ist. Doch diese große Lösung wird nicht kommen. Stattdessen wird nur die neue Tunnelüberwachungszentrale der Stadt vorübergehend in kleineren Containern untergebracht.

Alle anderen Mitarbeiter, die aus der Leitstelle ausziehen müssen, sollen im Bestandsgebäude der Feuerwehr unterkommen. Dort wird es aber zu eng. „Wir brauchen Platz. Mehrere Abteilungen werden deshalb in ein angemietetes Gebäude der Stadt in der Nauheimer Straße ziehen müssen“, sagt Belge. Das müsse bald beginnen – vermutlich schon im Frühsommer. Ideal ist das nicht, denn kurze Wege für die Einsatzkräfte sind dann Geschichte.

Auf Dauer hoffen die Beteiligten auf eine große Lösung in Bad Cannstatt – eine Neuordnung des gesamten Areals. „Man behilft sich seit Jahren irgendwie“, sagt Belge. Man müsse aber bedenken, dass es sich um Gebäude handle, die nie ruhen: „Sie sind rund um die Uhr in Betrieb.“

Geschlechtertrennung als Herausforderung

Auch bei der Freiwilligen Feuerwehr herrscht großer Bedarf. Allein etwa zehn Wachen brauchen einen Neubau. In Münster ist das am konkretesten, dort hat man inzwischen ein Grundstück gefunden. In Rohracker und Vaihingen sind Renovierungsarbeiten geplant. Um was für grundlegende Dinge es bei den Maßnahmen oft geht, veranschaulicht Belge an zwei Beispielen. „Mancherorts gibt es nicht einmal eine Trennung zwischen Fahrzeughalle und Umkleiden.“ Und viele alte Gebäude, auch bei der Berufsfeuerwehr, seien nicht darauf ausgerichtet, dass immer mehr Frauen bei der Feuerwehr aktiv sind. „Wir müssen eine Geschlechtertrennung umsetzen. Daran hat man bei vielen Wachen früher nicht gedacht“, so der Feuerwehrchef.

Und er erwähnt noch einen weiteren Punkt, auf den man selbst aber nur wenig Einfluss hat: „Die Leute bei der Freiwilligen Feuerwehr sollten auch noch im jeweiligen Stadtbezirk wohnen können.“ Angesichts der Wohnsituation in Stuttgart ist das längst nicht mehr selbstverständlich. Bei der Berufsfeuerwehr pendelt bereits mehr als die Hälfte der Mitarbeiter von außerhalb in die Stadt – teils aus familiären, teils aus Kostengründen. Manche kommen jeden Tag aus Karlsruhe, Freudenstadt und Balingen.

Neue Uniformen für Einsatzkräfte

Immerhin: Bei den Gesprächen vor den Etatberatungen des Gemeinderats ist es der Feuerwehrführung, dem Stadtverband und der Personalvertretung gelungen, Verbesserungen zu erreichen. So sind die Mittel zur Förderung des Ehrenamts aufgestockt worden. Außerdem gibt es ein Millionenprogramm, um die Einsatzkräfte mit neuen Uniformen und neuer Ausrüstung auszustatten. Und für die Berufsfeuerwehr sind etwa zehn zusätzliche Stellen abgefallen.

Wenn die Feuerwehr jetzt noch genug Platz hätte, wäre sie bestens aufgestellt. Die nächsten Jahre werden also turbulent.

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