Diesen Standort direkt neben dem Alten Rathaus, in dem derzeit noch die Stadtwerke sitzen, hat die Verwaltungsspitze für die FFW und das DRK ausgeguckt. Foto: Archiv Natalie Kanter

Der Stettener Vereinsring sieht einen Neubau für die FFW und das DRK am Alten Rathaus kritisch. Die Feuerwehr dagegen lehnt ein neues Domizil am Ungerhaldenweg ab. Genau dort darf sich seit Dienstagabend eine Pflegeeinrichtung ansiedeln.

Stetten - Im Stadtteil Stetten brodelt es. Dabei geht es um den Standort, den sich die Verwaltungsspitze für den Neubau des Feuerwehrhauses ausgeguckt hat. Die örtliche Wehr braucht ein neues Domizil, weil das alte Gebäude an der Weidacher Steige 31 nicht mehr den gesetzlichen Anforderungen entspricht. Aber längst nicht alle Stettener können sich damit anfreunden, dass die FFW und auch das Deutsche Rote Kreuz künftig an einem Hang neben dem Alten Rathaus ihre neue Heimat finden sollen.

„Dieses Gelände ist für Alteingesessene sakrosankt“, sagt Irmgard Quelle, die Vorsitzende des Stettener Vereinsring auf Anfrage. Sie sieht es kritisch, dass für den Neubau der gesamte Hang abgetragen werden muss. „Bürger fragen sich, in welchen Zustand der Boden darunter ist.“ Auch die Kosten dafür seien noch unklar. Sie kann sich nur schwer vorstellen, wie sich das neue Feuerwehrhaus harmonisch in das Gelände einfügen soll. Dazu muss man wissen, dass in dem Alten Rathaus, in dem momentan noch die Stadtwerke sitzen, örtliche Vereine neue Räume erhalten sollen. Eine Art Bürgerzentrum soll entstehen.

Sorge um Parkplätze

Es wird zudem befürchtet dass Stellplätze wegfallen. Pfarrer Stefan Ruppert sagt dazu: „Die Parkplätze dürfen dort nicht weniger werden.“ Denn sie seien insbesondere am Sonntag für Kirchgänger, aber auch werktags, wenn Beerdigungen anstehen, dringend notwendig. Zur Erklärung: Die evangelische Kirche und auch der Friedhof liegen direkt auf der anderen Straßenseite.

Das Thema hat seit Dienstagabend an Brisanz gewonnen. Der Gemeinderat hat, wie Oberbürgermeister Roland Klenk auf Nachfrage bestätigt, hinter verschlossenen Türen, der Betreiberin einer auf den Fildern ansässigen Pflegeeinrichtung die Option für ein Jahr eingeräumt, ein Grundstück am Ungerhaldenweg zu kaufen. Das Stück wurde bis dato neben dem Haldenareal als weiterer Standort für einen Neubau FFW/ DRK gehandelt.

Allerdings haben sich Vertreter der Brandschützer in einem Workshop Mitte Mai dagegen ausgesprochen. Die Teilnehmer haben mehrheitlich die Empfehlung abgegeben, den Ungerhaldenweg nicht mehr weiter als Standort für die Feuerwehr zu verfolgen. Das kommt der Verwaltungsspitze zupass. Denn sie möchte schon lange, dass sich dort Betreiber einer Pflegeeinrichtung und einer Drogeriemarktkette ansiedeln. „Es ist wichtig, dass es in unserer Stadt ausreichend Pflegeplätze gibt“, sagt Klenk dazu.

„Der Standort ist für uns verkehrstechnisch nicht tragbar“, sagt Stadtkommandant Wolfgang Benz. Sämtliche Einsatzkräfte wohnen im oberen Teil von Stetten und müssten dann alle zunächst über die Kreuzung zum Ungerhaldenweg fahren, um zum Gerätehaus zu gelangen. Das sei gefährlich. Zudem werde die Zeit, welche die Helfer bis zum Gerätehaus brauchen, unnötig verlängert.

Das Gelände am Alten Rathaus dagegen liege nur hundert Meter weiter unterhalb des bisherigen Feuerwehrhauses und damit auf der sicheren Seite. Wenn man am Alten Rathaus neu bauen würde, könnte die Wehr bis zur Fertigstellung ihres neuen Domizils zudem an ihrem alten Standort bleiben. Der Unterschied zum Standort Haldenareal: Es muss keine Zwischenlösung gefunden werden. „Das spart Kosten“, sagt Benz. Ähnlich argumentiert auch der Rathauschef. Er sagt: „Mir ist die Meinung der Feuerwehr ungemein wichtig.“

Fraktionsgemeinschaft fordert mehr Transparenz

Wolfgang Haug, Vize-Vorsitzender der Fraktionsgemeinschaft L.E. Bürger/FDP, fordert allerdings mehr Transparenz in der Angelegenheit ein. Deshalb hat er im öffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung den Antrag gestellt, die Vor- und Nachteile der drei möglichen Standorte Haldenareal, Altes Rathaus und Ungerhaldenweg in einer öffentlichen Sitzung darzulegen. Er fordert genaue Kosten und mehr Bürgerbeteiligung ein. Der Vorstoß wurde allerdings mehrheitlich abgelehnt.

Baubürgermeisterin Eva Noller versprach in der Sitzung derweil den Stadträten, demnächst die Ergebnisse der Bodenuntersuchung am Alten Rathaus im Detail zu präsentieren. Sie sagte: „Es gibt dort kein Wasser und auch keinen rutschenden Hang.“ Laut Klenk soll auf diesem Gelände ein Platz für Feste und Bürgerbegegnungen eingerichtet werden. Die Kirchgänger sollen dort sonntags auch parken dürfen. Auch einen Bürgerinformationsabend wird es dazu geben. Der Termin sei allerdings noch offen.

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