David Meyer ist Busfahrer bei der SSB. Ab und an steuert er das Sammeltaxi SSB Flex. Foto: Tilman Baur

Mit dem Service SSB Flex sollten schlecht an Bus und Bahn angebundene Gebiete versorgt werden. Das Bild, das sich in Stuttgart-Degerloch nach einem Jahr Probelauf zeigt, ist sehr durchwachsen. Deshalb hat die SSB nun eine Entscheidung getroffen.

Degerloch - Bushaltestelle Löffelstraße, Montagmorgen, 9 Uhr. Hier halten die Fahrzeuge des Fahrdienstes SSB Flex an, um Kunden abzuliefern oder aufzugabeln. An diesem Morgen ist minutenlang keiner in Sicht. Irgendwann fährt dann eine gelb-weiße V-Klasse gemächlich die Löffelstraße entlang, biegt in die Albstraße ab und stellt sich auf den Busparkplatz. Erst mal eine ausgedehnte Pause – das sei vormittags ganz normal, sagt David Meyer.

Der 28-Jährige fährt Bus bei der SSB, und wie seine Kollegen übernimmt er ab und an auch im rotierenden System Touren für SSB Flex. Zwischen 9 und 12 Uhr komme es durchaus vor, dass man auch mal eine Stunde herumstehe und auf Kunden warte. Erst wenn es auf den Feierabend zugehe, würden sich die Anfragen spürbar mehren, so der junge Mann.

Mit dem Sammeltaxi versucht die SSB etwas Neues: weiße Flecken auf der ÖPNV-Landkarte zu erschließen. Als Haupteinsatzgebiet ist Degerloch und der Osten Bad Cannstatts ausgesucht worden. Der Ansturm halte sich ein Jahr nach Einführung in Degerloch aber in Grenzen. Jeder der vier Fahrer, die tagsüber unterwegs sind, hätte im Durchschnitt drei Kunden, so Meyer. Umgerechnet heißt das, dass nur ein Dutzend Kunden den Service tagsüber in Degerloch in Anspruch nehmen – ein spärliches Ergebnis. Vielleicht sei Degerloch doch schon zu gut an Bus und Bahn angebunden, wähnt der Fahrer.

Es gibt eine Tageszeit, wo das Taxi oft benutzt wird

Eine weitere Hürde könnte die Technik sein. Denn Kunden müssen die Shuttles per App anfordern. Damit hätten ältere Menschen ihre Schwierigkeiten, hat David Meyer beobachtet. „Viele wollen einfach einsteigen und bezahlen, so wie im Taxi.“ Andererseits gebe es bereits echte Stammkunden: „Ein älterer Herr lässt sich so gut wie jeden Tag von der Reutlinger Straße zum Albplatz fahren, geht einkaufen und lässt sich mittags wieder heimfahren“, sagt Meyer, „für ihn ist das geschickter, als mit dem Bus zu fahren“.

Der Plan der SSB geht also immerhin teils auf: Denn gerade das schlecht an den öffentlichen Nahverkehr angebundene Gebiet rund um die Reutlinger Straße hatten die Macher des Fahrdiensts im Auge. Eine ältere Dame lasse sich von der Karl-Pfaff-Straße aus regelmäßig Richtung Ortskern fahren, sagt David Meyer.

Besonders hoher Betrieb herrsche abends. Denn von Donnerstag bis Samstag fahren die Shuttles auch in der Innenstadt, und zwar von 21 bis 2 Uhr. Zehn Shuttles sind im gesamten Flex-Gebiet unterwegs. „Abends lassen sich viele Leute von der Stadtmitte nach Degerloch fahren. Vor allem zwischen 0 und 2 Uhr, wenn die U-Bahnen in größeren zeitlichen Abständen fahren“, so Meyer. Andere ließen sich gleich von Degerloch durch die ganze Stadt bis nach Bad Cannstatt chauffieren.

Positive Bilanz trotz der Flaute

Erkenntnisse der SSB bestätigen den subjektiven Eindruck David Meyers: „Weniger als zehn Prozent der gebuchten Fahrten erfolgten tagsüber in den Bediengebieten Degerloch und Bad Cannstatt. Deutlich besser war demnach die Nachfrage in den Abend- und Nachtstunden in der Innenstadt“, schreibt der Verkehrsbetrieb in einer Pressemitteilung.

Die Konsequenz: Ab August streicht die SSB den Service tagsüber komplett, dehnt ihn dafür abends auf das gesamte Stadtgebiet aus. Künftig verkehren die Shuttles sonntags bis donnerstags von 18 bis 2 Uhr, freitags und samstags gar von 18 bis 4 Uhr.

Trotz der Flaute tagsüber zieht die SSB eine positive Bilanz: „Der Betrieb ist stabil, die Kosten werden als angemessen wahrgenommen, das Angebot wird vor allem von digital affinen Fahrgästen geschätzt.“ Bis April hätten sich 23 000 Nutzer registriert, 700 kämen monatlich neu hinzu. Bislang gab es rund 10 000 Fahrten.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: