Demonstranten und die Polizei gerieten auf der Königstraße aneinander. Foto: dpa/Christoph Schmidt

Zunächst hatte es den Anschein, als würde eine samstags geplante Demo anlässlich der türkischen Militäroffensive in Syrien in Stuttgart friedlich verlaufen. Tat sie aber nicht, im Nachgang kam es zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Stuttgart - Im Anschluss einer Kundgebung anlässlich der türkischen Militäroffensive in Nordsyrien ist es in der Stuttgarter Innenstadt am Samstag zu Auseinandersetzungen zwischen Versammlungsteilnehmern und der Polizei gekommen. Dabei wurde nach bisherigem Stand ein Polizist verletzt.

Über Eintausend Teilnehmer versammelten sich gegen 15.00 Uhr in der Lautenschlagerstraße und führten dort ihre Auftaktkundgebung durch.

Der anschließende Aufzug führte über die Lautenschlagerstraße, Theodor-Heuss-Straße, Rotebühlstraße, Kronprinzstraße, Büchsenstraße, Königstraße zum Schlossplatz. Innerhalb des Aufzugs wurden laut Polizei mehrmals pyrotechnische Gegenstände, sogenannte Bengalos, gezündet. Während der Abschlusskundgebung am Schlossplatz, spaltete sich demnach eine größere Gruppierung ab und lief zum Teil vermummt über die Königstraße in Richtung Hauptbahnhof weiter. Die Menge ließ sich auch von den Polizeibeamten, die die Schillerstraße absperrten, nicht aufhalten.

Unklar, ob auch Demo-Teilnehmer verletzt wurden

Um nicht überrannt zu werden, so Jens Lauer, ein Sprecher der Polizei, hätten die Einsatzkräfte Pfefferspray und Schlagstock eingesetzt. Sie seien mit Gegenständen und Böllern beworfen worden, weshalb die Versammlung gegen 17.15 Uhr durch die Polizei aufgelöst wurde. Im Anschluss zog sich die Personengruppe zurück und lief in die Kronenstraße, wo die Polizeibeamten über 200 Personen kontrollierten und die Personalien feststellten. Dort sei es erneut zu Flaschen- und Böllerwürfen gekommen.

Im Anschluss wurden die kontrollierten Personen wieder auf die Straße entlassen. Die Ermittlungen zu begangenen Straftaten und Ordnungswidrigkeiten dauern an. Ein Beamter erlitt ein Knalltrauma und musste vor Ort von Rettungskräften versorgt werden. Bei den Personen, gegen die ermittelt werde, handele es sich laut Lauer „sowohl um kurdischstämmige junge Männer als auch um Personen, die dem politisch linken Spektrum zuzuordnen seien.“ Ob bei der Auseinandersetzung auch Demonstranten verletzt wurden, ist der Polizei nicht bekannt.

Die Polizei ist jeden Tag im Einsatz

„Seit zehn Tagen wird täglich gegen die türkische Militäroffensive in Syrien demonstriert“, sagt der Polizeisprecher Jens Lauer. Die Beamten seien dadurch die ganze Woche mit Einsätzen beschäftigt. Lobend hebt Lauer das Verhalten anderer Demonstrationsteilnehmer und der Ordner vor. Diese hätten versucht, auf die vermummten Demonstranten, die versucht haben soll, die Polizeiblockade zu durchbrechen, mäßigend einzuwirken.

Auf Twitter kursieren Videos, die die aufgeheizte Stimmung und den Einsatz von Bengalos bestätigen. Manche Twitter-Nutzer schreiben, dass die Polizei Demonstranten eingekesselt habe. Ob dies zutrifft, ist allerdings unklar. Demonstrationsteilnehmer berichten, dass die Lage „eskaliert“ sei.

Komplett friedlich verlief dagegen eine andere Demo, die kurz zuvor und ebenfalls anlässlich der türkischen Militäroffensive in Nordsyrien vom Friedensnetzwerk Baden-Württemberg veranstaltet wurde. Die Teilnehmerzahl dieser Demo war deutlich geringer.

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