Werbung für die britische Show „Meat the Family“. Was passiert, wenn das Essen zuvor Familienmitglied ist? Foto: Channel 4

In der Realityshow „Meat the Family“ stellen die Briten den Teilnehmern ein hartes Ultimatum. Das ist nur eines von mehreren kontroversen neuen TV-Formaten in Europa.

Cannes - Werde Vegetarier oder iss dein Haustier: Dieses Ultimatum stellt eine neue britische Realitysendung ihren Protagonisten. In „Meat the Family“ lässt der Sender Channel 4 eine Familie hartnäckiger Fleischesser ein Tier über Wochen bei sich zu Hause aufziehen. Sind sie dann immer noch nicht bereit, auf Steaks und Wurst zu verzichten, müssen sie ihr Haustier zubereiten und essen.

Dass viel Fleisch nicht nur schlecht für die Gesundheit ist, sondern auch fürs Klima, predigen Wissenschaftler schon lange. Was Tiere zu essen tatsächlich bedeutet, führt „Meat the Familiy“ drastisch vor Augen.

Besondere Grenzüberschreitung

In keiner anderen Show würden derart Grenzen überschritten, sagt Branchenkennerin Virginia Mouseler auf der TV-Messe Mipcom im französischen Cannes. „Es geht nicht mehr um Sex oder Drogen. Fleisch wird das nächste Tabu“, fügt die Gründerin von The Wit, einer Agentur für Fernsehsendungen, hinzu. Die Produzenten stellten „die Frage: Wie kann man seinen Hund knuddeln und gleichzeitig ein Tier in den Ofen schieben?“

In der ersten Folge von „Meat the Family“, die zum neuen Jahr auf Sendung gehen soll, geht es um ein Lamm, ein Schwein, ein Huhn und ein Kalb. „Drei Wochen lang müssen diese Tiere wie ein Familienmitglied behandelt werden“, sagt Mouseler. „Und am Ende muss die Familie entscheiden, ob es in den Ofen wandert.“

Die dreistündige Show zeige den Weg eines Tieres von der Weide bis auf den Teller, beschreibt Channel 4 die Sendung. Sie befasse sich mit „dem Verhalten und der Intelligenz von Tieren, der Praxis der Tierhaltung und den Auswirkungen der Fleischindustrie auf die Umwelt“.

Rassistische Vorurteile

Die Show greife „das wirklich aktuelle Thema ethischer Ernährung“ auf und stelle schwierige Fragen, sagt Daniela Neumann von der Produktionsfirma Spun Gold. „Warum finden wir es akzeptabel, ein Lamm zu verspeisen, wohingegen wir niemals unseren Hund essen würden? Kann man Fleisch essen, wenn man dem Tier zuvor einen Namen gegeben hat?“

„Meat the family“ ist eine aus einer ganzen Reihe neuer Shows, in denen es um soziale Verantwortung geht. Ebenfalls von Channel 4 kommt eine Reality-Sendung zu Alltagsrassismus: In „Segregation Experiment“ erlebt eine britische Schulklasse, wie sich rassistische Ideen unbewusst verbreiten. „Hier werden rassistische Vorurteile in einer Klasse elf und zwölfjähriger Kinder getestet“, sagt Mouseler. „Können wir rassistisch sein, ohne es zu wissen?“, sei die Frage.

Kokain und seine Folgen

Das niederländische Format „The Cocaine Trials“ wie auch „Doing Drugs for Fun?“ des britischen Senders Channel 5 konfrontieren Kokainkonsumenten mit den Auswirkungen, die ihr Verhalten auf die kolumbianischen Gemeinden hat, in denen das Kokain illegalerweise produziert wird.

Ebenfalls aus den Niederlanden kommt die Serie „Take Over, Take Care“, in der Promis die Pflege kranker und alter Menschen übernehmen, um deren Angehörigen Urlaub zu ermöglichen. Andere Shows bringen einsame alte Menschen in viel zu großen Wohnungen mit jungen zusammen, die sich die hohen Mieten nicht leisten können.

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