Hendrik Meier, 28, ist Deutschlands erster Nachtbürgermeister. Foto: dpa

Mannheim ist die erste deutsche Stadt mit Nachtbürgermeister. Im Herbst sollen 300 Gäste zusammen kommen, um über das Nachtleben zu diskutieren. Auch in Stuttgart wird ein Nachtbürgermeister gefordert.

Stuttgart - Als erste deutsche Stadt mit einem Nachtbürgermeister wird Mannheim im Herbst zum Treffpunkt für die Akteure der Nachtkultur. „Damit wir nicht durch die ganze Welt reisen müssen, um unsere Idee zu platzieren, machen wir eine eigene Konferenz dazu“, sagte Deutschlands erster Nachtbürgermeister Hendrik Meier. Er war bereits im Ausland unterwegs, um das Mannheimer Konzept vorzustellen. Angesprochen sind Vertreter der Gastronomie, Stadtverwaltungen, Politiker sowie Kreative.

Bei der zweitägigen Konferenz, die am 21. Oktober beginnt, steht der Austausch über die Bedeutung der Nachtkultur und die weltweite Bewegung der Nachtbürgermeister auf der Tagesordnung. Die Teilnehmer sollen anhand von Checklisten herausfinden, welches der Modelle aus aller Welt für ihre Kommune am besten passt. Anders als in Mannheim gibt es etwa in Zürich ein vierköpfiges Gremium, den Nachtstadtrat, dessen Mitglieder unterschiedliche Aufgaben erfüllen. In der Quadratestadt werden rund 300 Gäste aus aller Welt erwartet. Die Veranstalter hoffen auch auf die Teilnahme der Nachtbürgermeisterin von New York, Ariel Palitz.

Streit um die Sperrstunde in Stuttgart

In Mannheim liegt die Aufgabe des Nachtbürgermeisters vor allem darin, das Miteinander von Nachtschwärmern, Anwohnern, Clubbetreibern, Kneipiers und der Stadtverwaltung zu verbessern. Denn das Nachtleben bringt nicht nur Spaß, sondern auch Konflikte mit sich. Lautstarkes Feiern in den 130 Clubs der 300 000-Einwohnerstadt kann Bürgern die Nachtruhe rauben; zersplitterte Flaschen auf dem Gehweg oder achtlos weggeworfener Müll sorgen für Unmut.

Auch in Stuttgart ist der Streit zwischen Anwohnern und Feiernden nicht neu. Das Thema hatte letzten Herbst erneut an Brisanz gewonnen, nachdem die Stadtverwaltung in dem Areal um die Eberhardstraße und den Josef-Hirn-Platz die umstrittene Sperrstunde wieder eingeführt hatte. Das hatte zur Folge, dass die Clubs Dilayla, White Noise und Bar Romantica um 5 Uhr hätten schließen müssen. Ein Gericht hat das Vorgehen der Verwaltung zwar vorläufig kassiert. Beigelegt ist der Streit damit noch lange nicht.

Lesen Sie hier: Zwölf Clubs, die Stuttgart bis heute vermisst

Alle Fraktionen wollen Nachtbürgermeister in Stuttgart

Mit der letzten Gemeinderatswahl Ende Mai sind die Chancen gestiegen, dass auch Stuttgart einen Nachtbürgermeister bekommt. Alle Fraktionen hatten sich den Wunsch nach einem Vermittler zwischen Nachtleben, Behörden und Anwohnern ins Wahlprogramm geschrieben. Auf den Weg gebracht hat die Idee eines Nachtbürgermeisters, der künftig in genau solchen Situationen vermitteln soll, das Klub Kollektiv Stuttgart. Der Verein war bei den Gemeinderatsfraktionen Klingeln putzen und hat das Amt eines Nachtbürgermeisters ins Spiel gebracht. Offenbar hat der Verein, in dem etwa 40 Institutionen des Stuttgarter Nachtlebens organisiert sind, Überzeugungsarbeit geleistet, dem Vorbild Mannheim zu folgen.

Mannheims Nachtbürgermeister heißt Hendrik Meier und ist 28 Jahre alt. Er hatte sich im Sommer 2018 gegen 40 Mitbewerber durchgesetzt. „Ich möchte die Nacht in ein besseres Licht rücken und ihren gesellschaftlichen Mehrwert verdeutlichen“, beschreibt Meier seine Ziele.

Lesen Sie hier: Stuttgarter Clubs sollen 80.000 Euro von der Stadt bekommen

Die Nacht und der Klimawandel

Meiers Job hat auch mit dem Klimawandel zu tun. Denn Probleme mit Lärm und Schmutz sind auch Folge der sogenannten Mediterranisierung: Fachleute meinen damit, dass sich das Leben der Menschen – auch wegen der wärmeren Temperaturen – wie in südlichen Ländern zunehmend nach draußen verlagert.

Kommunen sind an dem ganzen Thema nicht nur interessiert, um Konflikte zu schlichten. Denn letztlich geht es auch um Geld. Fachleute sprechen von der Nachtökonomie. Partygänger geben Geld aus für Drinks und Speisen, Busse oder Taxis. Ebenso wichtig ist ein attraktives Nachtleben auch als Standortfaktor.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: