In Stuttgart sind zuletzt Vonovia-Mieter auf die Straße gegangen. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Deutschlands größter Vermieter Vonovia will weniger modernisieren. Die Umlage auf Mieter sinkt. Auch die Politik greift ein. Doch für Konzerne bleibt das Geschäftsmodell lukrativ.

Stuttgart - Der größte deutsche Wohnungskonzern ­Vonovia will die Investitionen in Modernisierungen zurückfahren. Hintergrund sei eine „dramatisch zurückgegangene“ gesellschaftliche Akzeptanz für die in der Regel mit hohen Mietsteigerungen verbundenen energetischen Modernisierungen, sagte Vonovia-Chef Rolf Buch. Zudem will das Unternehmen die Mieterhöhungen nach solchen Arbeiten in Zukunft auf zwei Euro pro Quadratmeter deckeln – auch bei teuren Wohnungen. Damit geht man noch weiter als die jüngsten politischen Beschlüsse.

Speziell in Stuttgart hatten die Pläne der Vonovia Proteste ausgelöst. Dem Unternehmen gehören in der ­Landeshauptstadt rund 4600 Wohnungen, in der Region sind es weitere 3400. Den Bewohnern der betroffenen Einheiten hatten Mieterhöhungen von bis zu 60 ­Prozent gedroht. Man werde nach dem jüngsten Beschluss nun „alle laufenden Projekte, bei denen die Mieterhöhung noch über zwei Euro pro Quadratmeter veranschlagt war, sehr genau anschauen“, sagte eine Vonovia-Sprecherin unserer Zeitung.

Rückschlag für den Klimaschutz?

Buch sagte, die künftige Zurückhaltung seines Unternehmens bei energetischen Modernisierungen sei ein Rückschlag für den Klimaschutz. Einige Stimmen aus der Politik schlagen ähnliche Töne an. Nach Recherchen unserer Zeitung weisen allerdings diverse Objekte laut Energieausweis bereits vor den Arbeiten hervorragende Werte auf.

Warum Immobilienkonzerne bevorzugt ältere Wohnhäuser kaufen und nach kurzer Zeit modernisieren, zeigt eine Musterrechnung unserer Zeitung. Demnach lässt sich mit der Kombination aus steuerlichen Abschreibungen und der Umlage der Kosten auf die Mieter innerhalb weniger Jahre ­massiver Gewinn erwirtschaften.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: