Im Sommer hat sich Minister Peter Hauk in mehreren Wäldern des Landes selbst ein Bild von der schwierigen Lage gemacht. Foto: /Michael Steinert

Minister Hauk (CDU) kündigt Regeln für den Umbau des Waldes an. Fremde Baumarten sollen vorerst nur zurückhaltend angepflanzt werden.

Stuttgart - Das Forstministerium in Stuttgart will in den nächsten sechs Monaten einen Masterplan für den in Not geratenen Wald erarbeiten. Das sagte der Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) gegenüber unserer Zeitung. Ein entscheidender Punkt wird sein, welche Baumarten beim Umbau der Wälder hin zu mehr Klimaresistenz bevorzugt werden. Es werde dazu keine allgemeinen Regeln geben, so Hauk, sondern differenzierte Vorschläge je nach Höhenlage und Bodenqualität. Ein abgestuftes Modell soll dafür sorgen, dass fremdländische Baumarten später nicht unerwartete Probleme verursachen, etwa weil neuartige Pilze auftreten oder heimische Tierarten verdrängt werden.

In höheren Lagen gebe es voraussichtlich gar keinen Bedarf, andere Baumarten einzusetzen, so Hauk. Auch würden künftig keine Monokulturen mehr entstehen. Vorrangig sollen einheimische Baumarten angepflanzt werden, die eine höhere Resistenz bei Trockenheit aufweisen. Dazu gehören die Traubeneiche, der Spitzahorn oder die Winterlinde. Nur wenn dies nicht möglich ist, sollen „bewährte Gastbaumarten“, wie Douglasie oder Roteiche, zum Zuge kommen. Daneben werde es Testanbauten für einheimische Baumarten aus trockenen Regionen sowie für fremde Baumarten aus dem Mittelmeergebiet geben. Baumarten aus Übersee würden vorerst nur auf Versuchsflächen angebaut.

Zehn Prozent der Wälder müssen dringend umgebaut werden

Die Wälder im Südwesten sind nach Angaben des Ministeriums unterschiedlich stark vom Klimawandel betroffen. Einerseits sei Baden-Württemberg durch die Trockenjahre 2018 und 2019 weniger gebeutelt als nördliche Bundesländer. Andererseits liegen im Südwesten die wärmsten Regionen Deutschlands: „Gerade in der Oberrheinebene, in den Weinbaugebieten zwischen Stuttgart und Heilbronn sowie in Tauberfranken kommen unsere heimischen Baumarten an ihre Grenzen“, erklärt Hauk. Zehn Prozent der Wälder müssten dringend umgebaut werden. Dabei spielen wirtschaftliche Überlegungen ebenfalls eine große Rolle.

Für diesen Umbau wird derzeit – neben dem inhaltlichen Masterplan – auch ein finanzieller Notfallplan erarbeitet. Waldbesitzer sollen Unterstützung erhalten, wenn sie Käferholz schlagen und zwischenlagern müssen oder wenn sie betroffene Flächen neu aufforsten. Die genauen Modalitäten stehen noch nicht fest. Naturschützer wie Johannes Enssle vom Naturschutzbund (Nabu) sind für den Notfallplan, fordern aber, dass dabei nicht nur Waldbesitzer entschädigt werden, sondern dass vor allem ein naturnaher Waldumbau gefördert wird.

Beim bundesweiten Waldgipfel in Berlin an diesem Mittwoch will Hauk dafür werben, Fördergelder vom Bund zu bekommen. Denn auch im Südwesten sei die Lage bedrohlich. Dies sieht auch der Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) so. Er sagte vor Kurzem: „Der Klimawandel trifft die Wälder im Land mit nicht geahnter Wucht. Dürre, Hitze und Schädlinge setzen unseren Waldbäumen mit einer Geschwindigkeit zu, die das Naturgefüge ins Wanken bringt.“

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