Zur Vorbereitung sind sie vor wenigen Wochen schon einmal zusammengekommen: Roland Baisch, Veit Hübner, Gaby Pas-van Riet, Stefan Waghubinger und Adelheid Kreisz (von links). Foto: Stadt Korntal-Münchingen/Anni Jurcec

Roland Baisch, Stefan Waghubinger und Veit Hübner sind Kleinkunstpreisträger des Landes. Nun treten sie anlässlich des Stadtjubiläums mit anderen Künstlern des Ortes auf. Die Kulturreferentin Melanie Thamm-Beck hat sie zusammengebracht. Ein Gespräch über Zugfahrten, Terminpläne und das Gefühl auf und hinter der Bühne.

Korntal-Münchingen - Der Kulturgipfel eint Kabarett, Comedy, Jazz, Klassik, Schattenbilder und Jonglage. Melanie Thamm-Beck will mit dieser Mischung die Vielfalt des Korntal-Münchinger Kulturlebens zeigen. Ein Gespräch über Termine, Zugfahrten und bekannte Künstler.

Frau Thamm-Beck Sie kennen die Korntaler Kulturszene seit 1998. Wie hat sie sich gewandelt?

Es gibt weniger Verlässlichkeit, was die Besucherzahlen angeht. Es gibt viel mehr Kulturangebote, gerade im Kleinkunst- und Kabarettbereich. Die Leute entscheiden sich immer später, ob sie zu einer Veranstaltung gehen und sie sind verwöhnt im positiven Sinne: Sie sind sehr kritisch, das heißt, sie sind qualitätsbewusst. Dass sich die Veranstaltungsbesucher später entscheiden, das gibt es überall, auch, dass man mit Online-Mediatheken konkurriert, in der man sich alles auf Abruf holen kann. In Korntal speziell habe ich mein Publikum dazu gebracht, Qualität zu erkennen. Das ist für mich nun die Herausforderung, diesen Ansprüchen des Publikums gerecht zu werden.

Welche Künstler kommen?

Die, die ich anfrage und für die zudem die Hausgröße und das Umfeld passen. Ich habe über die lange Zeit ein großes Netzwerk aufgebaut. Gerhard Polt, die Biermösl Blosn und die Wellbrüder wären nicht gekommen, wenn wir uns nicht kennen würden. Da ist die Nähe Korntals zum Theaterhaus schon zu groß. Die Konkurrenz der Veranstaltungsräume ist groß, die Künstler suchen sich aus, wo sie auftreten. Hagen Rether beispielsweise kommt jetzt zum fünften Mal. Die Künstler kommen, weil sie sich wohlfühlen bei uns. Das ist mir wichtig. Durch meine eigene künstlerische Tätigkeit habe ich einen ganz anderen Zugang zu den Künstlern, ich weiß, wie es ihnen geht auf und hinter der Bühne. Ich versuche zu vermitteln: „Ich bin für euch da“. Das spüren sie, das bekomme ich zurück, indem sie treu bleiben.

Sie sind selbst Sopranistin und waren mit dem Kammerchor Stuttgart unter Frieder Bernius weltweit unterwegs. Sie kennen die Wellbrüder persönlich?

Ja, das ist aus der Tätigkeit in Korntal entstanden. Michael Volle, der in Bayreuth gesungen hat, kenne ich durch meine künstlerische Tätigkeit, mit Gaby Pas-van Riet musiziere ich hin und wieder. Es sind fließende Übergänge.

Ist der Bezug zum Künstler entscheidend?

Nein, er ist nicht entscheidend, aber es macht einen großen Anteil davon aus, wie sich ein Kulturprogramm zusammensetzt.

Gibt es einen Grund, dass Korntal quasi eine Hochburg der Kultur ist, dass hier so viele namhafte Künstler leben?

Das würde ich nicht so hoch hängen, das ist Zufall. Es wäre vermessen, Rückschlüsse zu ziehen auf die Struktur der Stadt.

Zunehmend bekannter wurde auch Stefan Waghubinger. Kannten Sie ihn, weil er Korntaler ist?

