Zeigt sich besorgt über den Zustand des Waldes: Forstminister Hauk Foto: dpa

Dürre, Hitze und Schädlinge setzen dem Wald schwer zu. Zu seiner Rettung schlägt Forstminister Peter Hauk (CDU) einen millionenschweren Notfallplan vor. Endziel: ein Wald, der Extremwetter besser wegsteckt als heute.

Stuttgart - Wenn Politiker den heimischen Wald begehen, ist das meist eher kein gutes Zeichen für dessen Zustand. Auch Peter Hauk (CDU) war zuletzt – wie viele seiner Amtskollegen bundesweit – unterwegs in den Wäldern des Südwestens. Was der Forstminister dort sah, ist alarmierend. „In allen Höhenlagen gibt es über alle Baumarten gravierende Schäden“, schilderte Hauk am Montag in Stuttgart. Dürre, Hitze und in der Folge Schädlinge wie der Borkenkäfer hätten dem Wald in den vergangenen beiden Jahren enorm zugesetzt. Betroffen seien sowohl naturnahe als auch naturferne Forstgebiete. Ob Fichte am Feldberg, Tanne auf 700 Meter Höhe, Buche im Neckarland oder Kiefer in der Rheinebene – überall gebe es stark geschädigte Bestände. Insgesamt sei von 10 000 Hektar Schadenfläche zwischen Bodensee und Taubergrund auszugehen, so der Minister.

Um dem Wald zu helfen, hat Hauk ein millionenschweres Maßnahmenpaket erarbeitet. Am Montag stellte er es vor rund 50 Experten zur Diskussion, darunter auch Vertreter der Umwelt- und Naturschutzverbände, der Kommunen, Sägeindustrie und Wissenschaft. Zwei Schwerpunkte hat das Paket: Ein Notfallplan soll privaten und öffentlichen Waldbesitzern sowie den Holzvermarktern helfen, die akute Ausnahmesituation besser zu bewältigen; in einem zweiten Schritt soll bis Sommer 2020 auf Grundlage des Notfallplans ein „Masterplan Wald“ ausgearbeitet werden mit dem Ziel, klimastabile Wälder aufzubauen. Um die Mitte des Jahrhunderts würden extreme Wetterlagen regelmäßig auftreten, erklärte der Minister. Es gelte, den Wald jetzt darauf vorzubereiten und Baumarten zu identifizieren und zu pflanzen, die Dürre und Hitze besser tolerieren. Das sei ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz, da der Wald viel CO2 speichern könne. Eine zentrale Rolle spiele dabei die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) des Landes.

Hauk fordert 200 neue Stellen für die Waldarbeit

Die vom Forstminister vorgeschlagenen Maßnahmen würden den Doppelhaushalt 2020 und 2021 mit 40 Millionen Euro jährlich belasten. Allein 200 neue Stellen fordert Hauk für die Waldarbeit auf allen Verwaltungsebenen. Ob die Grünen als Koalitionspartner dem zustimmen, ist offen. Die Haushaltsberatungen gehen jetzt in die heiße Phase. Das Geld ist wie immer knapp, und natürlich haben auch andere Ressorts Wünsche. Hauk betonte, aus seiner Sicht besitze das Hilfs­paket „höchste politische Priorität“. Er hoffe deshalb, sich in den Verhandlungen durchsetzen zu können.

Womöglich wähnt der Minister seinen direkten Vorgesetzten am Kabinettstisch bereits auf seiner Seite. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte im August nach einer Waldbegehung ebenfalls erklärt: „Wir sind in einer echten ­Krisensituation.“

Neben der Beratung von Waldbesitzern in Sachen Walderhalt und Wiederbewaldung sieht der Notfallplan auch Finanzhilfen vor. So werde es für Aufarbeitung und Entrindung des toten Holzes noch 2019 Beihilfen geben, sagte Hauk. Um den Borkenkäfer besser bekämpfen zu können, werde sich das Land zudem an der Finanzierung von angelernten Hilfskräften, sogenannten Waldläufern, beteiligen. Versuche, befallene Bäume mithilfe von Drohnen zu erkennen, seien noch im Versuchsstadium, so der Minister. Bis auf Weiteres müssten die Waldläufer den Schädlingen auf die Schliche kommen. Unterstützt werden auch die Holzvermarkter, so beispielsweise durch vereinfachte Genehmigung von Nass- und Trockenlagern auch auf landwirtschaftlichen Flächen und Erleichterungen beim Holztransport.

Umweltschützer zeigen Zustimmung

Verbände, Naturschützer und Wissenschaftler zeigten sich nach Einschätzung des Naturschutzbunds (Nabu) zufrieden mit Hauks Plänen. „Es gab insgesamt eine große Zustimmung“, sagte Nabu-Landeschef Johannes Enssle. Die Vorschläge seien „zwar teuer, aber notwendig“. Der Wald müsse stärker als ein wichtiges Ökosystem gesehen werden, weniger als eine Ansammlung einzelner Bäume.

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