Ein zweispuriger Ausbau der Bahntrasse ist teuer, auch weil die topografische Lage schwierig ist. Foto: Archiv (7aktuell.de//Karsten Schmalz)

Seit 2012 fährt die S-Bahn auf der Strecke Marbach-Backnang alle halbe Stunde. Ein 15-Minuten-Takt wäre zu teuer, stellt nun eine Studie fest. Die Gemeinden an der Bahnlinie sollen im Regionalplan nun hochgestuft werden – mit Folgen.

Stuttgart - In vier Schritten wird der 15-Minuten-Takt seit 2017 auf der S-Bahn ausgedehnt. Zuletzt, beim Fahrplanwechsel im Dezember 2019, kam die Zeit zwischen 12 und 15 Uhr dazu, nun verkehrt von 6 bis 10 Uhr und von 12 bis 20.30 Uhr auf jeder Linie alle Viertelstunde eine S-Bahn. Im Dezember 2020 soll dann die Lücke von 10 bis 12 Uhr geschlossen und der ganztägige 15-Minuten-Takt umgesetzt werden. Jedoch gilt er nicht auf allen Strecken – im Außenbereich fahren die S-Bahnen auf einigen Linien auch künftig zunächst nur alle halbe Stunde. Das gilt für die Abschnitte Plochingen–Kirchheim/Teck (S 1) und MarbachBacknang (S 4). Auf der S 60 dagegen soll der 15-Minuten-Takt von Renningen nach Böblingen ausgedehnt werden. Das ist das Ergebnis einer Studie des Verkehrswissenschaftlichen Instituts der Universität Stuttgart.

Vorfahrt für S-Bahn nach Nürtingen

Den Viertelstundentakt auf dem S-1-Außenast von Plochingen bis Kirchheim/Teck (beide Kreis Esslingen) halten die Gutachter momentan für nicht umsetzbar, da er „bei der Durchfahrt von Wendlingen an den innerörtlichen Bahnübergängen zu langen Schließzeiten“ führe. Sie empfehlen stattdessen eine Anbindung von Nürtingen ins S-Bahn-Netz im 30-Minuten-Takt. „Das ist eine sehr attraktive Alternative“, so der Verkehrswissenschaftler Stefan Tritschler. Allerdings wird die Trasse zunächst während der Interimsphase gebraucht, wenn die Neubaustrecke nach Ulm schon fertig ist (vermutlich 2022), am S-21-Bahnhof in Stuttgart aber bis mindestens Ende 2025 noch gebaut wird. „Es sollte darauf hingearbeitet werden, dass die Verlängerung der S 1 nach Nürtingen mit dem neuen Bahnknoten Stuttgart in Betrieb gehen kann“, so Tritschler.

Hohe Kosten, wenig Ertrag

Aktuell nicht weiterverfolgt wird auch ein anderer Vorschlag: die Taktverdichtung der S-Bahn auf dem eingleisigen und 13,7 Kilometer langen S-4-Abschnitt zwischen Marbach (Kreis Ludwigsburg) und Backnang (Rems-Murr-Kreis), der auch für den Güterverkehr genutzt wird. Dabei nahm das Institut mehrere Varianten unter die Lupe: Da ein 15-Minuten-Takt auf einer rein eingleisigen Strecke nicht umsetzbar ist, prüfte es Zugkreuzungen in Kirchberg und östlich von Burgstall oder in Erdmannhausen und Burgstall – je kombiniert mit einem kürzeren und längeren zweigleisigen Ausbau. Die Gutachter rechnen mit hohen Baukosten – je nach Variante bewegen sie sich zwischen 61 Millionen und knapp 90 Millionen Euro. Diese Lösungen würden zwar zwischen 3400 und 5100 zusätzliche Fahrgäste pro Tag bringen, aber die „Verlagerungswirkungen scheinen nicht umfangreich genug zu sein, um die hohen Investitionskosten zu rechtfertigen“, sagen die Gutachter.

Mehr Wohngebiete an S 4

Dennoch profitieren einige Anrainerkommunen von der S 4, die seit dem Jahr 2012 von Marbach bis Backnang im 30-Minuten-Takt fährt. Der regionale Planungsausschuss hat am Mittwoch auf Antrag der CDU-Fraktion beschlossen, aus der besseren Anbindung ans Nahverkehrsnetz auch planungsrechtliche Konsequenzenziehen. Die Gemeinden Erdmannhausen, Kirchberg, Affalterbach und Burgstetten sollen künftig mehr Wohnungsbaugebiete ausweisen dürfen. Dafür wird ein Verfahren zur Änderung des Regionalplans eingeleitet. Darin gibt es zwei Klassen von Gemeinden – solche, die nur so viel neue Wohngebiete ausweisen dürfen, wie sie für das Wachstum aus der bereits dort ansässigen Bevölkerung brauchen, und solche, die wegen ihrer günstigen Verkehrsanbindung für Neubürger attraktiv sind und deshalb mehr Wohnungsbau planen können. Im ersten Fall wird grob von einem Zuwachs von einem Prozent der bestehenden Wohneinheiten in fünf Jahren ausgegangen, im zweiten Fall von 1,5 Prozent in diesem Zeitraum. Die Einteilung ist deshalb wichtig, weil die Pläne der Gemeinden dem Regionalplan entsprechen müssen – und mehr Einwohner die finanzielle Lage einer Kommune verbessern. Allerdings muss bei einer anderen Einstufung auch dichter gebaut werden.

Der CDU-Regionalrat Michael Schreiber begründete den Vorstoß seiner Fraktion damit, dass mehr für den Wohnungsbau getan werden müsse. „Wir hoffen, dass die Gemeinden die Chancen nutzen“, sagte er. Auch Grüne, Freie Wähler, SPD, AfD, FDP und Linke stimmten zu.

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