Ob eine Straße eine Einbahnstraße wird oder nicht, interessiert Deutschlands jüngsten Europawahl-Kandidaten Niklas Willma nicht. Foto: Partei

Niklas Willma schreibt gerade seine letzten Abiturprüfungen – und kandidiert für die Europawahl am 26. Mai. Ein Porträt über Deutschlands jüngsten Kandidaten.

Neumünster - In seinem Zimmer hängen ein Star-Wars-Plakat, ein Michael-Jackson-Poster und eine große Schleswig-Holstein-Flagge an den Wänden. Bücher über römische Geschichte und Biografien von Helmut Schmidt und Willy Brandt stehen und liegen zwischen Schulbüchern und Blättern auf dem Schreibtisch. Niklas Willma ist 18 Jahre alt. Er lebt in Neumünster, kocht gerne, schreibt gerade seine letzten Abiturprüfungen, für die er, wie er selbst sagt, nicht sonderlich viel gelernt hat. Und er kandidiert als jüngster Deutscher für die Europawahl am 26. Mai.

Begonnen hat alles mit dem Tod von Altkanzler Schmidt im Jahr 2015. Dieser bewegte den damals 15-Jährigen. Er beschloss, sich politisch zu engagieren, schaute sich die Parteiprogramme der Linken und der Sozialdemokraten an, trat in die SPD ein und schrieb direkt einen Brief an die Parteispitze in Berlin. Darin fragte das Neumitglied, ob er sich für die Europawahl 2019 aufstellen lassen könne. Die Parteizentrale lobte im Antwortschreiben sein Engagement, meinte jedoch, er solle sich lieber erst einmal mit dem Ortsverein in Verbindung setzen, über den die Bewerbung laufen solle.

Willma hat seine politische Zukunft direkt in Europa gesehen

Sein aktuelles Engagement im Ortsverband Neumünster bezeichnet Willma selbst als „recht mager“, denn „ob Straße XY eine Einbahnstraße wird, interessiert mich nicht.“ Er habe seine politische Zukunft direkt in Europa gesehen. Daher bewarb sich der damals 17-Jährige – immer das Große im Blick - direkt beim Land Schleswig-Holstein und nicht über seinen Ortsverein für den ersten Listenplatz. Eine Entscheidung, die für Unmut sorgte. Warum hast du uns nicht Bescheid gesagt, darüber hätten wir reden müssen, sei ihm vom Ortsverband gesagt worden. Willma twittert: „Und wenn ich mir dann vornehme, mich weiter zu engagieren, dann muss man sich anhören, dass man am besten vorher eine Rundmail schreibt und ja sowieso erst mit der Kommunalpolitik anfängt. So ruiniert man Potenzial in den jungen Leuten“.

Zu Beginn des innerparteilichen Ringens rechnete sich der 18-Jährige tatsächlich noch Chancen auf Listenplatz 1 der Schleswig-Holsteinischen SPD aus. Sein forscher Plan, ohne politische Erfahrung an den Parteistrukturen vorbei ins Europaparlament einzuziehen, prallte jedoch an der politischen Realität ab. „Mit den Veranstaltungen im Sommer und Herbst habe ich gemerkt, dass meine Chancen sanken, weil ich noch keine Erfahrung habe.“ Diesen Einwand könne er bis zu einem gewissen Punkt verstehen, räumt er ein, aber wie solle er Erfahrungen bekommen, wenn nicht mit einem Mandat.

Eine Kandidatur bei den Landtagswahlen kann sich Willma vorstellen

Sein Traum ist Frieden und auf dem Gebiet der Friedenspolitik wolle er sich auch betätigen. Hauptsächlich geht es Willma um eine engere Kooperation der EU mit den Vereinten Nationen. Wie genau diese aussehen soll, weiß Willma nicht, das sei eine Frage der Zukunft, meint er. Als Europaabgeordneter will er zumindest für „ein Fundament“ sorge.

Nachdem ihn die schleswig-holsteinische SPD nur – oder immerhin - auf ihren dritten Listenplatz wählte und er somit auf Platz 52 der Bundesliste landete, begann Willma dann doch über Alternativen nachzudenken. Bei bisher 27 SPD-Abgeordneten im Europaparlament ist es ziemlich wahrscheinlich, dass sein europäischer Traum zumindest fürs Erste bereits ausgeträumt ist. So kann er sich jetzt auch vorstellen, bei der nächsten Landtagswahl in Schleswig-Holstein 2022 zu kandidieren. Bis dahin will er Geschichte und Politik in Kiel studieren.

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