Die scheidende Umweltministerin Barbara Hendrick sieht Deutschland weiterhin zu ambitioniertem Klimaschutz verpflichtet. Foto: epd

Es ist der letzte Klimagipfel für Barbara Hendricks als Umweltministerin. Im Interview liest die Sozialdemokratin den Deutschen die Leviten. Auch die Jamaika-Sondierer bekommen ihr Fett weg.

Bonn - Die Bonner Klimakonferenz wird für Barbara Hendricks (SPD) die letzte, die sie als Ministerin besucht. Über ihre Erwartungen an Donald Trump, die Jamaikasondierer und die Deutschen allgemein gibt sie im Interview Auskunft.

Frau Hendricks, mit wie viel Wehmut – oder Resignation – sitzen Sie beim Gipfel in Bonn am Verhandlungstisch?
Ich bin sicher, dass wir in Bonn gut vorankommen und das hinbekommen, was wir jetzt brauchen: eine gemeinsame Auslegung der Regeln von Paris. Resignation spüre ich deshalb keineswegs. Das diesjährige Verhandlungsziel ist vielleicht nicht spektakulär, aber es ist für das gegenseitige Vertrauen absolut notwendig. Wehmütig bin ich im Moment auch nicht. Als Politikerin weiß ich, dass ich auf Zeit gewählt bin. Vielleicht kommt das noch.
Die spannendste Frage in diesem Jahr ist, wie Donald Trumps Delegation in Bonn auftreten wird. Wagen Sie eine Prognose?
Ich gehe nach den ersten Beratungen davon aus, dass es keine Blockade und auch keine Provokationen geben wird. Ich rechne mit einem zurückhaltenden Mitwirken der USA. Es ist ja so, dass das US-Außenministerium für die internationale Klimapolitik zuständig ist. In Bonn sind im Wesentlichen Fachbeamte dabei, und Außenminister Rex Tillerson selbst hatte sich dafür ausgesprochen, dass die USA im Pariser Abkommen bleiben. Präsident Trump hat das anders entschieden, aber ich gehe davon aus, dass die USA in Bonn einen eher beobachtenden Kurs fahren und nicht bewusst stören werden.
Sind Sie wirklich so zuversichtlich?
Dass die USA als Ganzes nicht zum Totalausfall im Klimaschutz werden, hat sich schon abgezeichnet, weil so viele amerikanische Städte und Regionen sich gezielt engagieren. Sie sind der Beleg, dass die Dynamik im Klimaschutz nicht aufzuhalten ist – nicht einmal von der Trump-Regierung. Es ist ein echtes Hoffnungszeichen, dass Städte und Regionen aus dem ganzen Globus in Bonn Lösungen für Klimaprobleme präsentieren. Fast die Hälfte der weltweiten Treibhausgasemissionen entsteht in Städten. Deshalb müssen die auch Teil der Lösung sein.
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