Der Neubau für die Stettener Feuerwehr und das örtliche DRK soll nun doch am Haldenareal gebaut werden. Foto: Archiv Natalie Kanter

Lange wurde um den richtigen Platz für das neue Feuerwehrhaus gerungen. Nun ist die Entscheidung gefallen. Die FFW soll auch künftig vom Haldenareal ausrücken. Das gefällt nicht jedem.

Stetten - Es war eine knappe Entscheidung. Und der Gemeinderat hat es sich auch nicht leicht gemacht. Das neue Stettener Feuerwehrhaus, in dem auch das örtliche DRK untergebracht wird, soll nun doch nicht am Alten Rathaus, sondern auf dem Haldenareal gebaut werden. Zu diesem Grundsatzbeschluss haben sich die Kommunalpolitiker am Dienstagabend bei elf Gegenstimmen und einer Enthaltung durchgerungen. Eine kleine, aber ausreichende Mehrheit hat sich damit nicht nur gegen den Vorschlag der Verwaltung, sondern auch gegen den Wunsch der Feuerwehr gestellt.

Rathauschef Roland Klenk überlegt, Widerspruch gegen diese Entscheidung einzulegen. Das hat er in seiner ganzen Zeit als Oberbürgermeister von L.-E. noch nie gemacht. Dafür hat er eine Woche Zeit. In diesem Fall müsste sich der Gemeinderat am 14. August zu einer Sondersitzung treffen.

Klenk sagt unserer Zeitung: „Wir sprechen hier von einem Preisunterschied von bis zu drei Millionen Euro. Für dieses Geld kann man eine viergruppige Kita bauen.“ Die Verwaltung geht zudem davon aus, dass auf dem Haldenareal das ganze Bauprojekt zwei Jahre länger dauern wird, als dies am Alten Rathaus der Fall gewesen wäre.

Zur Erinnerung: Das Stettener Feuerwehrhaus muss – auch aufgrund des Feuerwehrbedarfsplanes – neu gebaut werden. Über einen passenden Standort aber wird seit Jahren gestritten. Bürgern aus Stetten ist der Platz am Alten Rathaus heilig. Die evangelische Kirchengemeinde befürchtet zudem den Wegfall zahlreicher Parkplätze.

Knackpunkt Interimsgebäude

Vor einem Jahr stand schon einmal die Entscheidung an. Damals hatte der Gemeinderat die Verwaltung dann aber beauftragt, auch das Haldenareal intensiv zu untersuchen. Das Ergebnis des Vergleiches: Die Kosten für den Neubau auf beiden Grundstücken nehmen sich nicht viel. Laut Verwaltung muss bei einer Umsetzung auf dem Haldenareal aber ein Interimsgebäude für die Wehr entstehen. Kostenpunkt: 1,7 Millionen Euro. Wenn der Neubau dagegen am Alten Rathaus entstünde, könnte die Stadt ein Großteil des Haldenareals verkaufen. Gewinn: 2,4 Millionen Euro.

Stadtkommandant Wolfgang Benz hat am Dienstag im Gemeinderat noch einmal klare Worte gesprochen: „Wir brauchen ein Projekt, dass auch umsetzbar ist.“ Auf dem Haldenareal aber gebe es vier Projekte, die in Abhängigkeit stehen und noch überhaupt nicht angefangen seien.

Zur Erklärung: Um Platz für einen FFW-Neubau zu schaffen, muss zunächst der Gudrun-Mebs-Kindergarten abgerissen werden. Es gilt einen Ersatz für diese Kita zu schaffen. Die auf dem Gelände untergebrachten Vereine brauchen eine neue Heimat. Das alte Feuerwehrhaus muss abgerissen werden. Ein Interimsbau für die Wehr muss – laut Verwaltung – geschaffen werden. Dennoch haben die Fraktionen anders entschieden. Klenk sagt dazu: „Die Stellungnahme des Stadtkommandanten wurde einfach vom Tisch gewischt.“

Entscheidung fiel nach Sitzungsunterbrechung

Zwei Stunden lang haben die Stadträte kontrovers und emotional debattiert. CDU und Grüne haben sich für den Verwaltungsvorschlag und den Wunsch der Feuerwehr eingesetzt. Die Freien Wähler aber halten den Standort am Alten Rathaus für „die denkbar schlechteste Lösung“. Laut SPD ist die Wehr auf dem Haldenareal besser, weil zentraler untergebracht. Zum Verständnis: Stetten ist von einem Gefälle geprägt. Es gibt ein Oben und ein Unten.

Die Sitzung wurde dann auf Antrag der Freien Wähler unterbrochen. Die gleiche Fraktion hat im Anschluss den Antrag gestellt, das neue Feuerwehrhaus auf dem Haldenareal zu bauen. Dass dieser Vorschlag Erfolg hatte, geht auch auf Stadtrat Wolfgang Haug (L.E. Bürger/FDP) zurück. Er hatte eine Idee, mit der er hausieren ging. Wenn seine Lösung funktioniert, kann der Neubau auf dem Haldenareal in die Höhe gezogen werden, ohne dass ein Interimsgebäude gebaut werden muss. 1,7 Millionen Euro wären so eingespart.

Mit Idee hausieren gegangen

Haug – der weder Architekt noch Stadtplaner ist, wie er selbst eingeräumt hat – hat dabei die Pläne der Verwaltung nicht wesentlich verändert. Er schlägt vielmehr eine andere Herangehensweise vor. Der Stadtrat würde zunächst einen neuen Kindergarten auf dem hinteren Teil des Haldenareals bauen lassen. Dorthin könnten die Gruppen des Gudrun-Mebs-Kinderhauses ziehen. Dieser Gebäudetrakt könnte dann abgerissen werden und Platz machen für den Neubau des Feuerwehrhauses. Das Gebäude würde dann nicht, wie von der Verwaltung vorgesehen, an der Weidacher Steige, sondern an der Pestalozzistraße liegen. Wenn aber zudem ein Teil des alten Kinderhauses stehen bleiben würde, dann könnte die Feuerwehr solange in ihrem bisherigen Gebäude bleiben, bis der Neubau steht.

Dieser Vorschlag ist bisher aber weder geprüft und schon gar nicht beschlossen. Und die Verwaltung bestreitet, dass Haugs Lösung tatsächlich umzusetzen ist.

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