Konrad Seigfried ist seit 2006 Sozialbürgermeister in Ludwigsburg – und vertritt den OB bei Abwesenheit. Foto: factum/

Konrad Seigfried ist als Erster Bürgermeister derzeit Chef im Ludwigsburger Rathaus, bis Matthias Knecht sein Amt als Oberbürgermeister antritt. Er spricht über sein Verhältnis zu dessen Vorgänger – und erklärt, warum er nie selbst OB werden wollte.

Ludwigsburg - Er ist derzeit der gefragteste Mann in Ludwigsburg: Der 66-jährige Konrad Seigfried muss viele Entscheidungen treffen. Matthias Knecht tritt am 1. September sein Amt an, Werner Spec nimmt noch Resturlaub. In zwei Jahren endet Seigfrieds eigene Amtszeit als Erster Bürgermeister – bis dahin muss er den Übergang moderieren. Eine Rolle, die er schon früher oft hatte.

Herr Seigfried, Sie leiten im August das Rathaus, wie fühlt sich das an?

Das ist schon eine etwas außergewöhnliche Urlaubskonstellation, eine Interimszeit zwischen zwei Oberbürgermeistern. Als Erster Bürgermeister kenne ich aber solche Vertretungssituationen. Als ich im August 2006 in Ludwigsburg angefangen habe, war Werner Spec nach zwei Wochen im Urlaub und Hans Schmid als Baubürgermeister erkrankt. Vor 20 Jahren habe ich schon einmal einen Amtswechsel in einer anderen Stadt organisiert.

Stimmen Sie sich bereits mit dem künftigen OB Matthias Knecht ab?

Wir pflegen sogar in einem intensiven Austausch, obwohl er noch an der Hochschule Kempten einiges zu erledigen hat. Er ist immer wieder ganze Tage im Rathaus, die dann durchgetaktet sind. Ende August will Matthias Knecht mit seiner Familie auch noch Urlaub machen. Der spannende OB-Wahlkampf war schließlich auch nicht ganz so erholsam.

Können Sie bereits einen anderen Führungsstil erkennen?

Es handelt sich um zwei völlig unterschiedliche Persönlichkeiten. Ich kenne Matthias Knecht als Vorsitzenden des Stadtverbandes für Sport schon lange und früher als Chef des SSC Ludwigsburg. Das erleichtert die Gespräche. Er wird einen anderen Stil pflegen. Werner Spec wurde bei seiner Verabschiedung als „freundlicher Jäger“ charakterisiert – der mit hoher Intensität, enormer Kraft und Energie Themen vorantreibt. Herr Knecht wird eher stärker den Dialog suchen. Was das in der Praxis bedeutet, wird sich zeigen. Es gibt, wie in der Medizin, nichts ohne Nebenwirkungen.

Sie standen stets loyal zu Werner Spec – gab es nie Konflikte?

Wir haben auf der Führungsebene immer sehr gut zusammengearbeitet. Für mich war das Arbeitsverhältnis zu Werner Spec eines der besten, das ich jemals erlebt habe. Wir sind vertrauensvoll und respektvoll miteinander umgegangen. Aber wir waren auch in der Lage, zu streiten. Nicht oft, aber durchaus mal heftig, doch wir hatten stets Respekt.

Warum haben die Konflikte in der Endphase der Ära Spec die Erfolge überlagert?

Ein Schlüsselerlebnis war sicher der Konflikt mit dem Landrat über die Stadtbahn, die Außenwirkung fand ich sehr bedauerlich. Aber das hat Werner Spec ausgezeichnet: Wenn er sich nach Abwägung für eine Position entschieden hat, dann ist er bereit, diesen Weg konsequent zu Ende zu gehen. Das war bei der Stadtbahn wahltaktisch nicht die klügste Entscheidung, zeugt aber von Rückgrat und Haltung.

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Was steht jetzt an Projekten an?

Ein herausragendes Thema ist, bezahlbaren Wohnraum in Ludwigsburg zu schaffen. Das wird spannend, weil dies nicht ohne Konflikte geht. Auch die Klage der privaten Bauunternehmen steht noch aus, sie wollen die städtische Gesellschaft WBL auf den sozialen Wohnungsbau beschränken. Dazu kommen etwa das Thema Mobilität und die Schulentwicklung.

Ist nach dem Abgang von Werner Spec eine außergerichtliche Einigung mit den privaten Bauunternehmern denkbar?

Es gibt eine zentrale Forderung in der Klage, die eine Verständigung weitgehend ausschließt. Die Bauträger wollen erreichen, dass die Stadt der WBL bestimmte Geschäftsfelder verbietet, sie dürfte keine Eigentumswohnungen mehr bauen. Das hängt nicht an der Person Werner Spec, das ist eine Grundsatzfrage. Nach der Devise: lukrative Geschäfte für Bauträger, alles, was nichts bringt für den Steuerzahler. Substanziell wollen wir an der Tätigkeit der WBL nichts ändern, die schon früher stets im Bauträgergeschäft tätig war.

Kein weißer Rauch in Sachen Rofa

Ein drängendes Thema ist die Zukunft der Rockfabrik, im OB-Wahlkampf wollten beide Kandidaten sich für die Diskothek einsetzen. Gibt es dort Aktivitäten?

Derzeit finden meines Wissens keine Gespräche statt. Ich sehe in der Frage jedenfalls noch keinen weißen Rauch aufziehen.

Wie geht es nach der politischen Sommerpause im Herbst weiter?

Wir stehen vor ausgesprochen intensiven Haushaltsberatungen. Die Einnahmen bleiben zwar stabil, aber die Ausgaben steigen deutlich an. Zudem ist das Volumen der gewünschten Projekte bei den Investitionen in etwa doppelt so groß wie das, was wir tatsächlich finanzieren können. Wir müssen eine sehr ernsthafte Debatte darüber führen, was wir uns leisten wollen und welche Prioritäten wir setzen.

Lässt denn ohne einen OB Werner Spec die Begeisterung für das Schnellbussystem BRT im Rathaus nach?

Es gibt eine Beschlusslage im Gemeinderat, die in einer ersten Stufe Schnellbusse und langfristig eine Niederflur-Stadtbahn vorsieht. Nun wird eine Debatte geführt, ob ein langer Schnellbus besser ist als ein stärker ausgebautes herkömmliches Bussystem. Diese Frage muss man nicht wirklich beantworten. Entscheidend wird sein, dass der Bus komfortabler wird – und tatsächlich durchfahren kann. Ein Bus ist total langweilig, wenn er steht. Ob das BRT oder nur Bus heißt, ist nicht entscheidend.

Hat es Sie nie gereizt, auch einmal die erste Geige in einem Rathaus zu spielen?

Als Familienvater, der kein Berufsbeamter war, gab es da Versorgungsrisiken. Das war mir zu riskant. Außerdem habe ich mich immer eher als kommunaler Fachmanager für Bildung und Soziales gesehen. Und ich gehöre zu den Menschen, die einschätzen, was sie gut können und wo sie vielleicht nicht so gut aufgestellt sind.

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