Die Büsnauer fühlen sich vom Motorradlärm gestört. Sie wollen, dass die Polizei künftig nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch die technische Ausstattung der Motorräder kontrolliert, etwa Auspuffanlagen, die besonders viel Krach machen. Foto: dpa

Für die Anwohner grenzt der Motorradlärm von der Magstadter Straße an Körperverletzung. Im Bezirksbeirat fordern sie konsequentere Überwachungen und ein teilweises Fahrverbot für Motorräder. Die Lokalpolitiker schließen sich an. Vertreter des Ordnungsamts haben andere Vorschläge.

Vaihingen/Büsnau - Der Unmut der Büsnauer war deutlich spürbar. Zu fünft waren sie in die Bezirksbeiratssitzung gekommen, um ihrem Ärger Luft zu verschaffen. Bei den „Fünf Minuten für die Bürger“ schilderten sie erneut die Situation an der S-Kurve der Magstadter Straße, bevor sich die Bezirksbeiräte mit dem Thema befassten. Sie stimmten dem Wunsch der Anwohner zu, nach dem Vortrag der Vertreter des Amts für öffentliche Ordnung noch einmal sprechen zu dürfen.

„Das unsinnige Hin- und Herfahren auf der ehemaligen Solituderennstrecke ist eine Zumutung für uns“, sagte ein Anwohner. Die Büsnauer klagten über den extremen Lärm insbesondere an den Wochenenden und in den Abendstunden im Sommer. „Die Lärmbelastung grenzt an Körperverletzung. Der Berufsverkehr am Montagmorgen ist eine Erholung“, drückte ein Büsnauer seinen Frust aus.

Die Tempoüberwachung von Motorrädern ist schwierig

Edgar Riester, der Leiter des Sachgebiets Verkehrsregelung im Ordnungsamt, konnte den Unmut der Bürger verstehen. „Ihre Gefühle sind auch meine Gefühle.“ Der Stadt seien aber die Hände gebunden. Es gebe nunmal Richtlinien für den Lärmschutz an Straßen, und diese seien Sache des Bundes. Die Messungen und Berechnungen an der Magstadter Straße hätten im Durchschnitt keine erhöhten Lärmpegel ergeben. Natürlich gebe es Ausreißer nach oben, die nicht nur durch hohe Drehzahlen, sondern auch durch technisch veränderte Motorräder ausgelöst werden.

Die Überwachung des fließenden Verkehrs sei Sache der Polizei und nicht des Ordnungsamts – doch die Geschwindigkeitsüberwachung ist bei Motorrädern schwierig. Standardblitzer nehmen die Fahrzeuge nur von vorne auf, bei Motorrädern ist da allerdings kein Kennzeichen angebracht, das Rückschlüsse auf den Fahrzeughalter zulässt. Geräte, die Motorräder von hinten blitzen und damit das Kennzeichen aufnehmen, gebe es zwar auch, aber nach geltender Gesetzeslage muss dem Halter nachgewiesen werden, dass er das Fahrzeug zum Zeitpunkt der Messung gefahren hat. Das ist schwierig, wenn man den Fahrer nur von hinten sieht. An dieser Stelle sieht Riester Handlungsbedarf. Es liege aber beim Bund, eine Halterhaftung zu beschließen.

Bürger finden Lärmdisplays kontraproduktiv

Das Regierungspräsidium und das Verkehrsministerium schlagen hingegen „Lärmdisplays“ vor. Auf diesen wird jedem Motorradfahrer seine aktuelle Geschwindigkeit und der Lärm seines Gefährts angezeigt. „Wir halten das für ein geeignetes Mittel“, sagte Gerlach. In Todtmoos beispielsweise habe man damit positive Erfahrungen in Sachen Lärm- und Geschwindigkeitsreduzierung gemacht. „Das hängt aber davon ab, inwieweit die Fahrer den Appell befolgen.“ Zudem empfahl er weitere mobile Kontrollen durch die Polizei auf Geschwindigkeit ebenso wie auf technische Veränderungen der Motorräder.

Die Büsnauer fühlten sich von dem Vorschlag mit den Lärmdisplays „veräppelt“. „Das ist kontraproduktiv. Die Motorradfahrer schalten doch dann extra runter und beschleunigen, dann wird es noch lauter“, fürchtete eine Bürgerin. Zudem wirkten Polizeikontrollen nur in der Zeit, in der die Beamten vor Ort sind. „Danach geht es wieder von vorne los“, sagte ein Bürger.

Die Bezirksbeiräte teilten den Frust der Anwohner. „Man muss da ansetzen, dass es den Motorradfahrern keinen Spaß mehr macht, durch die Kurve zu rasen“, sagte Gerhard Wick (SÖS/Linke-plus). Volker Weil (FDP) schlug vor, im Kurvenbereich Bremsschwellen auf der Fahrbahn anzubringen, Eyüp Ölcer (Freie Wähler) regte eine Ampel an, die auf Rot schaltet, wenn sich ein Fahrzeug mit überhöhter Geschwindigkeit nähert, und dadurch bewusst ausbremst. „Die Straße gehört dem Land und nicht der Stadt. Das Regierungspräsidium muss entscheiden, was machbar ist“, entgegnete Edgar Riester.

Bezirksbeiräte teilen den Frust der Büsnauer

Einem von Christa Tast (Grüne) formulierten Antrag, zu prüfen, ob eine stationäre Geschwindigkeitsüberwachung in beide Fahrtrichtungen jeweils am Kurveneingang und -ausgang möglich ist, stimmten die Bezirksbeiräte bei einer Enthaltung mit großer Mehrheit zu. Klaus Spieske (Grüne) beantragte eine Teilsperrung der Magstadter Straße im Kurvenbereich für Motorradfahrer, und zwar von April bis Oktober an den Wochenenden und am Abend ab 18 Uhr. Bei vier Gegenstimmen und drei Enthaltungen nahmen die Beiräte diesen mit neun Ja-Stimmen mehrheitlich an. Und das, obwohl Edgar Riester und sein Kollege Achim Gerlach bereits vorab von einer Teilsperrung abgeraten hatten.

„Das Problem in der Kurve ist auf das Fehlverhalten Einzelner zurückzuführen“, so Riester. Gerlach ergänzte, dass bei einer Sperrung bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden müssen, etwa eine zumutbare Umleitung. Das sei in Büsnau schwierig. „Auch die Unfallzahlen sind gemessen an der Anzahl der Motorradfahrer nicht so hoch, dass sie eine Sperrung rechtfertigen würden“, sagte Gerlach.

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