Fast drei Milliarden solcher oder ähnlicher Einwegbecher werden jährlich in Deutschland verbraucht. Foto: Adobe Stock/Maksim Kostenko

Die Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) und ihre Experten haben dem Einwegbecher den Kampf angesagt. So soll beispielsweise Pfand das Wegwerfprodukt zurückdrängen. Am Ende jedoch hilft gegen den tonnenschweren Becherberg nur eine Abgabe, meint Wirtschaftsredakteur Alexander Del Regno.

Stuttgart - Klimawandel, Artensterben, Mikroplastik im Meer – wer angesichts der großen globalen Umweltpro­bleme den Verbrauch von Kaffeebechern als Gedöns abtut, liegt falsch. Das zeigen die Zahlen der Deutschen Umwelthilfe (DUH): Allein in Deutschland werden demnach jede Stunde 320 000 Coffee-to-go-Becher über die Kiosk- und Bäckertheken gereicht, insgesamt 2,8 Milliarden im Jahr. Gestapelt wäre das laut DUH ein Turm von 300 000 Kilometer Höhe, als Kette ließe sich damit die Erde mehr als siebenmal umrunden. Um den täglichen Becherberg herzustellen, benötigt die Industrie tonnenweise Holz, Rohöl und Milliarden Liter Wasser. Dabei entstehen beträchtliche Mengen an Kohlendioxid.

Wiederverwertet wird wenig, weil die meisten Becher aus Pappe sowie Plastik bestehen und oft falsch entsorgt werden – sofern sie nicht in Parks, auf Plätzen oder in der Landschaft landen.

Aus all diesen Gründen will die DUH Einwegbecher letztlich abschaffen und ein Mehrwegsystem einführen – also ein Pfand auf wiederverwendbare Kaffeebecher. Auch das Umweltbundesamt rät dazu. Das mag das Problem lindern, die beste Lösung bietet diese Idee jedoch nicht. Denn auch Mehrwegbecher müssen unter hohem Energieaufwand produziert, vertrieben und regelmäßig gereinigt werden. Hinzu kommt: Ein einheitliches Pfandsystem erfordert wohl langwierige Verhandlungen zwischen den unterschiedlichen Händlern. Der Fonds, den das Umweltbundesamt vorschlägt, geht zwar ebenfalls in die richtige Richtung: Jeder, der Einwegbecher ausgibt, soll einzahlen; von dem Erlös soll die Beseitigung des Mülls bezahlt werden. Aber das Grundproblem bleibt davon unberührt.

Denn es sollte darum gehen, das Aufkommen der Becher und damit den Abfall zu vermeiden. Dazu könnte eine Besteuerung der Behälter am wirkungsvollsten beitragen. Wenn der Kaffee im Einwegbecher merklich teurer ist als in der Tasse oder im mitgebrachten Becher, würde der Verbrauch der umweltbelastenden Gefäße sinken. Derartige Erfahrungen gibt es bereits mit Abgaben auf Plastiktüten.

So bitter die Erkenntnis auch sein mag: Viele Verbraucher handeln erst im Sinne der Umwelt, wenn sie damit Geld sparen können.

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