Werner Spec mit seiner Familie und dem Ministerialdirektor Stefan Krebs. Hinter ihm sitzt Matthias Knecht. Foto: factum/

Bei der offiziellen Abschiedsfeier für den Ludwigsburger OB Werner Spec zeigt der Machtmensch eine ganz persönliche Seite. Und bei dem politisch bedeutsamsten Moment des Abends beweist er Größe.

Ludwigsburg - Werner Spec ist auf der Bühne, die Trompete in der Hand. Mit geschlossenen Augen steht er neben den Musikanten der Brenz Band – einer Gruppe, in der behinderte und nicht behinderte Menschen zusammen musizieren. Seit einer Ecuador-Reise ist Spec ein Ehrenmitglied. Gemeinsam schmettern sie den Klassiker „Que sera“, zuvor haben sie sich mit Handschlag begrüßt. Der scheidende Oberbürgermeister ist ganz bei sich. Und zeigt eine Seite, die nur wenige kennen, die meist den Machtmenschen in der Öffentlichkeit wahrgenommen haben. Denn der 61-Jährige hat sich abseits der Öffentlichkeit für Menschen eingesetzt, die es schwer hatten.

Gut 350 Gäste sind gekommen an diesem heißen Abend im Reithaus. Die wichtigsten Menschen der Stadtgesellschaft, Weggefährten, Kommunalpolitiker, der Ministerialdirektor Stefan Krebs oder der Bosch-Manager Stefan Hartung. Sie beschreiben Werner Spec als einen Kommunalpolitiker, der rund um die Uhr gearbeitet habe, stets wachsam gewesen sei, voller Schaffensdrang und ständig neue Ideen umgesetzt habe. „Er ist ein lächelnder, freundlicher, genießender ... Jäger!“, sagt Stefan Hartung.

Würdigung aus der französischen Partnerstadt

Und die Bürgermeisterin von Montbeillard, Marie-Noelle Biguinet, hält eine sehr persönliche Rede auf Deutsch, obwohl diese Sprache für sie erkennbar fremd ist: „Lieber Werner, ich danke dir und sage dir auf Wiedersehen!“ Dann lädt sie den gebürtigen Sigmaringer im Herbst in die französische Partnerstadt ein, wo er eine Ehrenmedaille erhalten soll. Als Anerkennung dafür, dass er diese bundesweit erste deutsch-französische Freundschaft auf kommunaler Ebene mit neuem Leben gefüllt hat.

Doch die bewegendsten Szenen spielen sich außerhalb der offiziellen Grußreden ab. Thomas Schadt, der Direktor der Filmakademie, rührt mit einer sehr persönlichen Erinnerung an eine Begegnung das Publikum im Saal. Vor zehn Jahren ist ein ihm nahestehender Mensch gestorben, unendlich traurig und fassungslos saß er in einem griechischen Restaurant in Ludwigsburg bei einer Flasche Wein. „Werner Spec kam vorbei und hatte eigentlich keine Zeit“, erinnert sich der 62-Jährige.

Thomas Schadt lobt die Empathie seines Freundes Spec

Als der viel beschäftigte Oberbürgermeister die Lage erkannt habe, sei er fünf Stunden geblieben. „Er hat von seiner Familie erzählt, wir haben gelacht und geweint“, erzählt Schadt, „und am Ende hat er mit das Gefühl gegeben, dass es selbst an einem solchen Tag Hoffnung gibt.“ Als Schadt von der Bühne geht, umarmen sich die beiden Freunde innig. Die für das politische Klima der Stadt bedeutsamste Geste gibt es, als Spec am Ende der Veranstaltung selbst das Wort ergreift und ohne vorbereitetes Manuskript spricht. Er redet über seinen Nachfolger Matthias Knecht , der in dritter Reihe sitzt. „Ich bin überzeugt davon, dass er das Zeug hat, ein guter Oberbürgermeister zu werden“, sagt Spec mit ruhiger Stimme, „ich wünsche mir, dass auch alle, die ihn nicht gewählt haben, ihn mit voller Kraft unterstützen.“ Der Wahlverlierer zeigt Größe im Moment des Abschiedes. Schließlich erhält Spec Standing Ovations, minutenlang.

Kritik kommt wohldosiert und schön verpackt

Ganz ausgeblendet werden die Streitigkeiten an dme Abend nicht. Fein dosierte Kritik bleibt dem Ersten Bürgermeister Konrad Seigfried überlassen. Er stand nicht nur 13 Jahre lang loyal an der Seite des 61-Jährigen, sondern hat auch die Fähigkeit, Einwände rhetorisch elegant zu verpacken. „Ich habe ihm einmal sagt, er müsste nur manchmal etwas innehalten, damit andere zu ihm aufschließen können“, erklärt er. Oder er erinnert daran, dass mancher Mitarbeiter im Rathaus an dem Arbeitspensum zu leiden hatte.

Doch auch der Vize des OB kommt zu dem Schluss: „Sie waren eine riesige Bereicherung. Ludwigsburg war eine Chance für Sie, und sie waren eine für Ludwigsburg.“ Seine nie erlöschende Energie, seine Empathie und seine Durchsetzungsfähigkeit hätten die Stadt bundesweit zum Vorbild gemacht. Seigfrieds Fazit: „Das Amt hat wunderbar zu Ihnen gepasst, und Sie haben es auf bemerkenswerte Weise ausgefüllt.“ Für den Gemeinderat spricht auf Wunsch von Spec selbst die langjährige CDU-Stadträtin Elke Kreiser, die zu einem ähnlichen Schluss kommt: „Ludwigsburg hat sich großartig entwickelt. Das bleibt, und dafür danken wir.“

Werner Spec ist zum Abschied ganz bei sich

Am Ende betritt Spec ganz allein die Bühne. Er spricht nicht wie üblich über Digitalisierung und die Lage der Welt, sondern wird ganz persönlich. „Ich muss jetzt aufpassen, dass ich nicht sentimental werde“, sagt er. Doch als er den Bürgern und den Mitarbeitern dankt, ist seine Stimme doch für einen kurzen Augenblick belegt. „Es war eine wundervolle Zeit, die längste Station meines beruflichen Lebens“, sagt das 2003 erstmals gewählte Stadtoberhaupt. Als lang anhaltender Beifall aufbrandet, schaut er nachdenklich ins Publikum. Er kündigt an, dass er jetzt mehr Zeit mit seinen Kindern verbringen will. Und es wirkt authentisch, wenn er sagt: „Ich gehe ohne Gram, ich habe noch einmal eine Riesenchance erhalten.“

Mit der Brenz Band intoniert er dann „Muss i denn zum Städtele hinaus.“ Streit und Kampf sind Vergangenheit, die Ära Spec endet nach 16 Jahren versöhnlich.

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