OB Fritz Kuhn (re.) hat die Kinderspielstadt Stutengarten besucht und Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

In den Ferien gestalten Kinder ihre Stadt – sie sind dabei teils schon weiter als die Verantwortlichen der Stadt Stuttgart.

Stuttgart - s ist eine Städtepartnerschaft ganz dem Geschmack von OB Fritz Kuhn: die Anreise ist kurz und die politische Agenda fast deckungsgleich. Die Rede ist nicht von einer Partnerstadt im herkömmlichen Sinn, sondern von der Kinderspielstadt Stutengarten, die derzeit auf dem Gelände des Reitstadions in Bad Cannstatt stattfindet. 1500 Kinder lernen dort innerhalb von drei Ferienwochen, was alles zu einer echten Stadt gehört. Sie bekleiden Ämter, treiben Handel, besuchen Ärzte und haben sogar einen eigenen TV-Kanal. Die Kinderspielstadt ist ein Betreuungsangebot der Stuttgarter Jugendhausgesellschaft.

Den Oberbürgermeister ihrer Nachbarstadt Stuttgart begrüßten die Kinder im Stutengarten am Mittwochnachmittag frenetisch. Bei sengender Hitze gab es Tanzeinlagen und einen auf den OB zugeschnittenen Song nach der Melodie von „We will rock you“ der Band Queen. „Viele progressive Ideen“ hätten sich die Kinder ausgedacht, kündigte der Moderator auf der Bühne an. Welche das genau sind, fiel dem Bürgermeister Stutengartens, dem sechsjährigen Jakob, dann spontan zwar nicht mehr ein. Auf dem anschließenden Rundgang konnte sich Kuhn aber hautnah von ihnen überzeugen. Zum ersten Mal gab es zum Beispiel einen kleinen Weltladen, der fair gehandelte Schoko-Riegel und Quinoa-Produkte anbietet. Ebenfalls Premiere feierte in diesem Jahr ein Amt für Umweltschutz.

Metallgeschirr statt Plastik

Erste Erfolge habe man auch schon erzielt, erklärte Amtsleiterin Leonie: „Wir haben durchgesetzt, dass es an den Ständen kein Plastik mehr gibt, sondern Metallgeschirr und Keramikschüsseln“, sagte sie. Ein kleiner Reporter wollte dem OB entlocken, ob er denn als Grüner auch privat viele „grüne Sachen“ esse? Ja, antwortete Kuhn, vor allem aber gebe es wenig Fleisch bei ihm daheim. In der kleinen Stadt herrschte auch abseits des Besuchertrosses reger Betrieb, ob im Mini-Leuze mit Strandkiosk, im kleinen SSB-Laden, im Stadtpalais oder in der Zahnarztpraxis „Dr. Paula Zahn“. Dort führte ein echter Zahnarzt eine Kontrolle durch. Ohnehin sei das Besondere am Stutengarten, dass Leute vom Fach vertreten seien, sagt Projektleiterin Ulrike Weinz. So habe ein Bäcker den Kindern erklärt, warum er jeden Morgen um 4 Uhr arbeiten muss und warum es besser sei, seine Brezeln nicht an der Tankstelle zu kaufen.

„Da merkt man, dass die Kinder genau hinhören“, sagt Weinz. Insgesamt sind 72 Berufe im Stutengarten vertreten. Die Teilnehmerplätze der von 140 Sponsoren unterstützten Kinderspielstadt seien seit Jahren innerhalb kürzester Zeit ausgebucht. Das liege am besonderen Angebot, nicht zuletzt aber auch am steigenden Bedarf an Betreuungsangeboten während der Ferienzeit.

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