Ich kannte Stefan Waghubinger überhaupt nicht, auch nicht als Kabarettisten. 2011 hat er den Förderpreis des Kleinkunstpreises Baden-Württemberg gewonnen, das hatte ich über Kollegen erfahren. Bei der Preisverleihung des Kleinkunstpreises habe ich ihm eine Glückwunschkarte überreicht, das haben wir auch bei allen anderen Kleinkunstpreisträgern gemacht, die danach kamen. Ich nahm also Kontakt mit Stefan Waghubinger auf, er trat dann bei uns auf. Wenn wir jetzt Termine mit ihm machen wollen, braucht man zwei Jahre Vorlauf.

Sie auch?

Ja klar, er muss ja seinen Tourneeplan machen. Aber ihm ist es schon wichtig, hier aufzutreten. Wir hatten ja das Heimspiel 2015 gemacht...

...eine ähnlich große Kulturveranstaltung wie nun der Kulturgipfel...

Da haben sich Roland Baisch und Stefan Waghubinger kennengelernt. Sie wussten voneinander, auch, dass sie in derselben Stadt wohnen, aber sie kannten sich nicht.

Nach dem Heimspiel nun der Kulturgipfel. Wie kam es dazu?

Nach dem Heimspiel hieß es, wir müssten das wiederholen. Dann rückte das Stadtjubiläum näher, bei der Vorbereitung innerhalb der Stadtverwaltung haben wir Leitsätze herausgearbeitet. Diese hießen Heimat, Identität und Brücken. Eine Stadt kann stolz sein und sich identifizieren mit den Künstlern, die dort leben. Das ist ein wertvolles Gut, da sie die Stadt nach außen repräsentieren. Meine Idee war es, die Künstler zusammen auf die Bühne bringen. Es gibt noch andere wie Fola Dada. Ich habe mir den Rahmen überlegt – und dann schloss sich der Kreis: Die Künstler leben hier, schaffen eine Identität mit der Stadt und bauen Brücken zwischen den Kulturgenres, die sie vertreten.

Nämlich welchen Genres?

Veit Hübner macht Jazz, Gaby Pas-van Riet kommt aus der Klassik, Roland Baisch macht Comedy, Stefan Waghubinger Kabarett und Adelheid Kreisz Schattentheater. Wir hatten schon drei, vier Jahre überlegt, etwas zusammen zu machen. Mit Gaby Pas-van Riet saß ich zum Beispiel einmal im Zug, ich fragte sie, ob sie Lust hätte, mitzumachen. Ihr fiel eine Jazz-Suite des Jazzmusikers Claude Bolling ein. Der Anlass für die Veranstaltung war nun das Jubiläum. Veit Hübner brachte dann Berta Epple ins Gespräch, mit der er und sein Bruder derzeit auf Tournee sind und Roland Baischs Tochter, die Zirkusartistin Vanessa Lee.

Abschließend: Was sollen die Bürger von Korntal-Münchingen von der Kulturveranstaltung zum Jubiläum Ihrer Meinung nach mitnehmen?

Viel Offenheit für verschiedene Genres, den Mut, nicht immer nur nach Stuttgart zu fahren, sondern Kultur vor Ort zu genießen und zu sehen, dass bei uns wirklich tolle Sachen laufen.

Ein Abend der Vielfalt in der Korntaler Stadthalle

Termin
Der „Korntaler Kulturgipfel“ findet an diesem Samstag, 19. Oktober, in der Korntaler Stadthalle statt. Beginn: 20 Uhr. Karten gibt es in der Stadthalle Korntal, der Bücherei Münchingen und im Internet auf reservix.de.

Programm
Die Veranstalter versprechen eine bunte Mischung aus Kabarett, Comedy, Jazz, Klassik, Schattenbilder und Jonglage. Auf der Bühne stehen Roland Baisch, Vanessa Lee, Veit Hübner, Adelheid Kreisz, Gaby Pas-van Riet, Stefan Waghubinger und Berta Epple.

Preisträger
Drei Preisträger des Kleinkunstpreises Baden-Württemberg leben in Korntal: der Comedian Roland Baisch, der Kabarettist Stefan Waghubinger und der Kontrabassist und Jazz-Komponist Veit Hübner. Veit Hübner hat im Jahr 2003 zudem den Jazzpreis Baden-Württemberg erhalten.

Anlass
Die Veranstaltung findet anlässlich des 200-Jahr-Jubiläums des Ortsteils Korntal statt.

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