Pedelecs sollen in Zukunft verstärkt ihre Schatten auf die Esslinger Straßen werfen. Die Nutzer sollen an den erwartet langen Baustellenstaus vorbeifahren.. Foto: dpa/Uli Deck

Der Städtische Verkehrsbetrieb will wegen der drohenden Staus in den kommenden Jahren zunächst 50 hochwertige Räder jeweils für einen längeren Zeitraum an Berufspendler vermieten

Esslingen - Wir betreten damit Neuland. Es kann uns also passieren, dass es nicht funktioniert.“ Der für den Verkehr zuständige Esslinger Finanzbürgermeister Ingo Rust macht keinen Hehl aus dem Experimentcharakter des Projekts. In diesem Jahr wird der Städtische Verkehrsbetrieb Esslingen (SVE) zunächst 50 hochwertige Pedelecs anschaffen und diese für einen längeren Zeitraum – mindestens einen Monat, es dürfen aber auch sechs sein – über den SVE-Servicepoint an Privatpersonen vermieten. 2021 soll das Angebot verdoppelt werden.

Die jetzt vom Mobilitätsausschuss des Gemeinderats beschlossene Maßnahme hat einen konkreten Hintergrund. In den kommenden Jahren wird es im ohnehin staugeplagten Esslingen zahlreiche Baustellen geben. Zunächst kappt die notwendige Sanierung des historischen Kanals unter der Geiselbachstraße für 15 Monate die Verbindung in die nördlichen Stadtteile. Dann werden nach und nach die Neckarbrücken abgerissen und durch Neubauten ersetzt. Deshalb hat die Stadt im vergangenen Jahr eine Mobilitätsoffensive ins Leben gerufen, mit deren Hilfe Autofahrer dazu bewegt werden sollen, ihre Fahrzeuge zu Hause stehen zu lassen und auf Busse und S-Bahnen oder eben aufs Fahrrad umzusteigen.

Das Auto soll zuhause stehen bleiben

Die Hoffnung der Initiatoren ist es, dass sich die Nutzer der städtischen Pedelecs so sehr mit dem fahrbaren Untersatz anfreunden, dass sie sich im Anschluss an die Testphase selber ein Pedelec zulegen – und das Auto zuhause stehen lassen. Damit das geschieht, so erklärt der SVE-Werksleiter Johannes Müller, habe man sich entschieden, absolut hochwertige Pedelecs anzuschaffen, die allen Ansprüchen und Anforderungen der zukünftigen Radfahrer gerecht werden sollen.

Das sei angesichts der Esslinger Topografie mit der Tallage der Altstadt und der Hanglage zahlreicher Stadtteile dringend geboten. Schließlich sollten die Nutzer nicht nur vergleichsweise bequem den Berg hoch, sondern auch unfallfrei ins Tal hinunter kommen.

Teil des Mobilitätspakets

Der nun geplante Pedelec-Langfristverleih ist im umfangreichen Mobilitätsmaßnahmenprogramm der Stadt zwar nur der zweitkleinste Baustein – billiger ist nur noch die Anschaffung von zusätzlichen Fahrrad-Parkboxen an den Esslinger Bahnhöfen. Und Einstimmigkeit herrschte im Mobilitätsausschuss darüber, dass sich ein solches Projekt durchaus lohnen könne. Eine längere Diskussion entzündete sich aber vor allem am Preis, den die Stadt den Nutzern in Rechnung stellen will.

Denn das Vergnügen ist nicht billig. 99 Euro pro Monat soll die Ausleihgebühr betragen. Dazu kommt noch eine einmalige Verwaltungspauschale in Höhe von knapp 30 Euro. „Dafür bekommen die Radfahrer ein Rundum-Sorglos-Paket inklusive aller Versicherungen und Wartungsgebühren“, warb Ingo Rust für das Projekt. Die Stadt bezuschusse jedes Fahrrad jährlich mit 600 Euro. Mehr sei einfach nicht drin.

Zweifel am Preis

Die Stadträte äußerten erhebliche Zweifel, ob sich die 50 Pedelecs zu diesen Konditionen vermieten lassen. Für knapp das Doppelte dieses Preises könne man sich ja schon ein E-Auto mieten. Schließlich einigte sich das Gremium darauf, es doch zu versuchen und zunächst mit den ersten 50 Fahrrädern Erfahrungen zu sammeln. Diese Werte sollen Einfluss auf die angedachte Anschaffung der zweiten Ladung Pedelecs im kommenden Jahr haben.

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