Model aus Stuttgart-Sillenbuch Das zweite Leben nach einer schlimmen Kindheit

Von Caroline Holowiecki 

Heute hat Susann Rek vieles, was sich andere wünschen. Doch ihr Leben begann sehr traurig. Foto: Caroline Holowiecki
Heute hat Susann Rek vieles, was sich andere wünschen. Doch ihr Leben begann sehr traurig. Foto: Caroline Holowiecki

Vom ausgesetzten Heimkind zur erfolgreichen Unternehmerin: Das Model Susann Rek aus Stuttgart-Sillenbuch hat das geschafft. Heute will sie anderen Mut machen und erzählt offen, wie sie trotz trauriger Kindheitsjahre ihr Glück fand.

Sillenbuch - Susann Rek hat alles. Ein makelloses Gesicht, lange blonde Haare, eine schlanke Figur. Das Model hat zwei Kinder, einen Mann, mit dem sie bald den zehnten Hochzeitstag feiert. In der Garage stehen schicke Autos, vom Balkon in Sillenbuch genießt sie einen phänomenalen Blick über den alten Dorfkern und das Landschaftsschutzgebiet bis hinüber zum Neckartal. Ihre eigene Firma, über die sie Beautyprodukte vertreibt, läuft gut, zu ihren Kunden zählen Sportler, Schauspieler und andere Promis. Ja, man kann sagen: Susann Rek hat das, was viele begehren. Aber sie hat auch eine Vergangenheit, die trauriger kaum sein könnte.

Mit zweieinhalb Jahren wird sie gemeinsam mit den beiden älteren Schwestern vor einem Waisenhaus in Schwäbisch Gmünd ausgesetzt. Am Tag vor Heiligabend. Grausame Jahre liegen da hinter den Kindern. Jahre des Liebes- und Essensentzugs, der Verwahrlosung, Jahre, in denen sie an Betten und Stühlen gefesselt wurden, wenn die Eltern außer Haus waren. Die Torturen enden vor dem Canisius-Haus, einem Kinderheim, das Nonnen leiten. Die leiblichen Eltern klingeln, setzen sich wieder ins Auto und fahren ohne die Kleinen davon. Rückblickend eine glückliche Fügung. Ein Jahr leben die Geschwister behütet bei den Franziskanerinnen, dann meint es das Schicksal abermals gut. Sie finden eine liebevolle Pflegefamilie, in der bereits drei leibliche Kinder leben. „Meine Pflegeeltern hatten bewusst ein Pflegekind gewollt, wollten uns aber dann nicht auseinanderreißen.“ Im Gmünder Stadtteil Straßdorf nimmt Susann Reks Leben einen zweiten Anlauf. Familie, ein eigenes Pferd – „mein erster Freund“ –, gemeinsames Weihnachten, eine glückliche Kindheit auf dem Land.

Sie selbst fand sich nicht schön

Susann Rek ist heute 36 Jahre alt und sagt: „Mir geht es richtig gut.“ Wenn sie nicht gerade daheim in Sillenbuch ist, führt sie ein Jetset-Leben und reist als Pharmareferentin für ihr eigenes Kosmetikunternehmen umher. Sie ist stolz auf ihre Karriere, „ich habe mir das erarbeitet“, sagt sie. Mittlerweile spricht sie offen über ihre traurige Vergangenheit, „es ist wie ein Rucksack, der abfliegt“. Anderen will sie Mut machen. Ihre Botschaft: Nach der Dunkelheit kommt wieder Licht. Bis zu der Erkenntnis war es aber ein langer Weg.

In der Kindheit ist sie extrem zurückhaltend. „Ich habe mich nicht getraut zu reden.“ In der Schule tut sie sich schwer, schämt sich, ein Heimkind zu sein. Das Urvertrauen habe gefehlt, sagt sie, selbst, als sie neben der Ausbildung zur Zahnarzthelferin die ersten Modeljobs für Werbekampagnen von großen Firmen bekommt und 2005 einen Schönheitswettbewerb in der Heimatstadt gewinnt. „Ich fand mich nie schön. Ich habe nur gemerkt, dass ich wirke“, sagt sie rückblickend. Sie habe lernen müssen, sich selbst zu lieben.

Ihre biologischen Eltern sucht sie nicht

Heute liebt Susann Rek und wird geliebt. Die Kinder sind drei und sieben, und wenn sie von ihnen spricht, dann leuchten ihre braunen Augen. Ihren Mann, in den sie sich an einer Tankstelle verguckt hatte, bezeichnet sie als „Fels in der Brandung“. Pflegeeltern und -geschwister, Schwiegereltern, leibliche Schwestern – die Familie ist heute groß und innig. „Family first“, sagt Susann Rek. Durch die Nonnen hat sie zum Glauben gefunden. Nach ihren biologischen Eltern sucht sie nicht. Von der Mutter weiß sie nur, dass sie in den USA lebt.

Auch warum sie in ihren ersten Lebensjahren ohne Zuneigung aufwachsen musste, warum sie nicht gewollt wurde, hinterfragt sie nicht mehr, „es kann nur krankhaft gewesen sein“. Die Erinnerungen verblassen, eigene Kinderfotos besitzt sie nicht, vieles, was sie weiß, haben ihr die älteren Schwestern erzählt. Susann Rek lächelt und sagt dann:„Für mich ist es durch.“

Redaktion Sillenbuch

Ansprechpartnerinnen
Judith A. Sägesser und Julia Bosch
sillenbuch@stz.zgs.de

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