Exportorientierte Unternehmen in Deutschland setzen auf den Markt in China und schätzen das Land als verlässlicheren Partner ein als die USA oder Großbritannien. Foto: dpa

Die weltweiten Handelskonflikte und der drohende Brexit, aber auch die Dieselkrise belasten zunehmend die Geschäfte der Unternehmen in Deutschland. Die Krisen wirken sich auf das Vertrauen in die Handelspartner aus. Das zeigt eine Umfrage der Commerzbank unter 2000 Top-Managern in Deutschland.

Frankfurt - Die Unternehmen in Deutschland rechnen damit, dass sich die Konjunktur in den kommenden zwei Jahren abschwächt und dies ihre Planungen erschwert. Das geht aus einer am Montag präsentierten Studie der Commerzbank hervor, bei der 2000 Top-Manager in Deutschland befragt wurden. Mehr als 60 Prozent stellen sich auf eine konjunkturelle Eintrübung ein. Als Gründe nannten sie politische und wirtschaftliche Unsicherheiten, wie die zunehmenden weltweiten Handelskonflikte. 47 Prozent der Befragten erklärten, diese würden sich negativ auf die eigenen Geschäfte auswirken. 35 Prozent der Unternehmen rechnen damit, dass sie die Folgen eines Austritts Großbritanniens aus der EU zu spüren bekommen werden. Bei der Wahl der Handelspartner hat China bei mittelständischen Firmen die Nase vorn: 30 Prozent schätzen das Land als verlässlicheren Partner ein als die USA (17 Prozent) und Großbritannien (acht Prozent).

Doch nicht nur internationale Krisen belasten die Unternehmen, auch die Dieselkrise und die Folgen der globalen Erderwärmung erschweren ihr Geschäft. 45 Prozent rechnen mit negativen Folgen durch den Abgasskandal, 35 Prozent durch den Klimawandel.

Auf diese Entwicklungen reagieren die Unternehmen unterschiedlich. Mittelständler mit einem Jahresumsatz von 15 Millionen Euro konzentrieren sich bei der Expansion auf ihre Kernprodukte (63 Prozent). Unternehmen, die jährlich mehr als 100 Millionen Euro erlösen, setzen verstärkt auf Innovationen, treiben diese voran, digitalisieren Produkte und Prozesse.

Unternehmen verlagern Produktionsstandorte nach China und Polen

Neue Märkte suchen exportorientierte Betriebe in Übersee (14 Prozent) – etwa in Indien und Nordamerika, zwölf Prozent planen nach China zu gehen. Produktionsstandorte werden am häufigsten nach China (31 Prozent) verlagert, aber nach Polen (elf Prozent) und auch in Länder, die zum Verband südostasiatischer Nationen (ASEAN) gehören (elf Prozent).

„Eine wichtige Erkenntnis ist für uns, dass Unternehmen mit Potenzial für Internationalisierung angesichts der geopolitischen Situation und vermuteten Unsicherheiten bei Auslandsinvestitionen zögern“, resümiert Michael Reuther, Vorstand im Firmenkundengeschäft der Commerzbank. „Wir sehen uns deshalb aufgefordert, den Mittelstand dabei zu unterstützen, beherrschbare Risiken beim Gang ins Ausland absichern. Deutsche Unternehmen sollten ihre Chancen auf den Weltmärkten nutzen.“

Die Commerzbank hat zum 19. Mal deutsche Top-Manager in Deutschland befragt. Dieses Mal stand dabei die Frage im Mittelpunkt, wie sicher die Märkte sind und wie sie Risiken im internationalen Geschäft managen.

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