Das Hoffnungshaus in der Esslinger Flandernstraße ist vor kurzem eingeweiht worden. Dort leben Flüchtlinge und andere Mieter unter einem Dach. Foto: Michael Steinert/Archiv

Die Stadt Esslingen übernimmt vom Landkreis Gemeinschaftsunterkünfte, um sie für die Anschlussunterbringung zu nutzen. Dennoch gibt es in diesem Bereich noch viel zu tun.

Esslingen - Die Stadt Esslingen muss bis zum Ende dieses Jahres 592 anerkannten Flüchtlingen im Anschluss an ihr Asylverfahren eine Bleibe zur Verfügung stellen. „Bei 142 davon wissen wir noch nicht wirklich, wo wir diese Menschen unterbringen sollen“, bezifferte Renate Schaumburg, die kommissarische Leiterin des Amts für Soziales und Sport in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses das voraussichtliche Defizit. Sie gehe aber davon aus, dass die Stadt im ersten Quartal des kommenden Jahres die Quote von 2017 erfüllen kann.

Landkreis und Stadt gehen aufeinander zu

Das sah freilich schon schlechter aus. Doch diverse hinzu gewonnene Unterkünfte haben laut der Amtsleiterin „etwas Entspannung in unsere Not gebracht, Plätze für die Anschlussunterbringung bereitzustellen“. Der Esslinger Sozialbürgermeister Markus Raab brachte es wie folgt auf den Punkt: „Die Lage ist nicht mehr so dramatisch, aber nach wie vor ungelöst.“ Ging es um die Anschlussunterbringung von Flüchtlingen, war das Verhältnis zwischen dem Landkreis und der Stadtverwaltung Esslingen in der Vergangenheit mitunter angespannt. Die Verantwortlichen im Landratsamt empfanden die Esslinger Bemühungen, diese Pflichtaufgabe zu meistern, als nicht zufriedenstellend. Jetzt scheinen die beiden Behörden in diesem Punkt aufeinander zuzugehen, wie Renate Schaumburg im Ausschuss berichtete, in dem sie die neuen Zahlen zum Thema Asyl vorstellte.

Schaumburg zufolge hilft es Esslingen weiter, dass sich der Landkreis gegenüber dem Ansinnen der Stadt, dessen Gemeinschaftsunterkünfte für die Erstunterbringung für ihre Anschlussunterbringung zu übernehmen, „sehr offen gezeigt“ habe. Acht Immobilien seien der Verwaltung angeboten worden, in sechs Mietverhältnisse steige die Stadt zunächst anstelle des Landkreises ein. Damit würden 56 anerkannte Asylbewerber versorgt, im kommenden Jahr möglicherweise weitere 73. Zudem seien 87 Personen in Wohnungen untergekommen, die der Verwaltung von Privatleuten angeboten worden seien. Renate Schaumburg geht davon aus, dass in diesem Bereich weitere 20 Wohnungen hinzu kommen. Mehr würden es wohl kaum werden, denn „der private Wohnungsmarkt ist leer gefegt“, stellte sie ernüchtert fest.

Nicht von Zahlen täuschen lassen

Weitere 286 Flüchtlinge seien bereits untergebracht, unter anderem beispielsweise im sogenannten Hoffnungshaus in der Flandernstraße. Diese Einrichtung, in der Flüchtlinge gemeinsam mit anderen Mietern leben, sei voll belegt und zeichne sich durch „ein gutes Miteinander“ aus. Weitere anerkannte Flüchtlinge lebten in kleineren Einheiten im Stadtgebiet.

Aber man dürfe sich nicht von Zahlen täuschen lassen, so Renate Schaumburg. Denn oft müssten sich in den diversen Unterkünften zwei Personen ein Zimmer teilen. Das sei „keine gute Unterbringung“ für Flüchtlinge mit einem Bleiberecht, die längerfristig bei uns lebten.

Ursprünglich hätte Esslingen in diesem Jahr laut einem Schlüssel 622 Menschen in der Anschlussunterbringung eine Bleibe zur Verfügung stellen müssen. Doch diese Zahl vom Kreis sei auf 592 nach unten korrigiert worden. „Das klingt nicht nach viel“, erklärte Renate Schaumburg, und doch lindere es die angespannte Situation.

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