Brigitte Bäurle engagiert sich für den Verein Yehudi Menuhin Live Music Now (LMN). Sie bringt die Musiker auch zu Konzerten ins Hans-Rehn-Stift in Rohr. Foto: Alessa Becker

Brigitte Bäurle engagiert sich seit mehr als zehn Jahren im Verein Live Music Now. Sie holt junge Musiker zu Konzerten in Seniorenheime, wie das Hans-Rehn-Stift in Stuttgart-Rohr, um denjenigen eine Freude zu bereiten, die nicht mehr selbst aktiv werden können.

Rohr - Wenn Brigitte Bäurle Zeit findet, setzt sie sich gern selbst ans Klavier. „Mein Vater hat mir vom ersten Geld nach der Währungsreform ein Klavier gekauft und dadurch habe ich meine Liebe zur Musik entdeckt“, erzählt die 79-Jährige. Heute setzt sie sich dafür ein, dass auch andere Menschen ihre geliebte Musik genießen können. Menschen, die nicht mehr auf Konzerte gehen können, weil sie körperlich dazu nicht in der Lage sind. Bäurle engagiert sich ehrenamtlich für den Verein Yehudi Menuhin Live Music Now (LMN) und lädt regelmäßig junge Nachwuchstalente von der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgarts Seniorenheime ein. Unter anderem organisiert sie im Hans-Rehn-Stift in Rohrdrei Mal im Jahr Konzerte für die Bewohner. Der Aufenthaltsraum, die Kantine oder das Foyer werden dann zum Konzertsaal. „Die Musiker machen sich besonders hübsch, sodass eine entsprechende Atmosphäre entsteht, außerdem erzählen sie anfangs oft etwas über sich und die Stücke“, erklärt Bäurle.

Die Konzerte kosten keinen Eintritt

„Freude schenken durch Musik“ ist das Motto des Vereins LMN, den es in etwa 20 Städten in Deutschland gibt. Die Mitglieder vermitteln die Grundüberzeugung, dass Musik Therapie ist, und verbinden sie mit der Förderung junger Künstler, die am Beginn ihrer Karriere stehen. Der Gründer Lord Yehudi Menuhin wurde in den USA geboren und in den 30er Jahren als Jahrhundertgeiger gefeiert. Er setzte sich sein Leben lang für Benachteiligte ein. Im Jahr 1977 gründete er LMN in Großbritannien. Menuhin starb 1999 während einer Deutschlandtournee. Doch die Mitglieder seiner Organisation planen bis heute in Gedenken an ihn eintrittsfreie Konzerte für Menschen, die nicht nur in Altersheimen, sondern auch in Krankenhäusern, Hospizen, Waisenhäusern oder Gefängnissen leben.

„Die Musiker, die bei diesen Konzerten auftreten, werden im Rahmen eines Vorspiels von einer hochrangigen Jury ausgewählt und bekommen für fünf Jahre ein Stipendium, bei dem ihre Auftritte von unseren Spendengeldern bezahlt werden“, erklärt Bäurle. Das Honorar sei dabei nicht der einzige Vorteil für die jungen Talente, denn sie könnten auch viel Erfahrung sammeln, indem sie vor einem unbekannten Publikum unter besonderen Umständen auftreten. „In einem Pflegeheim ruft auch mal jemand dazwischen oder bekommt einen Hustenanfall während der Vorstellung.“ Das ältere Publikum sei vor allem von heiterer Musik angetan. „Sie mögen Bach, Mozart, Beethoven oder kürzere Stücke, die ihre Erinnerung wecken“, sagt Bäurle. Musik live gespielt zu hören, sei etwas Besonderes und ein Höhepunkt im Alltag der Menschen im Seniorenheim. „Manche sitzen schon vier Stunden vor Beginn auf ihrem Platz und warten.“

Zum selbst Musizieren bleibt Brigitte Bäurle wenig Zeit

Seit elf Jahren engagiert sich Brigitte Bäurle für den Verein, wählt Stipendiaten aus, bespricht mit ihnen das Programm, vereinbart Konzerttermine, besichtigt den Konzertraum, fährt die Musiker persönlich zum Konzertort und spendet dabei selbst regelmäßig. „Dabei bleibt oft nur noch wenig Zeit, selbst zu musizieren.“ Doch die Mühe lohnt sich. „Ich werde durch die rührende Dankbarkeit der Zuhörer belohnt“, sagt sie. Der Verein sei ständig auf der Suche nach neuen Ehrenamtlichen. „Ich kann das nur weiterempfehlen, die Arbeit tut der Seele gut.“

Ihre 99-jährige Mutter lebt nicht in einem Seniorenheim, aber sie begleitet Bäurle regelmäßig auf die Konzerte von LMN. Ihre Kinder und Enkel sehen das Engagement auch kritisch. „Sie würden sich wünschen, dass ich mir mehr Zeit für sie und weniger für fremde Menschen nehme“, sagt sie. Doch die ehrenamtliche Arbeit zu reduzieren, das ist keine Option für Brigitte Bäurle. „Ich kenne etwa im Hans-Rehn-Stift viele Bewohner schon und sie freuen sich ja auf die regelmäßigen Auftritte.“ Dort seien die Konzerte mit etwa 60 Zuhörern gut besucht. „Und am Ende wird immer um eine Zugabe gebeten.“

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